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Lokales Bonobo-Junge im Leipziger Zoo auf den Namen "Yaro" getauft – LVZ übernimmt Tierpatenschaft
Leipzig Lokales Bonobo-Junge im Leipziger Zoo auf den Namen "Yaro" getauft – LVZ übernimmt Tierpatenschaft
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20:44 18.06.2013
Der Zoo Leipzig freut sich über Bonobo-Nachwuchs. Quelle: Regina Katzer
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Leipzig

Er wurde aus diesem Anlass auch gleich auf den Namen Yaro getauft.

LVZ-Lokalchef Björn Meine nahm am Dienstag im Beisein von 20 Lesern die Patenurkunde für ein Jahr in Empfang. Zoochef Jörg Junhold, Bereichsleiter Frank Schellhardt und Johannes Großmann, Forschungsassistent am Max-Planck-Institut, gaben den Lesern detaillierte Informationen zu den Bonobos, zu den Menschenaffen allgemein und zur Arbeit der Max-Planck-Forscher im Pongoland.

Zur LVZ-Patentierfamilie gehört außer dem kleine Bonobo eine Giraffe (Pate ist die LVZ-Post) sowie die gesamte Erdmännchen-Familie (Pate ist das Familienmagazin Schingel). Insgesamt gibt es derzeit 1200 Tierpaten, die am Donnerstag und Freitag zu den traditionellen Patentagen in den Zoo eingeladen sind.

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Forscher untersuchen, was Affenkinder von Menschen unterscheidet

Das Affenbaby gähnt genüsslich. Weit reißt es den kleinen Mund auf, schließt für einen Moment die Augen – und kuschelt sich wieder eng an Mama Lexi. Die passt gut auf, dass ihr Kleines immer in ihrer Nähe bleibt. Vor einem Monat wurde das Bonobo-Junge geboren – der jüngste Nachwuchs unter den Menschenaffen im Leipziger Zoo. Allein ist es in der Bonobo-Gruppe aber nicht: Noch ein weiteres männliches Jungtier tollt derzeit durch die dschungelartige Landschaft des Pongo-Lands.

Kasai erblickte bereits im Januar das Licht der Welt. Der kleine Affe bewegt sich agiler als sein jüngerer Artgenosse, der bisher noch keinen Namen hat. Während das Baby die meiste Zeit schläft, wagt sich Kasai schon eine Stück von seiner Mutter weg. Die Lieblingsbeschäftigung: spielen. Erst rollt er sich auf einem Jutesack hin und her. Dann greift er nach einem Ast, versucht sich daran festzuhalten, um danach – plumps – wieder in Mamas Schoß zu landen. Einen Finger im Mund, schaut er vorsichtig zu den Zoobesuchern, die ihn ebenso aufmerksam betrachten. Und manche sind Kasai recht ähnlich. Ein vielleicht zweijähriger Junge kaut versonnen auf einem Brötchen herum, Kasai knabbert gerade an einem Blatt.

Ähnlichkeit zum Menschen? Ein männliches Bonobo beim Faulenzen. Quelle: Regina Katzer

Der Affen-Nachwuchs ist derzeit der Besucher-Magnet im Pongoland. Verzückt bleiben viele Leute vor der Glasscheibe stehen. „Genauso wart ihr als Babys auch“, sagt eine Lehrerin zu ihrer Grundschulklasse. Ein Mädchen fragt, ob Affen Lippenstift benutzen. Ganz so ähnlich sind die Bonobos den Menschen dann doch nicht. Dass Sie ihrem nächsten Artverwandten in ihrem Verhalten bisweilen sehr nah kommen, ist aber unbestritten.

Besonders gut kennen die Forscher des Instituts für evolutionäre Anthropologie die neunköpfige Bonobo-Gruppe. Die Wissenschaftler nehmen die Menschenaffen seit zwölf Jahren genauestens unter die Lupe. Bis zu vier Stunden am Tag. Dadurch wollen sie Gemeinsamkeiten zwischen Affen und Menschen herausfinden. An den Verhaltensstudien nehmen die Tiere freiwillig teil, betont Forschungsassistent Johannes Grossmann. „Wer keine Lust hat, kann auch wieder gehen.“ Lediglich mit Weintrauben oder Bananen werden die Affen „zur Teilnahme motiviert“.

Bei den Experimenten verstecken die Wissenschaftler in der Regel Futter – die Affen müssen an die begehrte Leckerei herankommen. „Daraus kann man dann ableiten, welche kognitiven Fähigkeiten die Tiere haben“, erklärt Grossmann, der die Zoo-Affen seit vier Jahren untersucht. Ob eine Affenart schlauer ist, als die andere, könne man aber nicht feststellen. „Wenn ich Intelligenz daran messe, ob man sich die Schnürsenkel zubinden kann, dann ist der Mensch natürlich ein total intelligentes Tier“, sagt der 34-Jährige augenzwinkernd. Intelligenz sei jedoch nicht messbar.

Was Grossmann und seine Kollegen hingegen herausfinden, sind Charakteristika der einzelnen Affenarten, inklusive des Menschen: Orang-Utans sind geduldiger als Schimpansen und können besser mit Werkzeug umgehen, Schimpansen suchen Konkurrenzsituationen, Menschen sind sozialkompetent, Bonobos gelten als besonders friedfertig. „Sie sind zwar nicht die reinen Flower-Power-Affen“, räumt Grossmann ein und lacht. Fest steht aber: „Bonobos lösen Konflikte nicht durch Aggressionen.“ Während sich Schimpansen bei Futterneid gegenseitig die Früchte aus den Händen reißen, haben Bonobos einfach Sex miteinander – und schon ist der Streit beigelegt.

Allerdings wäre Futterstreit in Gefangenschaft eigentlich unnötig. Überhaupt ähnelt der Alltag der Zoo-Affen kaum dem ihrer Artgenossen in der Wildnis. „In Freiheit sind die Tiere den ganzen Tag mit der Futtersuche beschäftigt. Das fällt hier natürlich aus“, berichtet Grossmann. Damit sich die Tiere nicht langweilen, werden sie permanent beschäftigt – sie müssen Bananen aus Gefäßen klauben oder Nüsse aus einem Glaskasten pulen.

Bonobo Kasai, Sohn von Yasa, kam am 9. Januar 2013 im Pongoland zur Welt. Quelle: Regina Katzer

Soviel Stress hat das kleine Affenbaby noch nicht. Es nuckelt die meiste Zeit an Mamas Zitze und schlürft genüsslich die nahrhafte Milch. Auch Affenjunge Kasai wird noch lange an Mamas Brust hängen. „Nach vier Jahren wird die Mutter erneut von den Männern gedeckt“, sagt Cheftierpfleger Frank Schellhardt. „Wenn sie wieder schwanger ist, entwöhnt sie das Kind“, erklärt der 57-Jährige. „Da gibt es dann schon mal Tränen.“

Später kümmern sich mehrere Weibchen gemeinsam um den Nachwuchs – in einer Art Kindergarten. Die Väter bleiben komplett außen vor. Bei den beiden Affenkindern ist noch nicht einmal bekannt, wer ihr Vater ist. Klarheit wird bald ein Gentest zeigen. „Kinderbetreuung ist ausschließlich Aufgabe der Mütter“, betont Schellhardt. „Die Männchen sind in der Wildnis zum Schutz der Gruppe da – als starke Krieger.“

Nachwuchs ist bei den Bonobos mittlerweile nichts Außergewöhnliches mehr. „Menschenaffen reproduzieren sich im Zoo recht gut“, hat Forscher Grossmann festgestellt. Einige Affendamen bekamen schon Hormonchips eingepflanzt – um Schwangerschaften zu verhindern. Im Vergleich zu Menschenbabys sind die kleinen Affen übrigens weitaus agiler. „Menschenkinder sind in den ersten eineinhalb Lebensjahren hauptsächlich mit Rumliegen beschäftigt“, sagt Grossmann leicht süffisant. „Was die physische Aktivität angeht, haben Menschenaffen da sehr viel mehr auf dem Kasten.“ Immerhin hätten sie auch ganz andere „Aufgaben“ zu erledigen: Sie müssen sich an der Mutter festhalten und auf Bäume klettern.

Zwar verhält sich der Nachwuchs von Mensch und Affe ähnlich: Sowohl Kleinkinder als auch Baby-Affen halten sich nahe der Mutter auf und spielen viel. Doch Grossmann verweist auf Unterschiede: von erwachsenen Tieren Futter erbetteln, einem ranghohen Tier aus dem Weg gehen – das macht der Mensch in jungen Jahren nicht. Was den sozialen Umgang mit Artgenossen angeht, übertreffen dreijährige Kinder die Affen bei Weitem. Bonobos sind Egoisten.

Den Menschen von seinem nächsten Verwandten strikt abzugrenzen, will Grossmann allerdings nicht. Sind Menschen auch Affen? „Klar“, antwortet er. „Der Mensch ist eine Art unter vielen. Und dass wir uns als etwas Besonderes wahrnehmen, liegt daran, dass wir mit einem menschlichen Filter auf unsere Welt gucken.“

Dass wir den Bonobos doch ähnlicher sind als wir denken, zeigt auch das Verhalten von Kasai und seiner Mutter. Das Affenbaby hat sich inzwischen wieder bei ihr angekuschelt, die kleinen Ärmchen fest ins Fell verkrallt. Auch Affen-Babys brauchen mal ein Mittagsschläfchen. Deshalb schleppt die Affendame ihr Junges jetzt in den hinteren Bereich der Anlage.

Gina Apitz / K.D.

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