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Bismarck-Turm Lützschena: Der eiserne Kanzler ist zurück

Bismarck-Turm Lützschena: Der eiserne Kanzler ist zurück

Sein Name steht für Weitsicht, Diplomatie und soziale Reformen, aber auch für den Kampf gegen Sozialisten und katholische Kirche. Otto von Bismarck gilt als der "eiserne Kanzler" und beendete mit der Reichsgründung 1871 die deutsche Kleinstaaterei.

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Einweihung im Bismarckturm Lützschena: Vereinsvorsitzende Kerstin Hillmann und Künstler Dietmar Lenz enthüllen die Otto-von-Bismarck-Büste.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nun ist er in den Turm zurückgekehrt, der ihm zu Ehren am 1. April 1915 in Lützschena eröffnet wurde. Der dortige Verein finanzierte aus Spenden ein Kunstwerk, das zum 100-jährigen Bestehen des Turmes enthüllt wurde.

Doch wer eine Gestalt mit Pickelhaube und Säbel erwartet hatte, mit der in vielen deutschen Städten an Bismarck erinnert wird, wurde überrascht: Der Leipziger Künstler Dietmar Lenz hat eine Büste aus Gussbeton geschaffen, die vor einer mattierten Glasplatte angebracht ist. Auf ihr sind die Namen der 25 Bundesglieder der durch Bismarck initiierten Reichsgründung zu lesen - eine moderne Interpretation, die an Verlorenes erinnern soll. Denn an gleicher Stelle hatte ab 1915 bereits eine Büste ihren Platz, so Kerstin Hillmann, Vorsitzende des Bismarckturm-Vereins Lützschena-Stahmeln. Nach dem Tode Bismarcks seien mehr als 550 Denkmäler, 240 Türme sowie zahlreiche Brunnen und Steine, sogar Ortschaften und ganze Ortsteile nach dem Kanzler benannt worden. In Leipzig hatte Pelzhändler und Kaufmann Otto Erler seinen Landbesitz für den Bau des Turmes zur Verfügung gestellt, Pharmazierat Willmar Schwabe stiftete das Geld für die Bronzebüste. Viele Jahre hatte sie ihren Platz auf einem Marmorsockel gegenüber dem Eingang des Turms. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Lützschenaer die Eingangstür aufgebrochen und das Turminnere verwüstet - die Büste war verschwunden.

Der Platz unter der reich verzierten Muschelkrönung in der Gedächtnishalle sollte nicht auf alle Zeiten leer bleiben. Jahrelang sammelte der Verein Spenden, wurde unterstützt von Sponsoren und dem Ortschaftsrat, bis 6600 Euro zusammen waren. Unterdessen bestand bereits eine enge Zusammenarbeit mit dem Künstler: "Der Kontakt kam durch einen Zufall zustande - Frau Dr. Neumann, die dem Verein angehört, war die Hausärztin meiner Eltern. Dort sah sie einige meiner Skulpturen, und sie fragte mich, ob ich den Auftrag übernehmen würde." Er habe sich intensiv mit Otto von Bismarck beschäftigt. "Ich habe unter anderem auch die berühmten Briefe gelesen, die der Fürst an seine Braut und spätere Gattin schrieb, um seine Persönlichkeit auch im Privaten kennenzulernen", berichtet der Bildhauer. Mit dem Verein seien dann rund 20 Ideen entwickelt worden, "wobei die Wahl schließlich auf eine Skulptur fiel, die mit dem Material des Turmes arbeitet", so Lenz. Da die Nische nach Volumen verlangt, das eine Büste allein nicht leisten kann, habe er sich für eine dahinter angebrachte Tafel mit den Namen der Länder entschieden, die Bismarck vereinigt hat.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.04.2015

Andrea Richter

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