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Lokales Bleichert- oder Coppi-Schule: FDP-Politiker Grahl kontert SPD-Mann Pötzsch
Leipzig Lokales Bleichert- oder Coppi-Schule: FDP-Politiker Grahl kontert SPD-Mann Pötzsch
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21:00 18.07.2013
Der sanierte Bau in der Breitenfelder Straße 19: Bisher Hans-und-Hilde-Coppi-Schule - in Zukunft Bleichertschule? Quelle: André Kempner
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Leipzig

Im Stadtrat wurde die Beschlussvorlage von der Tagsordnung abgesetzt. Zwischen den Parteien entsteht eine hitzige Diskussion.

Jetzt will Direktorin Elke Donnert in einem Brief an Schulbürgermeister Thomas Fabian (SPD) wissen, warum. Linke, Grüne und SPD im Stadtrat mahnen derweil ein besseres Namensmanagement seitens der Stadt an.

Im Jahr 2007 fusionierte die Coppi-Schule mit der 68. Schule in Möckern. Die verbliebenen Klassen zogen in die Diderotstraße, doch das galt nur als Interim. Der Standort in Gohlis wurde wieder hergerichtet, der Umzug steht vor der Tür. „Seit gut einem Jahr arbeiten wir an der Namensfindung“, sagt Direktorin Donnert gegenüber LVZ-Online. Über Eltern-, Schüler- und Lehrerbefragungen habe sich der Name „Bleichertschule“ als konsensfähig herausgestellt.

Gegenwind gibt es aus den Fraktionen Die Linke und SPD. Sozialdemokrat Gerhard Pötzsch zeigt sich irritiert, dass das Protokoll der letzten Schulkonferenz der Coppi-Schule übergangen werde. Darin sei festgeschrieben, dass der Name bei einer Wiedereröffnung des Schulhauses mitdiskutiert werden solle. „Das war mir nicht bekannt“, sagt Elke Donnert gegenüber LVZ-Online, und auch die Stadt habe das bei der Prüfung der Unterlagen nicht bemängelt.

Vorbehalte gegen Namens-Paten Bleichert

Elke Donnert, Direktorin der 68. Mittelschule in Leipzig. Quelle: André Kempner

Donnert sieht das Problem woanders. Sie hat heftige Vorbehalte gegen den Namenspaten Bleichert zu spüren bekommen: Bei einem Forum des Bürgervereins Gohlis sei ihr regelrecht Hass entgegengeschlagen. In dem Brief an Fabian, den sie am Donnerstag übergeben hat, schreibt Donnert: „Diesen für mich wirklich schlimmen Abend wollte ich so schnell wie möglich ausblenden.“

Adolf Bleichert (1845-1901), ursprünglich Fachmann für Mühlenbau, gründete 1876 die Drahtseilbahnenfabrik in Gohlis. Material-Seilbahnen wurden von Leipzig aus in alle Welt geliefert. Während des Ersten Weltkriegs wurden in Gohlis auch Feldbahnen produziert. Nach 1945 machten die Bleichertwerke mit der Konstruktion von Luftseilbahnen von sich Reden. Mit seinen technischen Verdiensten passe Bleichert gut zur 68. Schule mit ihrem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt, erklärt Donnert.

Leipzig. Bleibt die 68. Mittelschule namenlos? Nach den Ferien öffnet das Haus seine Pforten in dem sanierten Bau in Gohlis, der ehemaligen Hans-und-Hilde-Coppi-Schule. Dort will die  68. aber in Zukunft Bleichertschule heißen – ein einstimmiger Wunsch der Schulkonferenz. Im Stadtrat wurde die Beschlussvorlage von der Tagsordnung abgesetzt. Zwischen den Parteien entsteht eine hitzige Diskussion. 

„Gegen den alten Bleichert habe ich nichts“, sagt Pötzsch. Aber für die Stadt Leipzig sei es ein „schwieriges Signal“, wenn der Name Coppi nun sang- und klanglos verschwinde. „Das Ehepaar Coppi hat eine lautere Haltung in schwieriger Zeit gezeigt.“ Der Kommunist Hans Coppi (1916-42) und seine Frau Hilde (1909-43) kämpften im Widerstand gegen das Regime der Nationalsozialisten im Hitler-Deutschland und bezahlten das mit ihrem Leben.

"Niemand will den Namen Coppi sang- und klanglos verschwinden lassen. Schließlich gibt es in Gohlis weiterhin eine Coppistraße und einen Coppiplatz", entgegnet Thomas Grahl, Beirat für die FDP im Stadtbezirk Nord, am Donnerstagabend. "Wenn sich die Schulkonferenz nun anders entschieden hat, sollte man das als guter Demokrat respektieren", so Grahl weiter. Er schlägt vor, Coppi in einen neugründenden Namenspool aufzunehmen und ihn anderen Schulen anzubieten. "Schließlich brauchen wir in den kommenden Jahren eine ganze Reihe von Schulneugründungen und -bauten."

Fraktionen fordern Namens-Management

Aus den Fraktionen wird nun auch Kritik an dem Procedere der Schulnamensvergabe in Leipzig laut. „Ich wünsche mir, dass sich die Stadt stärker in den Prozess einbringt“, sagt Grünen-Fraktionschefin Katharina Krefft. „Und dazu gehört ein geordnetes Verfahren.“ Ansonsten solle der demokratische Beschluss einer Schulkonferenz aber respektiert werden.

Aus dem Jugendamt verlautete auf Anfrage von LVZ-Online, die Verwaltung disktutiere, ob und wie das Verfahren weiterentwickelt werden solle. Margitta Hollick, schulpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, und Gerhard Pötzsch, Vize-Fraktionschef der SPD im Stadtrat, haben konkrete Vorschläge. Sie fordern einen Namensfundus, den die Stadt nach bestimmten Kriterien erstellt. „Für Straßen gibt es das“, sagt Hollick. „So könnte die Stadt Profil zeigen.“

Evelyn ter Vehn

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