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Lokales Bizarrer Fall am Landgericht: Kriminalautor Frank W. wird in Leipzig selbst zum Bankräuber
Leipzig Lokales Bizarrer Fall am Landgericht: Kriminalautor Frank W. wird in Leipzig selbst zum Bankräuber
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23:00 20.07.2016
Wird von Justizbeamten in Handfesseln zum Gerichtssaal gebracht: der wegen eines Sparkassenüberfalls angeklagte Frank W. (rechts) aus Leipzig. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Offenbar kam ihm die Fähigkeit, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden, irgendwann abhanden: Denn Autor Frank W. hat am 26. Januar dieses Jahres in Lützschena-Stahmeln selbst eine Sparkasse überfallen. Wie einer seiner Romanhelden kam er in finanzielle Nöte. Die fiktive Figur im Buch holte sich unkonventionell und zinsfrei Geld bei einer Bank. Doch bei den Überfällen geht einiges schief – wie im wahren Leben von Frank W. übrigens auch. Er wird auf frischer Tat ertappt. Am Mittwoch begann am Landgericht der Prozess gegen den 49-jährigen Kaufmann und Diplom-Museologen. „Ich werde gestehen“, kündigte der gebürtige Mannheimer, der seit etwa 20 Jahren in Leipzig lebt, für den nächsten Prozesstag am 10. August an. Seinem Verteidiger Stephan Bonell zufolge wird es „ein umfangreiches Geständnis“ sein. Bei vielen Betroffenen habe sich Frank W. bereits entschuldigt.

Staatsanwalt Hans-Joachim Walburg warf Frank W. zum Prozessauftakt am Mittwoch schwere räuberische Erpressung, erpresserischen Menschenraub und das unerlaubte Führen einer Schreckschusswaffe vor. Laut Anklage forderte W. in der Sparkassenfiliale in der Halleschen Straße unter Vorhalt der Schreckschusspistole Reck, Modell Goliath, Kaliber neun Millimeter, zunächst von Kunden, sich auf den Boden zu legen. Und von einer Angestellten Geld. Als ihm die Frau gegen 18 Uhr Münzen in den Beutel legt, sei ihm das allerdings zu wenig gewesen. „Die Angestellte öffnete ein Schließfach und entnahm weiteres Geld“, so der Staatsanwalt. Doch der Angeklagte habe es auch noch auf den Tresorinhalt abgesehen. „Eine Mitarbeiterin löste unbemerkt Alarm aus, der verhinderte, dass sich der Tresor vor Ablauf von zehn Minuten öffnet“, hieß es weiter in der Anklageschrift. Aus einem Sicherheitsfach entnahm ein weiterer Mitarbeiter noch Scheine. Letztlich verließ der Kriminalautor mit fast 40 000 Euro die Filiale – nach immerhin erst 25 Minuten. Seine Freude darüber währte jedoch nicht lange. Nach bereits wenigen Metern seiner Flucht wurde er geschnappt. Die Polizei nahm ihn quasi am Ausgang in Empfang.

Grund: Ein Passant hatte schon unmittelbar vor dem Überfall 17.55 Uhr beobachtet, wie sich ein verdächtiger Mann eine Maske überzog und eine Pistole in die Hand nahm – der Augenzeuge wählte den Notruf. Auch eine zuständige Sicherheitsfirma war alarmiert worden, sodass sie die Tat live per Überwachungstechnik mitverfolgen konnte.

Nach Aktenlage hatte die fiktive Figur im Buch ein Fahrrad zur Flucht benutzt. Auch die Polizei entdeckte nach dem Überfall im Januar ein Rad in Tatortnähe sowie einen an einer Eiche deponierten Rucksack mit Bekleidung, Handschuhen und Trinkwasser. An den Gegenständen konnte die DNA des Beschuldigten gesichert werden. Auch in der Kriminalgeschichte hatte der Held an einer dicken Eiche Wechselkleidung hinterlassen.

Seit dem Tattag sitzt Frank W., der als Eigenbrötler gilt, in Untersuchungshaft. Ob er hinter Gittern bereits an einem neuen Buch schreibt – in der Vergangenheit hatte er sich auch mit Geschichtsthemen befasst – wird sicher auch beim Prozess zur Debatte stehen. Die 5. Strafkammer hat außer dem 10. noch den 15. August als Termine anberaumt.

Von Sabine Kreuz

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