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Bis zum barrierefreien Rathaus ist es noch ein langer Weg

Behindertenverbände schlagen Alarm Bis zum barrierefreien Rathaus ist es noch ein langer Weg

Deutschland verpflichtet sich, Menschen mit Behinderungen die volle Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Dazu zählt auch ein barrierefreies Rathaus. Nur: „Wir reden da gegen die Wand“, sagt Christiane Mertens vom Blinden- und Sehbehindertenverband in Leipzig. Jetzt hat das Thema den Stadtrat erreicht.

Eine Informationstafel in Blindenschrift. Behindertenverbände wünschen sich solche Beschriftungen auch im Rathaus.
 

Quelle: LVZ

Leipzig. Sie freut sich, dass sich mittlerweile wenigstens die schweren Eingangstüren des Rathauses automatisch öffnen. Aber dann ist sie auch schon bei den Defiziten, die die Behindertenverbände seit Jahren anprangern, zuletzt in einer Resolution am Europäischen Gedenktag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung im Mai. Es fehlt, so Mertens, ein Blindenleitsystem-Auffindestreifen vor dem Hauptgang. Die Treppe dort verfügt über kein Geländer, die Stufen sind nicht gekennzeichnet. Farblich kontrastreich abgesetzte Treppenmarkierungen würden es jedoch Sehbehinderten erleichtern, Anfang und Ende einer Treppe wahrzunehmen. Im Hauptbahnhof gibt es die mittlerweile.

Ein weiteres Problem: „Der Fahrstuhl ,spricht’ nicht; man weiß nicht, in welcher Etage er hält. Eine Beschriftung in Brailleschrift fehlt auch, ebenso taktile Tasten“, berichtet Mertens. Um das zu ändern, müsse die Stadt nicht mal neue Lifte anschaffen. „Das lässt sich alles nachrüsten.“ Im Haus der Demokratie, wo ihr Verband seinen Sitz hat, sei dies geschehen. „Ohne fremde Hilfe“, so Mertens, „finden sich Blinde und Sehbehinderte im Rathaus nicht zurecht.“ Dabei würde es schon reichen, wenn Eingang, Treppen, zentraler Fahrstuhl sowie Wege zum Empfang im Foyer, zu Toiletten und Lift markiert sind. Auch im Technischen Rathaus in der Prager Straße fehle ein Auffindestreifen vor dem Gebäude, der Sehbehinderte zu den Eingängen führt. Im Inneren des Hauses müsste es ein Leitsystem zum Terminal geben, an dem Blinde und Sehschwache sich anmelden.

Nach den Worten von Stadtrat Konrad Riedel (CDU), der sich seit langem für Behinderte in Leipzig engagiert, kommt die Bearbeitung dieser Anliegen nur schleppend in Gang. „Da sind unsere Kulturhäuser besser eingerichtet als das Rathaus“, sagt Riedel. Er hat jetzt einen Ratsantrag eingebracht, der die Verwaltung auffordert, bis Ende dieses Jahres ein Konzept vorzulegen – mit dem Ziel, das Neue Rathaus bis Ende 2018 barrierefrei zu gestalten. „Wir bekommen immer zu hören, das geht aufgrund des Denkmalschutzes nicht. Aber wir müssen uns endlich mal entscheiden: Menschenrechte oder Denkmalschutz?“, erklärt Riedel. 2009 trat in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. Mit ihr übernahm die Bundesrepublik die Verpflichtung, Menschen mit Behinderungen die volle Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Riedel fordert daher von der Kommune ein Zeichen, „dass Behinderte in unserer Stadt ernst genommen werden“.

Es geht dabei längst nicht nur um bauliche Änderungen. Auch der Internetauftritt der Stadt sei nicht barrierefrei. Der Verband der Hörgeschädigten erwartet, dass Inhalte auf der Homepage auch in Leichter Sprache dargestellt werden und in allen Ämtern ohne Extra-Antrag ein Gebärdensprachdolmetscher auf Kosten der Kommune hinzugezogen werden kann.

Von Klaus Staeubert

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