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Lokales Bio-Supermarkt eröffnet im früheren jüdischen Kaufhaus in Leipzig-Plagwitz
Leipzig Lokales Bio-Supermarkt eröffnet im früheren jüdischen Kaufhaus in Leipzig-Plagwitz
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08:27 21.05.2015
Postkarte mit Blick auf den Eingang zum "Kaufhaus Joske" (Archivfoto) Quelle: André Kempner
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Leipzig

Knapp drei Jahrzehnte lang war das „Kaufhaus Joske“ in Plagwitz für viele Leipziger ein echter Magnet. Hier gab es – mitten im Wohngebiet – praktisch alles zu erwerben. Mitte der 1920 Jahre entstand sogar der erste Lichthof der Messestadt. Dann kamen die Nationalsozialisten, warfen Scheiben ein, riefen zum Boykott auf und ruinierten die jüdischen Eigentümer. Ein Teil der Familie Joske starb in Auschwitz, andere konnten fliehen. Am Donnerstag, mehr als 80 Jahre nach der erzwungenen Schließung des Kaufhauses, eröffnet in einem Teil des einstigen Einkaufszentrums an der Karl-Heine-Straße wieder ein Einzelhandel. Passend zum Trend im Stadtteil ist es ein Bio-Supermarkt.

Auf gut 800 Quadratmetern in der neuen "Biomare"-Zweigstelle sollen geneigte Kunden künftig ökologisch angebaute Lebensmittel jeglicher Art finden, heißt es in einer Mitteilung. Chef des Supermarkts ist der ehemalige Grünen-Stadtrat Malte Reupert. Der 44-Jährige hat "Biomare" seit Ende der 1990er Jahre vom Lieferservice zur Kette ausgebaut. Wie auch in seinen anderen beiden Läden in Connewitz und in der Südvorstadt sollen hier ab Donnerstag unter anderem Veganer, Vegetarier und Allergiker auf ihre Kosten kommen.

Für Mark Mühlner, Eigentümer des Gebäudes, ist indes klar: „Die Karl-Heine-Straße hat nicht nur eine große Vergangenheit. Derzeit entwickelt sie sich wieder zum kreativen Boom-Boulevard. Was passt besser zu den Geschäften, Szene-Cafés, Kulturbetrieben und Werkstätten als ein Biosupermarkt?“ Für Mühlner ist es zumindest ein vielversprechender Neuanfang, denn in den vergangenen Jahren stand der gewerbliche Teil des Gebäudes leer.

Ein Autoteile-Handel war jahrelang im Erdgeschoss des früheren Kaufhauses ansässig. Quelle: André Kempner

Ein Fachhandel für Autoteile hatte in DDR-Zeit und nach der Wende in diesem Teil des nach 1939 parzellierten „Kaufhaus Joske“ sein Domizil, war nach Insolvenz des Stammunternehmens aber bereits vor Jahren ausgezogen. Auch nach dem Einzug von "Biomare" stehen noch weitere 315 Quadratmeter im Obergeschoss des Hinterhauses leer, so Mühlner am Mittwoch.

Bereits 2010 hatten Leipziger Künstler das „Kaufhaus Joske“ als temporäre Ausstellungsfläche reaktiviert, nahmen damals auch Kontakt zum in Israel lebenden Joske-Nachfahren Hellmut – heute Gideon Bar-Joseph – auf. Die Kunstschaffenden forschten zur Geschichte des Hauses, sammelten alte Ansichten, legten die wenigen verbliebenen Spuren der Familie Joske frei.

Historische Postkarte mit Blick auf das "Kaufhaus Joske" Quelle: André Kempner

Am 8. November 1934 hatte Julius Joske in Leipzig Konkurs anmelden müssen, wurde sein Kaufhaus endgültig geschlossen und die Einzelteile zwangsversteigert. Eineinhalb Jahre lang hatte die Familie denBoykottaktionen der Nazis Stand gehalten. Bereits Ende der 1920er Jahre waren immer häufiger Scheiben im Gebäude zu Bruch gegangen, nutzten die Braunen den Vorplatz als Sammelstelle – um Jagd auf Kommunisten zu machen. Irgendwann zahlten die Versicherungen den entstandenen Schaden nicht mehr.

Mitte der 1920 Jahre hatte das "Kaufhaus Joske" noch seine Blütezeit erlebt, war das Gebäude wieder einmal erweitert und unter anderem mit einem glasüberdachten Lichthof versehen worden. Neben Textilien und Kurzwaren – zur Gründung des Kaufhauses 1904 noch das Kerngeschäft der Joskes – gab es hier in dieser Zeit praktisch alle Waren des täglichen Bedarfs.

Internet: www.bio-mare.com, www.projektkaufhausjoske.de

Matthias Puppe

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