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Lokales Bislang unbekannter Plan aufgetaucht: Leipziger Ring sollte Einbahnstraße werden
Leipzig Lokales Bislang unbekannter Plan aufgetaucht: Leipziger Ring sollte Einbahnstraße werden
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22:00 12.10.2016
Es fehlt an Platz für Straßenbahnen und Busse (Mitte) – die Haltestelle kann nur ausgebaut werden, wenn die flankierenden Fahrspuren reduziert werden. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Der Druck für Veränderungen auf dem Leipziger Innenstadtring wächst immer mehr. Nachdem bereits die Ratsfraktion der Linkspartei erklärte, dass sie ebenso wie die SPD-Fraktion für die Einrichtung einer Fahrradspur in jede Fahrtrichtung des Ringes sind, hat jetzt die grüne Ratsfraktion Handlungsbedarf vor dem Hauptbahnhof und der Hauptpost ausgemacht. Auch der Veranstaltungsmanager Gert Pasemann hat sich in der Diskussion zu Wort gemeldet. Er berichtet von bislang unbekannten Plänen, die es bereits nach der Wende in den 1990er-Jahren zur Neugestaltung der Verkehrsabläufe auf dem Ring gab.

Nadelöhr Hauptbahnhof

Stadtrat Daniel von der Heide (Grüne) hat das städtische Verkehrs- und Tiefbauamt in dieser Woche aufgefordert, schon jetzt Pläne für die Reduzierung des Autoverkehrs auf dem Innenstadtring auszuarbeiten. „Bereits heute sind die Verhältnisse am Hauptbahnhof für einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs problematisch und für die gefühlte Sicherheit von Fahrgästen und Passanten katastrophal“, so der verkehrspolitische Sprecher der Grünen. „Ich wundere mich jedes Mal, wenn ich am Hauptbahnhof ein- und aussteige, dass es nicht ständig zu Unfällen kommt. Planungen, den Willy-Brandt-Platz für den Autoverkehr zu sperren, könnten da ein Lösung der Probleme sein.“

Von der Heide plädiert dafür, vor dem Hauptbahnhof auf eine „echte Platzlösung für Fußverkehr und Nahverkehr“ hinzuarbeiten. Dies sei möglich, weil dieser Teil des Ringes autoverkehrlich „nur eine eher nachrangige Bedeutung“ habe, während die Vorteile für Fuß- und Nahverkehr „riesig“ wären. Der Sprecher betont, dass dort dringend Platz für ein oder mehrere neue Straßenbahngleise benötigt wird, damit die Leipziger Verkehrsbetriebe dieses Nadelöhr aufweiten können und mehr Spielraum für Taktverdichtungen erhalten. Gleichzeitig könnten die Absperrungen zwischen den Gleisen und der Fahrbahn abgebaut werden. „Dadurch würde sich der Fußverkehr zwischen Innenstadt und Hauptbahnhof sowie von und zur Straßenbahn besser verteilen, anstatt sich auf zwei Ampelquerungen zu konzentrieren. Mindestens bei der Querung auf der Westseite kommt es regelmäßig zu brenzligen Situationen zwischen Fußverkehr und Straßenbahn. Zukünftig wird auch der Fernbusverkehr neben dem Hauptbahnhof abgewickelt, was weiteren Querungsverkehr zur Folge haben wird.“

Augustus- und Leuschnerplatz

Ein Umdenken ist aus Sicht der Grünen auch bei der Ring-Gestaltung im Bereich des Augustusplatzes notwendig. Auch dort helfe nur eine „große Lösung“, ist sich von der Heide sicher. „Der Umbau der Alten Hauptpost wird für mehr Querungsbedarf sorgen und die Notwendigkeit der Umgestaltung verstärken“ argumentiert er. „Und wenn sich der Wilhelm-Leuschner-Platz auch nur annähernd so entwickelt wie von allen erhofft, wird auch dort der Bedarf für eine attraktive Verbindung zwischen Innenstadt und Leuschnerplatz wachsen.“ Das Konzept der autoarmen Innenstadt sei auch über Jahre schrittweise umgesetzt worden, „mit dem Ergebnis, das die Leipziger Innenstadt boomt“. Um Widerstände abzubauen und die Potenziale zu verdeutlichen, sollte die Stadtverwaltung schon jetzt Möglichkeiten schaffen, den Innenstadtring autofrei erlebbar zu machen - wie zum Beispiel bei den Feierlichkeiten zum Lichtfest 2014.

Kreisverkehr für Autos

In der Diskussion hat sich auch Gert Pasemann zu Wort gemeldet. „Vor 20 Jahren gab es schon Überlegungen von Michael Meyer und mir, wie man den Fahrzeugverkehr auf dem Innenstadtring effizienter gestalten kann“, erzählt er. In einer Präsentation für Leipzigs damaligen Ordnungsbürgermeister Holger Tschense (SPD) habe beide vorgeschlagen, den gesamten Ring als Einbahnstraße zu organisieren und so den größten Kreisverkehr Europas zu schaffen. „Dafür waren nur die Außenfahrspuren drei und vier vorgesehen, die inneren, der Stadt zugewandten Fahrspuren sollten Parkflächen und Radwege werden.“ Der Plan sah auch vor, die Ampelkreuzungen verschwinden zu lassen und durch Kreisverkehre zu ersetzen. „Der Vorteil ist: Man kommt zügig in die Stadt und wieder heraus; der Zugang zu den Parkhäusern wird erhalten.“ Der gesamte öffentliche Nahverkehr sollte unterirdisch abgewickelt werden – „in sechs Metern Tiefe ist das heute doch kein Problem mehr“. An den unterirdischen Haltestellen könnten noch Handelsflächen und andere Nutzräume entstehen und mittels Rolltreppen komme man zur Oberfläche.

Nichts hält Pasemann von der Idee, den Autoverkehr vollständig vom Ring zu verbannen. „Dann wird der Verkehrsfluss maximal gestört“, prophezeit er. „Riesenstaus in allen Teilen der Stadt sind die Folge. Die Straßenstruktur Leipzigs und die Straßenbreiten lassen eine solche Lösung nicht zu.“ Außerdem könne man Autofahrer nicht willkürlich zu Fußgängern oder Radfahrern machen. „Was wird mit dem Handwerker- und Lieferverkehr?“, fragt er. „Eine moderne Verkehrslösung muss allen Verkehrsteilnehmern gerecht werden, sonst funktioniert sie nicht.“

Von Andreas Tappert

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