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Lokales Bewährungsstrafe für Wasserbüffel-Halter von Paunsdorf
Leipzig Lokales Bewährungsstrafe für Wasserbüffel-Halter von Paunsdorf
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20:47 16.05.2018
Wasserbüffel vor dem Plattenbau-Panorama in Paunsdorf wird es wahrscheinlich bald nicht mehr geben. Im März 2017 waren zwei männliche Tiere verhungert. Ihr Normalgewicht beträgt etwa eine halbe Tonne. Quelle: Foto: LVZ-Archiv
Leipzig

Der Halter der Wasserbüffel-Herde im Grünen Bogen Paunsdorf wurde am 16. Mai 2018 am Leipziger Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Angedroht sind neun Monate Haft, falls er in den nächsten zwei Jahren noch einmal vorsätzlich straffällig wird. Der in Taucha lebende Holger W. war bereits vor fünf Jahren zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Auch damals lautete der Vorwurf, er habe mehrere Tiere verhungern lassen.

Tierschutzgesetzt verbietet Töten „ohne vernünftigen Grund“

Bei der gestrigen Verhandlung ging es vor allem um den Tod von zwei männlichen Wasserbüffeln am 11. und 23. März 2017. Spaziergänger in dem Naherholungsgebiet hatten deren reglose Körper entdeckt. Auch zehn weitere der etwa 20 Büffel seien so stark abgemagert gewesen, dass dies sogar Laien erkannten, hieß es in der Anklageschrift. Gemäß Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes steht auf das Töten von Wirbeltieren „ohne vernünftigen Grund“ eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Angeklagter verweist auf mögliche Altlasten oder andere Gründe

Holger W. versicherte, er sei sich keiner Schuld bewusst. 2009 habe das Pachtverhältnis mit der Stadt Leipzig, die ihm 36 Hektar kostenfrei überließ, begonnen. Damals habe er auch die Hege von Wildpferden auf dem Areal übernommen, die der Nabu Köthen als vorheriger Pächter hinterlassen habe. Laut dem Vertrag sei er zum Zufüttern nur bei Notlagen im Winter verpflichtet, so der 42-Jährige, der von einer Berufsunfähigkeitsrente lebt. „Trotzdem waren ich oder mein Vater jeden Tag vor Ort.“ Bei Bedarf habe es täglich einen Ballen mit etwa 350 Kilogramm Heu, auch Möhren als Futter gegeben. Eventuell hätten giftige Altlasten auf dem früheren Militärgelände die Todesfälle ausgelöst. Auch würden die Wildpferde oft die Büffel vom Futterplatz verdrängen.

Fettgewebe an Herz und Milz laut Veterinär-Pathologe aufgebraucht

Indes berichtete ein Tierarzt vom Institut für Veterinär-Pathologie, der das tote Tier vom 23. März obduziert hatte, der Büffel sei eindeutig „verhungert“. Das Fettgewebe an Herz und Milz sei aufgebraucht gewesen. Diese Fettreserven würden als allerletzter Vorrat genutzt.

Wasserbüffel-Herde in Paunsdorf steht vor dem Aus

Da sich die Umstände des anderen Falles vom 11. März nicht mehr aufklären ließen (dieser tote Büffel war verstümmelt), verhängte die Richterin die Strafe nur für den Fall vom 23. März – in Tateinheit mit der Unterversorgung weiterer Tiere. Holger W. sei vom Leipziger Veterinäramt seit vielen Jahren beauflagt worden, den Büffeln nicht nur Heu, sondern auch energiereicheres Futter wie Mais zur Verfügung zu stellen. Er habe das trotz ähnlich gelagerter Todesfälle von 2013 nicht getan, so die Richterin. Sie legte dem Angeklagten ans Herz, die restlichen Büffel aus Paunsdorf schnell rechtsgetreu auf seine „Farm“ in Taucha zu holen, wo er ebenfalls Wasserbüffel hält. Den Pachtvertrag in Paunsdorf hatte ihm die Stadt schon zum 31. Dezember 2016 gekündigt.

Von Jens Rometsch

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