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Betriebsrat der LVB: „Einheitlicher Tarifvertrag für Fahrer bis 2022“

Interview Betriebsrat der LVB: „Einheitlicher Tarifvertrag für Fahrer bis 2022“

Der Betriebsrat der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) äußert sich im Interview mit LVZ.de zu der Kritik einiger Straßenbahnfahrer am Unternehmen. Dabei erläutern die Arbeitnehmervertreter Tarifunterschiede, sprechen über den Druck für die Fahrer sowie die eigenen Hilfsangebote.

Bis 2022 sollen alle Fahrer der LVB und ihrer Tochterunternehmen das gleich Gehalt bekommen.

Quelle: Leipzig report

Leipzig. Ronald Petzold als Vorsitzender steht an der Spitze des Betriebsrats der LVB. Tibor Franke ist freigestellter Betriebsrat und zudem Vorsitzender des Konzernbetriebsrates der LVB. Sie können den Frust einiger Straßenbahn- und Busfahrer verstehen. Vor allem die unterschiedliche Bezahlung und der Druck, der täglich auf den Mitarbeitern lastet, ist intern immer wieder ein Thema. Im Interview mit LVZ.de zeigen sie aber auch Unverständnis dafür, dass Angebote des Betriebsrats von den Fahrern kaum genutzt werden. 

Wie viele Bus- und Bahnfahrer der LVB und ihrer Tochterfirmen vertritt der Betriebsrat aktuell?

Ronald Petzold, Vorsitzender des Betriebsrates bei den LVB.

Quelle: privat

Petzold: Unser Betriebsrat vertritt 1130 Fahrerinnen und Fahrer, die aber drei verschiedenen Unternehmen angehören. Die LVB als Mutter hat altbeschäftigte Fahrdienstmitarbeiter. Alle, die ab 2002 neu eingestellt wurden, sind bei Tochterfirmen angestellt, die Straßenbahnfahrer in der LSVB und die Busfahrer in der LeoBus. Aber wir vertreten alle gemeinsam in einem Betriebsrat.

Aufhänger für den LVZ-Artikel vom 21. Juli war, dass einige Straßenbahnfahrer das schlechte Betriebsklima bei den LVB kritisiert haben. Wie sehen Sie als Betriebsrat die Situation?

Petzold: In meiner Wahrnehmung ist das Betriebsklima momentan wirklich relativ schwierig und angespannt. Das hat mehrere Ursachen, zum Beispiel die verschiedenen Tariflandschaften in den Tochterfirmen. Diese kommen aus Sparzwängen heraus. Wir als Betriebsrat sind keine Tarifpartei und können dieses nicht beeinflussen. Praktisch bedeutet das: Die Menschen machen den gleichen Job, werden aber unterschiedlich bezahlt.

Franke: Im Schnitt müssten die Fahrer der Tochterfirmen rein rechnerisch zwei bis drei Tage ihrer Freizeit im Monat opfern, um das gleiche Gehaltsniveau zu erhalten. Allein diese Tatsache ist natürlich nicht förderlich für das Betriebsklima.

Ist eine Lösung oder Angleichung der Gehälter auf lange Zeit in Sicht?

Petzold: Wir werden uns was die Vergütung betrifft, spätestens 2022 alle in einem einheitlichen Tarifvertrag wiederfinden. Das Einkommen bei den Tochtergesellschaften liegt derzeit schätzungsweise 400 Euro netto unter dem der LVB-Fahrer. Die Altbeschäftigten sind im Beschäftigungspakt. Das ist ein Tarifvertrag, bei dem Leute vor vielen Jahren auf Lohn verzichtet haben, um einen Kündigungsschutz zu bekommen und neue Arbeitsplätze möglich zu machen.

Beschneidet der Beschäftigungspakt das Recht zu streiken?

Petzold: Der Fakt ist schlicht und ergreifend falsch.

Franke: Dass ein Tarifvertrag ein Grundrecht aushebelt, funktioniert nicht.  

Petzold: Wenn ein Tarifvertrag wirkt und nicht gerade verhandelt wird, dann herrscht Friedenspflicht. Das ist in der ganzen Bundesrepublik so, nicht nur bei der LVB. Wenn aber ein Tarifvertrag in Verhandlung ist und die Verhandlungen scheitern, dann kann natürlich gestreikt werden. Auch bei allen unseren Tochtergesellschaften. Was aber zum Beispiel nicht geht: Wenn LeoBus und die LSVB streiken, dass Fahrer der LVB dort mitstreiken dürfen, weil es eine andere GmbH ist, die unter einen anderen Tarifvertrag fällt.

Wie steht es mit der hohen Arbeitsbelastung und Anspannung für die Fahrer, etwa durch schwierige Netzverhältnisse und Langsamfahrstrecken in Leipzig?

Petzold: Ja, da gibt es Druck und Schwierigkeiten. Aber man muss dazu sagen, dass Leipzig das zweitgrößte Straßenbahnnetz in Deutschland hat. Da gibt es immer etwas zu tun. Wir schieben einen Investitionsstau von 200 Millionen vor uns her, was die Sanierung anbetrifft. Es gibt Langsamfahrstrecken, aber kein Fahrer wird belangt, wenn er zu spät irgendwo ankommt. Da gibt es keine Gehaltsabzüge. Ganz im Gegenteil, Überstunden werden vergütet.

Tibor Franke, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates der LVB.

Quelle: privat

Franke: Die Fahrerinnen und Fahrer haben einen hohen Anspruch an sich selbst, möchten gerne pünktlich sein. Aber die Umstände lassen das nicht immer zu. Man kann auch einfach nur sagen, es kratzt an der persönlichen Berufsehre eines jeden Fahrers, wenn nicht alles optimal läuft.

Vor einem Jahr hat LVB-Geschäftsführer Ulf Middelberg im Interview mit der LVZ bestätigt, dass der Krankenstand der Fahrer höher ist als erwartet und es dadurch zu Problemen kam. Ist da in den vergangenen zwölf Monaten etwas passiert?

Petzold: In der Tat ist der Krankenstand damals um vier Prozent gestiegen. Aber nicht seit dem letzten Jahr, sondern generell. Das ist ein bundesweites Problem, nicht nur bei uns. Wir bieten den Mitarbeitern auch einiges an. Am Straßenbahnhof Angerbrücke gibt es unser Gesundheitszentrum. Da ist vom Betriebsarzt über die Krankenkasse und den Fitnessraum alles vertreten. Selbstverständlich kämpfen wir auch mit der Demografie. Der Altersdurchschnitt liegt beim Fahrdienst bei 47,5 Jahren.

Franke: Die Personalplanung wurde dem Schnitt angepasst und die LVB haben zahlreich Fahrer eingestellt. Das sind in Summe 118 Bus- und Straßenbahnfahrer. Die Fahrschule ist für das aktuelle Jahr ausgelastet.

Welche Möglichkeiten haben Sie denn generell, Mitarbeiter zu unterstützen, wenn es kriselt?

Petzold: Wir haben eine sehr angenehme Unternehmenskultur. Der Arbeitgeber lässt zum Beispiel zu, dass bei Personalgesprächen Betriebsräte zugelassen sind. Das sieht das Gesetz eigentlich nicht vor. Wir sagen den Mitarbeitern auch bei jeder Gelegenheit, dass sie mit uns über Probleme sprechen können. Es gibt flexible Gesprächszeiten, das Intranet und ähnliche Angebote.

Franke: Zu den zuletzt angebotenen Teilbetriebsversammlungen waren mitunter wenig besucht. Wir haben auch angeboten, uns in der Freizeit, und auf Wunsch außerhalb des Unternehmens zu treffen.

Petzold: Wohlwissend, dass wir alle eine angespannte Zeit durchleben und noch durchleben werden, bedarf es einer fairen, offenen und ehrlichen Kommunikation miteinander. Das ist aus meiner Sicht das einzig Richtige, um in der „Spur“ zu bleiben. Das dies nur gemeinsam funktioniert, ist mir und meinen Kollegen klar, nur muss es auch bei allen Beteiligten auf eine gewisse „Gegenliebe“ stoßen. Unsere Türen stehen jederzeit offen, man muss einfach nur herein kommen.

Interview: Anne Grimm und Evelyn ter Vehn

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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