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Lokales Bilder vom Aufbruch in Osteuropa
Leipzig Lokales Bilder vom Aufbruch in Osteuropa
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20:32 09.10.2018
Harald Schmitt zeigt in der Foyerschau „Aufbruch im Osten" im Zeitgeschichtlichen Forum Momente des Widerstandes in osteuropäischen Ländern. Quelle: André Kempner
Leipzig

Ohne Solidarnosc und Prager Frühling wären viele Entwicklungen hierzulande anders verlaufen. Dem „Aufbruch im Osten“ widmet sich daher eine neue Foyerausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum, die am Dienstag öffnete. Zu sehen sind etwa 50 ausgewählte Aufnahmen des ehemaligen Stern-Fotografen Harald Schmitt, die Momente des Widerstandes in der DDR und den osteuropäischen Nachbarstaaten dokumentieren. „In einer Zeit, in der immer wieder von Trennendem geredet wird, ist es ratsam an eine Zeit zu erinnern, in der das Trennende im geteilten Europa Realität war“, sagte Jürgen Reiche, der Direktor des Zeitgeschichtliche Forums. Die Fotos, die Menschen und Orte des Umbruchs zeigen, stammen aus den Jahren 1978 bis 1991. An die ersten Proteste streikender Arbeiter auf der Danziger Lenin-Werft wird da ebenso erinnert wie an die ersten Friedensgottesdienste in Dresden sowie die Entmachtung von Michail Gorbatschow. In Riga und Vilnius erlebte Schmitt, wie die baltischen Länder auf Eigenständigkeit und Loslösung von der Sowjetunion drängen. Die Bilder stellen die Menschen in den Vordergrund, sind keineswegs sensationslüstern. Zu sehen ist die Kranführerin, deren Entlassung 1980 die Streiks auf der Werft in Danzig auslösten. Oft sind es Details, die er mit feinem Gespür festhält. Etwa klirrende Schlüsselbunde, die Menschen als Zeichen des Protests tragen.

Der Fotograf Harald Schmitt war von 1977 bis 2011 festangestellter Fotograf beim Magazin „stern“. In dieser Zeit war er auch in der DDR unterwegs, die er 1983 allerdings verlassen musste. „Ich wurde nicht ausgewiesen, mein Visum wurde allerdings nicht verlängert“, sagte Schmitt, der in einer Berliner Plattenbauwohnung lebte. Grund dafür war eine Geschichte im „stern“ über einen Ofensetzer, der ein Attentat auf SED-Generalsekretär Erich Honecker versuchte und letztlich exekutiert wurde. Dies durfte es offiziell nicht geben.

Schmitt, der als Fotograf 139 Länder bereiste, war in den 1980er-Jahren dicht dran an vielen Ereignissen. Bei großen Inszenierungen der Macht ebenso wie bei Momenten des Widerstandes. Die Fotos, von denen man mehr sehen möchte, zeigen das eindrucksvoll.

Die Schau ist bis 9. April 2019 zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis donnerstags von 9 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Mathias Orbeck

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