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Lokales Bevölkerungsboom beschert Leipzig auch Probleme
Leipzig Lokales Bevölkerungsboom beschert Leipzig auch Probleme
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00:17 24.06.2016
Die Grünfläche an der Thomaskirche (im Hintergrund) gilt als Paradebeispiel einer gelungenen Freiraumsicherung: Ursprünglich sollte das Areal vor dem Hugendubel-Haus (links) bebaut werden, weil dies die im Krieg zerstörte ursprüngliche Bebauung so vorsah. Die Stadt entschied sich für eine Grünfläche, die heute stark genutzt wird. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Das rasante Wachstum der Leipziger Einwohnerzahl ist nicht nur positiv, sondern birgt auch viele Probleme. Dieses Fazit zogen die über 50 Teilnehmer eines Forums, zu dem die Leipziger Agenda 21 am Montag in die Handwerkammer zu Leipzig eingeladen hatte. Unter der Überschrift „Globale Nachhaltigkeitsziele – wie machen wir sie für Leipzig konkret?“wurde fast drei Stunden darüber diskutiert, welche Probleme absehbar sind und welche Lösungsansätze präferiert werden sollten. Diskutiert wurde vor allem über folgende Punkte.

Freiraumsicherung: Weil die Stadt immer dichter bebaut wird, werden auch immer mehr besonders wertvolle Freiflächen verschwinden – also Areale, die für das Wohnumfeld und die Anwohner wichtig sind. Die Stadt sollte deshalb schon jetzt ihre Liegenschaftspolitik darauf ausrichten, solche Flächen zu finden und zu schützen, hieß es. „Der Erhalt solcher Flächen sollte vernünftig abgewogen und nicht dem Zufall überlassen werden“, regt Ralf Elsässer von der Leipziger Agenda 21 an. Dafür gebe es aktuell in der Stadtverwaltung kein reguläres Verfahren, obwohl dieses Thema die Lebensqualität in Leipzig künftig stark beeinflussen wird. „Wir sind aber grundsätzlich für eine dichte Stadt“, betont Elsässer. „Denn die ist ökologisch. Unter anderem wegen der kurzen Wege. Außerdem begrenzt sie die Zersiedlung im Umland.“

Wohnen: Gefordert wurde auch, die Stadt sollte Bedingungen schaffen, damit im Niedrig- und Mittelpreissegment Mietwohnungen entstehen können. Leipzigs bestehendes wohnungspolitische Konzept sei dafür eine gute Basis, sollte aber zügiger umgesetzt werden. „Die Stadt sollte mehr Bauflächen ausweisen, denn je mehr Masse auf dem Markt ist, desto langsamer steigen die Mietpreise“, so Elsässer. Eine Verknappung wirke dagegen preistreibend. Zusätzlich wird mehr Unterstützung für Mietergruppen gefordert, die individuelle, selbstbestimmte Wohnformen etablieren möchten. „Das ist nicht nur ein Modell für Studenten, sondern auch für andere einkommensschwache Haushalte“, betont Elsässer. Es gebe vielfältige Modelle wie zum Beispiel Ausbauhäuser, kleine Genossenschaften oder Formen der Mieter-Selbstverwaltung, um sich von den Preiserhöhungen auf dem Wohnungsmarkt abzukoppeln. Solchen Gruppen sollten Beratungsleistungen und geeignete Objekte angeboten werden – auch Häuser, die nach der Gründerzeit in Leipzig entstanden sind.

Bildung: Als Problem wurde die hohe Schulabbrecherquote ausgemacht. Bei diesen Jugendlichen setze sich die negative Entwicklung erfahrungsgemäß im weiteren Leben fort und werde häufig auch auf die nächste und die übernächste Generation übertragen, hieß es. So entstehe „ein hoher Sockel aus relativer Armut und benachteiligten Kindern“, der der Stadt immer höhere Kosten verursacht. Diese Spirale sollte durchbrochen werden, indem Leipzig stärker als bislang die frühkindliche Bildung fördert. „Was im Kindergarten an Rückständen aufgebaut wird, ist sehr häufig in der Schule und später nicht aufzuholen“, so Elsässer.

Verkehr: Für ein Umdenken wird auch in der Verkehrspolitik plädiert. In einer dicht bebauten wachsenden Stadt sei es nicht möglich, für alle Verkehrsarten optimale Bedingungen zu schaffen, hieß es. Deshalb sollte Leipzig auf einen „Mix von Verkehrsarten“ setzen – insbesondere für Pendler aus und in das Umland. „Die Stadt muss für die Nutzer Systeme unterstützen, die diese Verknüpfung einfach und bequem möglich machen“, so Elsässer.

Professor Dieter Rink vom Koordinierungskreis der Leipziger Agenda 21 kündigte an, dass die Aktionsgruppe diese Entwicklungen weiter begleiten wird. „Wir suchen noch interessierte Leute, die an diesen Themen dranbleiben und die Umsetzung organisieren wollen“, sagte er. Der Kontakt sei über das Info-Center in der Eisenbahnstraße 49 möglich (Telefon 0341 35137913).

Von Andreas Tappert

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