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Lokales Betrüger sah sich offenbar als ein moderner Robin Hood
Leipzig Lokales Betrüger sah sich offenbar als ein moderner Robin Hood
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00:17 18.08.2016
Im ersten Quartal 2016 flog bei der Volksbank Leipzig ein Betrüger auf, der postwendend entlassen wurde. Quelle: Jens Rometsch
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Leipzig.

Überraschend an ihren Schilderungen ist zunächst, dass alle glauben, Denis L. habe sich nicht privat bereichert. „Er sah sich als moderner Robin Hood“, meinte ein Unternehmer aus dem landwirtschaftlichen Bereich, der über den im März 2016 entlassenen Firmenkundenbetreuer der Volksbank zuvor fast 100 000 Euro angelegt hatte. „Genau wie der Rächer aus dem Sherwood überging er dabei aber die Gesetze und Vorschriften. Er handelte kriminell.“

Über 600 000 Euro verschoben

Denis L. habe seinen Kunden bereits seit Herbst 2014 Kreditversprechen gegeben, die er nicht alle einhalten konnte. Deshalb habe er anderen Volksbank-Kunden vorgegaukelt, sie könnten über ihn besondere Mitarbeiter-Konditionen bei dem Kreditinstitut nutzen – zum Beispiel dort Geld mit vier Prozent Zinsen per anno anlegen. „Es war ein Versuch, beiden Seiten zu helfen“, so der Landwirt. Firmenkunden hätten dadurch schnell Liquidität erhalten können und andere Privatkunden ordentliche Zinsen. „Am Ende kam die Robin-Hood-Bank des Denis L. immerhin auf 600 000 bis 700 000 Euro Kredit- und Anlagevermögen bei Schuldnern und Gläubigern. Und sie nahm dabei nicht mal die sonst üblichen Verwaltungs- und Wasserkopfkosten. Mir ist unerklärlich, weshalb das bei der Leipziger Volksbank erst nach etwa anderthalb Jahren aufgefallen ist.“

Immerhin: Nachdem die Innenrevision des Instituts in der Schillerstraße dem Kundenbetreuer auf die Schliche kam, habe ihm die Volksbank 20 000 Euro erstattet, berichtete der Geschädigte. „Dabei ging es um eine richtig gefälschte Buchung, bei der Herr L. die Kontonummer ausgewechselt hatte.“ Für die darüber hinaus offenen, weit höheren Anlagebeträge habe die Volksbank jede Verantwortung abgelehnt. „Das seien reine Privatgeschäfte und man möge sich dazu an Herrn L. wenden.“

Existenzgründer in Not

Unzufrieden zeigte sich gegenüber der LVZ auch ein Leipziger Unternehmensberater, der zwei anderen Geschädigten zu helfen versucht. Diesen Existenzgründern hatte Denis L. Kredite versprochen, damit sie ein Fitnessstudio beziehungsweise einen Gastronomiebetrieb aufbauen können. „Im Vertrauen darauf wurde zum Beispiel schon ein Mietvertrag über fünf Jahre unterzeichnet. Aber selbst mit den Teilbeträgen, die bereits geflossen waren, können sie nun nicht mehr nachhaltig arbeiten.“ Denn juristisch sei unklar, wer Verleiher des Geldes ist und ob der Vorgang rechtmäßig war. „Die Volksbank sagt dazu nur: Mit uns haben Sie keinen Kreditvertrag.“ In einem Fall, wo 30 000 Euro fehlten, um ein Geschäft zu eröffnen, habe sie keine Möglichkeit gesehen, einen neuen, sauberen Kreditvertrag über so eine Summe abzuschließen. „Dabei haftet jeder Kreditnehmer auch mit seinem persönlichen Vermögen. Durchweg alle Geschädigten waren Kunden der Volksbank und Denis L. war in diesem Zeitraum dort Mitarbeiter.“

Ein ebenfalls geschädigter Internet-Unternehmer stieß sich an den Aussagen der Volksbank, sie habe in allen Fällen überprüft, ob sie mündliche Zusagen von Denis L. in reguläre Kreditverträge verwandeln kann. „Wir hatten ausreichende Sicherheiten für einen Kredit vorgelegt. Trotzdem lehnte man unser Anliegen ab.“

Unternehmenssprecher Torsten Wünsche erklärte auf Nachfrage, in den durch die Volksbank bisher nicht regulierten Fällen gehe man davon aus, „dass den Kunden bekannt war, dass diese Geschäfte auf privater Ebene getätigt werden. Für diese Vorgänge liegen deshalb auch keine banküblichen Belege vor, so dass die Volksbank sich hierzu nicht weiter äußern kann.“

Mehrere Geschädigte kündigten Klagen gegen die Volksbank an. Der Landwirt meinte: „Das erzeugt aber noch mehr Kosten auf allen Seiten. Besser wäre, Bank und Kunden suchten gemeinsam Lösungen.“

Von Jens Rometsch

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