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Lokales Bilanz für Auenwald im letzten Jahr: Weit über 100 Eisvögel flügge geworden
Leipzig Lokales Bilanz für Auenwald im letzten Jahr: Weit über 100 Eisvögel flügge geworden
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15:26 21.02.2018
Benötigt Schutz: Eisvogel. (Symbolfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Nach Einschätzung von Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) geht das Konzept der Stadt Leipzig zum Schutz des Eisvogels auf. „Die Nutzungsregulierung durch Sperrzeiten am Floßgraben hat sich auch 2016 als angemessen erwiesen“, sagte Rosenthal Donnerstag zur Vorstellung des neuen, jährlichen Monitoringberichtes. Mit sechs erfolgreich ausgeflogenen Bruten (zu jeder Brut gehören etwa fünf bis acht Jungvögel) habe sich die Population am Floßgraben im vergangenen Jahr weiter „auf hohem Niveau stabilisiert“. Das kurze Stück zwischen der Weißen Brücke im Pfarrholz sowie der Kläranlage Markkleeberg gehöre mittlerweile zu den Gebieten mit der höchsten Brutdichte des türkisblauen Fischjägers in Sachsen.

2006 – also zehn Jahre zuvor – hätten sich am Floßgraben noch keinerlei Eisvogel-Bruten nachweisen lassen, erklärte Jens Kipping. Der Diplomingenieur aus Taucha führte die wissenschaftlichen Beobachtungen im vergangenen Jahr durch, machte sich dafür von März bis September rund 50 Mal zu Fuß oder per Boot auf den Weg. Besonders erfreulich sei, dass 2016 im gesamten Auenwald 21 Brutreviere vorgefunden wurden. Bei der letzten derartigen Erhebung im Jahr 2011 seien es erst sechs Reviere gewesen. 2006 sogar insgesamt nur zwei. Laut dem Fachmann bieten die immer bessere Gewässerqualität und zuletzt sehr milden Winter gute Bedingungen für das Überleben der nur 40 Gramm leichten Vögel. Allerdings hätten sie von Natur aus eine hohe Sterblichkeitsrate. Nur etwa 20 Prozent der Jungvögel überleben die Zeit zwischen dem Verlassen der Bruthöhle und der folgenden Brutsaison – in harten Wintern sind es noch viel weniger. Ein Eisvogel werde maximal drei bis vier Jahre alt.

Viele Eisvogel-Brutstätten befinden sich am Leipziger Floßgraben. Quelle: Patrick Moye

In der vergangenen Saison seien nicht nur weit über 100 Jungvögel im Auenwald flügge geworden. Erstmals habe ein Pärchen auch eine der vier dort künstlich angelegten Brutröhren angenommen – und zwar am Elstermühlgraben nahe der Käthe-Kollwitz-Straße. Eisvögel können pro Saison bis zu drei Gelege bebrüten. Mitunter lebt das Männchen auch in Bigamie, füttert also abwechselnd den Nachwuchs in zwei Röhren. Am Floßgraben flogen 2016 sechs Bruten aus fünf Röhren erfolgreich aus, 2015 waren es acht Bruten an sieben genutzten Röhren.

Die Boots-Sperrzeiten für den Floßgraben seien „absolut nötig und auch wirksam“, sagte Kipping. Er habe beobachtet, dass die Eisvögel ihre Fütterungsaktivitäten stärker in diese Ruhephasen verlagern. Kritik übte er an Touren mit großen Schlauchbooten, viel Alkohol und Anlanden – vor allem an Feiertagen wie Himmelfahrt und Pfingsten. Bei 66 Kontrollen seien in der letzten Saison 317 Verstöße festgestellt, davon 135 geahndet worden, so Angelika Freifrau von Fritsch, die Leiterin des Umweltamtes. 2015 waren es bei 56 Kontrollen 178 Verstöße mit 79 Ahndungen. In glimpflichen Fällen würden dann 30 bis 50 Euro Strafe pro Boot fällig.

Um Wassertourismus und Naturschutz miteinander zu versöhnen, gelten auch in diesem Jahr wieder vom 1. März bis 30. September nur eingeschränkte Bootsfahrzeiten: Kajaks und Kanus dürfen täglich von 11 bis 13 Uhr, 15 bis 18 Uhr und 20 bis 22 Uhr den Floßgraben passieren. Motorboote würden selbst in diesen Zeiten eine Sondergenehmigung brauchen. „2016 gab es dazu keinerlei Antrag von einem Motorbootbesitzer“, so von Fritsch.

Von Jens Rometsch

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