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Bibelarbeit in der Bahn: Kirchentag sucht neue Wege in Leipzig

Poetry Slam und Pilgern am Wasser Bibelarbeit in der Bahn: Kirchentag sucht neue Wege in Leipzig

Tag 2 beim Kirchentag: Am Freitag ging es für die Teilnehmer auf ungewöhnliche Wege zum Glauben. In einer Straßenbahn gab es ein Bibelarbeit mit dem Poetry Slammer Bo Wimmer, Pilger entdeckten „Ströme lebendigen Wassers“ entlang der Leipziger Kirchen.

Bibelarbeit in der Bahn: Am Freitag Morgen ging es mit dem Marburger Poetry Slammer Bo Wimmer am Leuschnerplatz los.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig.  Eine Fahrt ins Ungewisse mit Bibeltexten in der Straßenbahn: „Ich bin gespannt“, sagt Bo Wimmer vor dem Einstieg an der Haltestelle Wilhelm-Leuschner-Platz. Der 39-Jährige lebt in Marburg und ist ein bekannter Poetry-Slammer. Gemeinsam mit Thomas Erne, dem Leiter des Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart in Marburg, hatte er die Idee vom Predigt Slam. Der ermöglicht eine größere Vielfalt an Formen und Stilmitteln in der Predigt.

Bo Wimmer: „Soll ich die Fenster verdunkeln?“

In Leipzig aber liest Wimmer in der eigens für den Kirchentag gecharterten Partybahn Texte aus der Bibel wie den von den Brüdern Esau und Jakob. In dem geht es um Fragen von Schuld, Vergebung und Versöhnung. „Hat jemand eine Meinung dazu?“, fragt er und erzählt, dass er kein Theologe sei. „Aber halbwegs bibelfest.“ Antworten der Mitreisenden kommen zunächst eher spärlich. „Leipzig lenkt wohl zu sehr ab. Soll ich die Fenster der Straßenbahn verdunkeln?“, sagt Wimmer schmunzelnd. Später trägt er auch Texte vor, die er gemeinsam mit Lars Rubbel, bekannt als Team Rocket, zu Papier brachte. Dafür gibt es freundlichen Applaus des mitfahrenden Publikums.

„Mit einer öffentlichen Bahn, bei der die Leute an den Haltestellen ein- und aussteigen, hätte das Ganze sich noch mehr Dynamik bekommen“, lautet hinterher das Fazit des Poetry-Slammers.

Trockener Pilgerpfad am Wasser

Ortswechsel: Trockenen Fußes machen sich Pilger schon am Donnerstag auf den Weg, die „Ströme lebendigen Wassers“ zu erkunden – entlang der Gotteshäuser im Leipziger Westen. Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Liebfrauenkirche Lindenau geht’s los. Dort flimmert zunächst der Dokumentarfilm „Der Perlmuttknopf“ des chilenisches Regisseurs Patricio Guzmán über die Leinwand, in dem dieser die blutige Geschichte seines Heimatlandes erzählt, das Meer ebenso zur Wunderwelt wie zum Massengrab wird. Vom geschändeten Menschen bleibt nur ein Perlmuttknopf übrig.

„Nehmen Sie einen solchen Perlmuttknopf mit auf den Weg und erinnern Sie sich, dass wir vor Gott unzerstörbar sind“, empfiehlt der katholische Pfarrer Thomas Bohne den gut 200 Menschen, die hiernach zur Phillipus- und Heilandkirche, zur Bethanien- und Taborkirche pilgern. Auf dem Weg ist Gelegenheit, Chören und Instrumentalgruppen zu lauschen, eine Glasorgel zu hören, Ausstellungen anzuschauen oder zu erleben, wie in Gebärdensprache gebetet wird. Oder selbst Andacht zu halten. Im Rosengarten im Volkspark Küchenholz werden drei Lutherrosen gepflanzt.

„Die Pilgerreise ist eine Einladung, sich Zeit zu nehmen, auszutauschen und Neues zu entdecken“, sagt der evangelisch-lutherische Pfarrer Martin Stemmler-Michael, einer der Organisatoren. Sein Highlight? Er sei überrascht gewesen, wie ausdrucksstark Mareike Greb einen Predigertext tanzte. „Es ist eine gute Gelegenheit, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und zu erleben, wie verschieden die Kirchen genutzt werden“, findet Rainer Müller. „Wir sind noch nie gepilgert. Ich bin aber gern an der frischen Luft“, erzählt Patricia Beyer aus Nürnberg.

Von Matthias Orbeck

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