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Lokales Bibliotheca Albertina: Jubiläumskolloquium zum 125. Geburtstag
Leipzig Lokales Bibliotheca Albertina: Jubiläumskolloquium zum 125. Geburtstag
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00:17 20.10.2016
Lichtdurchflutet: Einer der Lesesäle in der Bibliotheca Albertina, die vor 125 Jahren eingeweiht wurde.   Quelle: André Kempner
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 Exakt 34 Entwürfe gingen bei der Jury ein, 24 davon fielen sofort durch, weil die primären Vorgaben nicht eingehalten wurden. So verblieben noch zehn Architekten-Vorschläge für den avisierten Monumentalbau an der Beethovenstraße. Und dem Preisgericht reichten zwei Tage, um sich ein Urteil zu bilden. Am 15. und 16. Oktober 1883 wurde erörtert, wie die Bibliotheca Albertina künftig aussehen möge und funktionell gestaltet seien solle.

Schon lange platzte die im Mittelpaulinum auf dem Augustusplatz untergebrachte Uni-Bibliothek aus allen Nähten. Die Buchbestände waren massiv angeschwollen, doch immer wieder wurden die Pläne für ein neues Domizil verschoben und verworfen. Nun endlich sollte der große Wurf erfolgen – mit einem prächtigen Neubau, für den der Leipziger Baumeister Arwed Rossbach unter dem Motto „Philadelphos“ die von den Juroren favorisierte Vorlage lieferte. Wie immer bei solchen Großprojekten war Streit programmiert: Konkurrenten machten Rossbach das Leben schwer, er musste nachbessern. Auch seine Honorarforderungen galten als überzogen. Um sein Salär zu kürzen, wurde die Ausführung des Vorhabens in die Hände von Landbaumeister Hugo Nauck gelegt, Rossbach musste sich mit der künstlerischen Leitung begnügen.

Im Juni 1887 erfolgte der erste Spatenstich für die Albertina, obwohl erst einen Monat später die Kostenvoranschläge vom zuständigen sächsischen Kultusministerium gebilligt wurden. Dann ging es an dem Standort im Musikviertel mit voller Kraft voran – bereits im Mai 1889 wurde Richtfest für den im Stil der Neorenaissance hochgezogenen Gebäudekomplex gefeiert. Am 24. Oktober anno 1891 ging die Einweihungsfeier über die Bühne. Allerdings war der Bau in diversen Punkten nicht deckungsgleich mit den ursprünglichen Plänen. Rossbach hatte während der Entstehungsphase immer wieder Modifizierungen an den Lesesälen und den für 800000 Bände ausgelegten Magazinen vorgenommen. Letztlich kostete die Albertina als Fundgrube des Wissens rund 2,6 Millionen Mark. Drinnen funzelten Gaslaternen und erhöhten die Brandgefahr, obwohl andernorts elektrisches Licht schon selbstverständlich war.

Nun, da die Albertina 125 Jahre besteht, ist diesem Jubiläum am Dienstag ab 20 Uhr ein Kolloquium in dem mit Schriftschätzen gesegneten Haus gewidmet. Professor Thomas Topfstedt hat seinen Vortrag mit dem Titel „Wissensspeicher und Repräsentationsbau“ versehen, Peter Leonhardt zeichnet die Planungsgeschichte des Musikviertels nach, Professor Thomas Fuchs beleuchtet die Sondersammlungen der Uni-Bibliothek. Und deren Direktor Professor Ulrich Johannes Schneider lässt unter dem Motto „Ein motivierendes Gebäude“ die jüngeren Umbaumaßnahmen Revue passieren.

Zurückgeblendet wird auch in jene Zeit, als die Albertina im Bombenhagel versank. Am 6. April 1945 wurden zwei Drittel des Areals zerstört – Literaturverluste gab es aber kaum, die Bücher waren ausgelagert worden. Zu DDR-Zeiten fehlte die finanzielle Kraft für einen Wiederaufbau, nur in Teilen stand die Albertina zur Verfügung. Nach der Deutschen Einheit wurde die Instandsetzung und Modernisierung in Angriff genommen, die sich bis 2002 hinzog und rund 64 Millionen Euro verschlang. In den letzten Jahren wurde im Inneren weiter gewerkelt – das sogenannte offene Magazin entstand ebenso wie das Café „Alibi“, der neue Vortragssaal und die Dauerausstellung im Eingangsbereich.

Von Mario Beck

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