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Lokales Bilanz nach zehn Jahren: Mehr als 123 200 Räder registriert
Leipzig Lokales Bilanz nach zehn Jahren: Mehr als 123 200 Räder registriert
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08:01 28.11.2018
Von März bis November versehen Mitarbeiter des Bürgerdiensts Leipzig Räder und Fahrradanhänger mit Marken. Auch Louisa Jauregui lässt ihr neues Fahrrad an der Sachsenbrücke von Torsten Sommer (links) und Olaf Baier registrieren. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

„Federung vorn“, ruft Olaf Baier vom Bürgerdienst Leipzig seiner Kollegin Carola Fiebig zu. Die 62-Jährige sitzt im Novemberregen unter einem Pavillon und protokolliert die Informationen zum Fahrrad gewissenhaft. Schließlich werden die Daten an die sächsische Polizei übergeben – die Registrierung von Fahrrädern soll Diebstahl vorbeugen. Wie berichtet, ist in Leipzig die Zahl der Fahrraddiebstähle von 9642 im Jahr 2016 auf 10 027 im vergangenen Jahr angestiegen.

Dennoch schrecken die Marken Diebe offensichtlich ab: Statistisch gesehen sei es im Gegensatz zu einem markenlosen Gefährt nur halb so wahrscheinlich, dass ein registriertes Rad gestohlen wird, sagt Polizeisprecher Uwe Voigt. Zudem könne anhand der Nummer ein Fahrrad wieder seinem Eigentümer zugeordnet werden. Jedes Jahr kehrten so verloren geglaubte Räder zurück, die Zahlen lägen im mittleren dreistelligen Bereich, so Voigt.

Registrierung dauert etwa fünf Minuten

Baier fotografiert das Fahrrad von Louisa Jauregui ab, während Fiebig den Ausweis der 32-Jährigen prüft. Sie muss einige Fragen beantworten: Wie viel hat das Rad gekostet? Seit wann besitzt sie es? Jauregui hat Sorge, dass ihr Gefährt geklaut wird. Es ist neu. Auch den Fahrradanhänger möchte sie noch mit Marke versehen lassen. Fünf Minuten später nimmt die US-Amerikanerin, die seit zwei Jahren in Leipzig lebt, einen Pass mit der Registrierungsnummer an sich und radelt weiter.

Die Fahrradregistrierer gehören mittlerweile zum Stadtbild: Seit 2009 erfassen sogenannte Ein-Euro-Jobber Fahrräder in Leipzig kostenlos. Bis Mitte November haben sie mehr als 123 200 Rahmen mit Marken versehen. Dieses Jahr waren es etwa 9300 Räder. 40 Menschen arbeiten von März bis November in zwei Maßnahmen. Das Jobcenter vermittelt sie an den Kommunalen Eigenbetrieb Leipzig/Engelsdorf. Während der Sommerzeit stehen sie zwischen 11 bis 17 Uhr etwa an Sachsenbrücke, Johannapark und Lene-Voigt-Park. Auch bei LVZ-Fahrradfest und bei Kleingartenfesten bietet der Bürgerdienst Leipzig des Kommunalen Eigenbetriebs den Service an. Bis Ende der Woche werden die Räder noch zwischen 10 und 15 Uhr erfasst. Ende November ist dann Schluss, im März geht es weiter.

„Man ist beschäftigt, an der Luft und hat mit Leuten zu tun.“

„Das ist eine sinnvolle Arbeit“, findet Torsten Sommer. Der 53-Jährige ist zum zweiten Mal bei der Maßnahme dabei. Die Registrierung macht ihm Spaß: „Man ist beschäftigt, an der Luft und hat mit Leuten zu tun.“ Jeden Tag erfassen die Mitarbeiter etwa 20 Räder an der Sachsenbrücke, selbst bei Schneefall kämen noch Menschen, erzählt Sommer. Auch seine Kollegin Fiebig ist das zweite Jahr als Fahrradregistriererin unterwegs. „Die Arbeit macht mich richtig froh“, sagt die 62-Jährige. Die Maßnahme stärkt ihr Selbstbewusstsein. Die Rückmeldungen der Radfahrer seien durchweg positiv.

Einige Passanten hätten gar schon gefragt, ob die Zuständigen auch Rollatoren registrieren. „Das würde aber den Rahmen sprengen“, sagt Sommer. Ende November ist seine Maßnahme vorbei. Im kommenden Jahr würde er vom Jobcenter gerne wieder mit der Registrierung von Fahrrädern betraut werden.

Von Theresa Held

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