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Lokales Blutiges Auge, geleimter Schnabel, Partnerstress und Kastration
Leipzig Lokales Blutiges Auge, geleimter Schnabel, Partnerstress und Kastration
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00:18 04.02.2016
Der krumme Schnabel dieses jungen Zwergflamingos wurde operativ gerichtet und mit Zwei-Komponenten-Kleber fixiert. Quelle: Zoo Leipzig
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Leipzig

Mit dem Zootierarzt in den Krankenakten von 2015 geblättert: Der intensive, letztlich vergebliche Kampf um das Elefantenbaby von Hoa sowie die Erlösung der Löwin Luena (16) von ihrem Tumorleiden waren einschneidende Ereignisse im Klinikalltag 2015 von Doktor Andreas Bernhard. Neben diesen herausragenden Fällen hatte der 54-Jährige jede Menge alltägliche Fälle zu behandeln. 529 Tiere wurden im vergangenen Jahr dem Doktor vorgestellt. 141 mussten eine Untersuchung in Narkose über sich ergehen lassen, 156 erhielten Impfungen. 152 Blutproben wurden im Labor untersucht. 207 verstorbene Tiere wurden einer Leichenschau unterzogen – darunter auch Waschbären, Rotfüchse oder Wildvögel, die nicht im Zoo gelebt haben, aber dort tot aufgefunden wurden. Die LVZ stellt einige tierische Patienten vor.

Unglückliche Fischkatze: Sie hatte wohl nicht den richtigen Partner vermittelt bekommen, kam mit dem Kater nicht klar. In ihrem Gehege im Gondwanaland saß sie immer nur auf dem Baum. Nachwuchs stellte sich nicht ein. Als das Fell der Katze immer kahler wurde, wurde sie auf dem OP-Tisch untersucht – ohne dass sich ein Hinweis auf eine Erkrankung ergeben hätte. Inzwischen durfte die Fischkatze in die rückwärtige Tierhaltung umziehen. Dort ist ihr Fell wieder tadellos gewachsen. Sie versuchte sogar, einen Ozelotkater im benachbarten Gehege „anzumiezen“, doch der tatzte nach ihr und verletzte sie an der Pfote – wieder ein Fall für den Tierarzt.

Zwergflamingo mit krummem Schnabel: Mehr als eine Schönheits-Operation war bei einem neu geborenen Zwergflamingo erforderlich. Das Tier hatte einen gebrochenen Schnabel. Unter Narkose wurde er mit Zwei-Komponenten-Kleber wieder zusammengefügt. Nach zehn Wochen fiel das geklebte Stück von allein ab. Heute kann der Vogel fressen, obwohl die krumme Stelle nicht hundertprozentig gerade geworden ist.

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Totenkopfäffchen Pelle mit eitrigem Abszess am Auge

Totenkopfäffchen Pelle mit blutigem Auge: Keine Schlägerei, sondern ein eitriger Abszess unter dem Auge führte Totenkopfäffchen Pelle zum Doktor. Der Abszess wurde ausgeschält, geholfen hat das aber nur vorübergehend. Eventuell könnte ein verstopfter Tränenkanal die Ursache sein.

: Auch der kleine Smart, ein männlicher Zwergplumplori, guckte ein wenig schief aufgrund eine Schwellung am Auge. Da das Tier abgegeben werden sollte, musste in Narkose untersucht werden, woher die Verdickung kommt. Es bestand der Verdacht auf Zahnprobleme – gefunden wurde aber nichts.

Grevyzebra mit Hufproblemen: Zebradame Kathrin (28) war seit Jahren „Dauerkundin“ beim Tierarzt. Vor drei Jahren hatte sie völlig durchgelaufene Hufe und musste mit Eisen beschlagen werden. Da der zuständige Hengst sie nicht akzeptierte, sondern malträtierte, musste sie alleine gehalten werden. 2015 fiel Kathrin dann durch Lahmheit auf. Wie sich bei der Untersuchung in Narkose zeigte, waren an allen vier Hufen die Wände durchgebrochen. Auch in den Zähnen hatte das Huftier tiefe Löcher. Der Tierarzt schläferte die Stute ein.

Giraffenbulle wurde „Wallach“: Eine Narkose bei Giraffen ist immer heikel, bei Giraffenbulle Jamal (ein Jahr) musste sie vorgenommen werden – das Jungtier wurde kastriert. So wie vor ihm schon seine Halbbrüder Mosegi und Zuri. Hintergrund: Es gibt viele männliche Nachkommen in den Zoos, für Jungtiere finden sich nur schwer Abnehmer. Der Zoo Leipzig hat sich dazu entschlossen, die jungen Bullen zu behalten und zu kastrieren. Lediglich Bulle Max ist noch ein richtiger „Hengst“ und darf für Nachwuchs sorgen. Die weiblichen Giraffen Gusti und Andrea werden mit einem Hormon behandelt, damit sie nicht trächtig werden.

Lahme Mähnenwölfin: Mit hochgradiger Lahmheit hinten rechts wurde Mähnenwölfin Christa dem Zootierarzt vorgestellt. Der verordnete zunächst eine Schmerztherapie, die jedoch nicht anschlug. Auf dem OP-Tisch wurde Christa dann untersucht, ein Grund für ihre Lahmheit wurde aber nicht gefunden. Vermutlich hatte sie lediglich eine heftige Zerrung. Es dauerte zwei Monate, bis sie wieder ordentlich laufen konnte.

Zootierarzt Doktor Andreas Bernhard Quelle: Zoo Leipzig

Wildpferd mit ominösen Störungen: Kein Jahr alt geworden ist ein männliches Przewalski-Fohlen. Der kleine Kerl stand und lief schief, hielt seine Kopf schräg, konnte nicht richtig fressen. Die Untersuchung ergab, dass seine Leber nahezu vollständig zerstört war – warum, blieb unklar. Er wurde eingeschläfert.

Thomsongazelle mit dickem Hals: Tierpfleger der Afrika-Savanne bemerkten bei dem weiblichen Tier eine dicke Stelle am Hals. Als Ursache stellte sich ein Karzinom an der Schilddrüse heraus – das Tier wurde eingeschläfert.

Quoll mit blutigen Tumoren: Aus dem Nachtstollen im Gondwanaland wurde in männlicher Quoll zum Tierarzt gebracht. Er hatte verdickte Stellen im Gesicht und an anderen Bereichen des Körpers, unter anderem einen blutigen Tumor am Hals. Befund von Doktor Bernhard: „Ab zweieinhalb bis drei Jahren ist bei Quolls mit tumorösen Entartungen zu rechnen. Operationen bringen nichts, aber mit Futteranpassungen können die Tiere noch lange leben.“ Die australischen Tüpfelbeutelmarder werden vier bis fünf Jahre alt.

Nachwuchsglück bei den Weißnacken-Moorantilopen: Nachdem es in den vergangenen Jahren häufig Geburtsprobleme bei den Weißnacken-Moorantilopen gab, konnte sich der Zoo 2015 erstmals über ein lebendes weibliches Jungtier freuen. Allerdings erlitt ein anderes Muttertier erneut eine Totgeburt.

Das weibliche Jungtier überraschte den Tierarzt mit Spalten in den Klauen. Vermutlich ist das Problem bereits im Mutterleib durch eine Unterversorgung entstanden. Mittlerweile sind die Klauen durch intensive Pflege völlig in Ordnung, können geschnitten und geraspelt werden. Im Frühjahr wird das Jungtier nach Holland abgegeben.

Von Kerstin Decker

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