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Lokales Borreliose-Alarm in Leipzig
Leipzig Lokales Borreliose-Alarm in Leipzig
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00:42 28.04.2018
Kleine Blutsauger mit gefährlichen Krankheitsüberträger-Potenzial: die Zecke.  Quelle: Foto: dpa
Leipzig

 Die Zeckensaison ist gerade mal wieder auf einem Höhepunkt. Dabei liegt in Leipzig die Zahl der Erkrankten bereits jetzt höher als im gesamten vorigen Jahr. „In diesem Jahr gab es in ganz Sachsen schon rund 1150 Borreliose-Fälle“, hat Wiebke Friedrich von der Leipziger Selbsthilfegruppe Borreliose (SHG) recherchiert.

Aus dem Kreis Rochlitz und den Städten Dresden und Chemnitz sei erst im September von einer gestiegenen Erkrankungszahl mit teils schlimmen Folgen für die Betreffenden zu hören gewesen. „Das Gesundheitsamt in Dresden allein meldet für dieses Jahr bereits 330 Borreliose-Fälle. In Leipzig wurden bislang 49 Erkrankungen bekannt“, sagte Ingrid Möller, Abteilungsleiterin im hiesigen Gesundheitsamt, gegenüber der LVZ. Im gesamten Vorjahr waren es 37. Laut Möller hat es aber 2012 sogar schon einmal 64 neue Erkrankungen gegeben.

Mögen sich die Überträger unterschiedlichster Krankheitserreger nun noch nicht all zu arg bis zur Pleiße vorgearbeitet haben, auf der Hut gilt es auch hier zu sein. „Wir müssen immer wieder bei Inforveranstaltungen die Erfahrung machen, dass viele unserer Mitbürger, die eine ,Zeckenschutz-Impfung’ erhalten haben, irrtümlich denken, bei einem Zeckenkontakt rundum geschützt zu sein“, so SHG-Sprecherin Friedrich. Dem sei leider nicht so. „Diese Impfung schützt nur vor der selteneren Erkrankung durch den FSME-Virus. Zecken können aber weitere Erreger übertragen – so unter anderem Borrelien, wie die Erreger der Lyme-Borreliose-Infektion heißen. Und gegen Borreliose gibt es bisher keinen Impfstoff.“

 In der Leipziger SHG weiß man: Wird eine Borreliose nicht rechtzeitig erkannt, ist sie nur noch schwer zu behandeln. Ein typisches Zeichen einer solchen Infektion sei die Wanderröte, die sich aber nur bei rund 50 Prozent der betroffenen Erkrankten einstelle. Die andere Hälfte leide dann meist „an untypischen Symptomen, die auch bei anderen Erkrankungen auftreten“ können. Das reiche laut Friedrich von Fieber und Kopfschmerzen über leichte Lähmungen bis hin zu schmerzhaften, chronischen Entzündungen an Armen und Beinen. Hier sei dann die Hilfe eines erfahrenen Arztes und einer sofortigen Behandlung gefragt.

„Behandelt wird eine Borreliose-Infektion mit Antibiotika. Wird die bakterielle Infektion zu spät erkannt oder zu kurz behandelt, kann es zu langwierigen Krankheitsverläufen führen, weil es bis heute auf Grund fehlender Forschung keine standardisierte zuverlässige Diagnostik und keine sicher heilende Therapie gibt. Lyme-Borreliose ist eine der am schnellsten wachsenden Infektionskrankheiten in Deutschland mit unterschiedlichen Manifestationen“, weiß die SHG-Frau inzwischen. Eine der vielen Manifestationsformen sei die Neuroborreliose, von der man spricht, wenn im Zuge einer Borreliose Krankheitserscheinungen des Nervensystems auftreten. Und speziell darum soll es am 27. Oktober im Rheumazentrum der Leipziger Universität, Liebigstraße 22A (1. Etage, Zimmer 139) beim diesjährigen Herbstvortrag der SHG gehen, wozu für 19 Uhr Interessierte beziehungsweise Betroffene eingeladen sind. Konkret ist der Vortrag überschrieben: „Neuroborreliose – anhand von Patienten mit Schlaganfall (nach entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie Vaskulitis bei diagnostizierter Neuroborreliose)“. Referent ist Professor Tobias Back, Chefarzt des Sächsischen Krankenhauses Arnsdorf. Danach moderiert SHG-Leiter Gert Schlegel noch eine Diskussion.

Anmeldungen zum Herbstvortrag unter Tel. 0341 3382155 oder per E-Mail borreliose-leipzig@gmx.de an. Eintritt: 2 Euro.

Von Angelika Raulien

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