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Lokales Blaue Plakette für Leipzig? Trotz Umweltzone ist die Stickstoffdioxid-Belastung noch immer hoch
Leipzig Lokales Blaue Plakette für Leipzig? Trotz Umweltzone ist die Stickstoffdioxid-Belastung noch immer hoch
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23:59 04.06.2014
(Archivbild) Quelle: dpa

Da die EU-Werte ab nächstes Jahr eingehalten werden müssen, seien zusätzliche Anstrengungen notwendig, heißt es im Rathaus. Folge: Auf Auto- und Lkw-Fahrer kommt möglicherweise die Pflicht zur blauen Plakette zu, die noch strengere Abgaswerte vorschreibt als die derzeit in Leipzigs Umweltzone geltende grüne Plakette. Die Deutsche Umwelthilfe fordert diese Verschärfung schon lange, bislang aber fehlt noch die gesetzliche Grundlage für eine blaue Plakette.

Die Stadtverwaltung weist dennoch pauschale Vorwürfe zurück, die Leipziger Umweltzone habe nichts gebracht. Laut dem gestern vorgestellten Umweltbericht ist seit deren Einführung im März 2011 die Belastung durch giftigen Feinstaub deutlich zurückgegangen. Das Problem sei dagegen der teilweise spürbar gestiegene Stickoxid-Ausstoß. Ein Grund dafür ist ausgerechnet die massenhafte Nachrüstung alter Busse und Lkw mit Rußpartikelfiltern. Auch die Zunahme an Diesel-Pkw trägt zu der Mehrbelastung bei. Die Stickstoffdioxid-Konzentration bleibe ganzjährig auf hohem Niveau, heißt es im Umweltbericht. Allen bisherigen Anstrengungen zum Trotz.

Leipzigs Umwelt-Bürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) glaubt deshalb nicht, dass die Stadt im nächsten Jahr die dann verbindlich werdenden strengen EU-Werte einhalten kann. "Wir müssen prüfen, ob es noch Maßnahmen gibt, die wir zusätzlich in unseren Luftreinhalteplan aufnehmen können", erklärte er gestern bei der Präsentation des Berichts. Er habe die Forderungen der Deutschen Umwelthilfe mit Interesse verfolgt, die als einzig möglichen Ausweg die Verschärfung der Umweltzonen-Auflagen vorsieht, sagte er. "Ich kann mir gut vorstellen, dass es die Debatte über die Einführung einer blauen Plakette bald in ganz Deutschland geben wird", so Rosenthal. Schließlich habe nicht nur Leipzig mit dem Phänomen der zunehmenden Stickoxid-Belastung zu kämpfen. Das Problem könne nur bundesweit gelöst werden.

In Baden-Württemberg denkt Landesverkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne) bereits laut über eine blaue Plakette nach. Diese könnten alle Fahrzeuge erhalten, die den Abgasstandard Euro 6 erfüllen. Einzelne Modelle würden dies schon heute schaffen. Von September 2014 an wird Euro 6 für alle neu vorgestellten Modelle verbindlich, wenig später ist sie für alle Erstzulassungen vorgeschrieben. Die Grenze für den Stickoxid-Ausstoß bei Dieselmotoren sinkt im Vergleich zur Abgasnorm Euro 5 um 50 Prozent auf 80 Milligramm pro Kilometer. Bei Benzinmotoren wird der Ausstoß auf 60 Milligramm begrenzt.

Hermanns Vorstoß ist allerdings umstritten. Eine blaue Plakette überfordere Fahrzeughalter, die sich nicht regelmäßig einen Neuwagen leisten können, werfen Kritiker ein. Der ADAC hält Umweltzonen insgesamt für nutzlos - eine Verschärfung ändere daran nichts.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.06.2014

Andreas Tappert

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