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Lokales Botschaften aus dem „Lernkoffer“
Leipzig Lokales Botschaften aus dem „Lernkoffer“
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00:22 08.02.2018
Franziska Walther vom Behindertenverband Leipzig. Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Nur noch zwei Karten liegen auf der Hand – Nummer 14 mit Löwe Leon im Rollstuhl oder das Siegerblatt. Der Zufall entscheidet als Fifty-fifty-Joker in „Inklusio“ über den Ausgang im neu erschienenen Kartenspiel des Behindertenverbands Leipzig. Der Verein aus der Südvorstadt setzt damit zum wiederholten Mal auf locker gestaltetes Weiterbildungs- und Aufklärungsmaterial.

„Inklusio“ funktioniert als positive Verkehrung des Klassikers „Schwarzer Peter“: Muss man darin die ungeliebte Karte spätestens in der letzten Runde los werden, gilt es hier, das „Inklusio“-Unikat bis zum Schluss zu behalten, um zu gewinnen. „Es geht nicht um Niederlage und Häme über den Besitzer des Schwarzen Peters, sondern um den Sieg – und eine Botschaft“, stellt Franziska Walther, Projektleiterin für Weiterbildung, klar. Hauptanliegen: ein entkrampfter Umgang mit dem Thema Behinderung sowie Sensibilisierung für die Notwendigkeit von Barrierefreiheit.

Die „Inklusio“-Motive zeigen auf, wie durch Rücksichtnahme die Benachteiligung beispielsweise von Gehörlosen oder Rollstuhlfahrern aufgehoben werden kann – wie durch behindertengerechte Zugänge oder Gebärdendolmetscher. Die meisten der im Kartenset abgebildeten Figuren sind schon aus anderen Spielen für den „Lernkoffer“ bekannt: der Löwe im Rolli, der blinde Maulwurf, die lernbehinderte Schildkröte, das gehörlose Hasenmädchen, der sprechbehinderte Igel und der schwerhörige Hasenjunge tauchten bisher in einer Rommé-, in Memo-, Brett- und Dominospielen sowie in einem Hörbuch auf, zu dem Liedermacher Gerhard Schöne einen Song beisteuerte.

Erfunden hat die Helden die inzwischen pensionierte Marlies Große. Sie schrieb und illustrierte ab dem Jahr 2010 zwei Lernbücher. Das 2012 begonnene „Lernkoffer“-Projekt führt nun Franziska Walther weiter, die seit 2015 beim hiesigen Behindertenverband arbeitet. Die bei Dresden geborene 34-Jährige kam auf Umwegen zum 1990 gegründeten Verein: In Hildesheim studierte sie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, später arbeitete sie als Assistentin beim Deutschlandradio Kultur. „Früher habe ich allerdings schon mit dem Thema Sonderpädagogik geliebäugelt und einen Kurs für Gebärdensprache an der Volkshochschule belegt“, berichtet sie. Im Job als Nachfolgerin von Marlies Große findet sie nun „eine schöne Verknüpfung von Gestalterischem, Sozialem und Schreiben“.

Auf Walthers Initiative hin erschien im vergangenen Dezember parallel zum „Inklusio“-Kartenspiel auch ein Hörspiel. Die Doppel-CD „Der kleine Löwe und seine Freunde entdecken Sachsen“ entstand unter besten professionellen Bedingungen in Patrick Beckers Studio Bromologic – unter anderem mit den Stimmen von Schauspielerin Simone Cohn-Vossen und Sprecher Hans Henrik Wöhler.

Durch das gewachsene Sortiment hat der „Lernkoffer“ inzwischen ein respektables Volumen erreicht, die Protagonisten der Geschichten sind auch als Stoffpuppen vorhanden. Mit Hilfe dieses Sondergepäcks stellt Walther ihr Projekt „Barrierefreiheit spielend lernen“ vor allem in Grundschulen vor – mit positivem Echo, sagt die sie. „Je früher die Kinder begreifen, dass Behinderungen ein alltägliches Phänomen sind, desto natürlicher ist der Umgang damit.“

Eine Haltung, die dem Credo des Kartenspiels „Inklusio“ entspricht. Im beschreibenden Text Walthers heißt es dazu: „Es gibt keine Verlierer-, sondern eine Siegerkarte – denn im gelebten Miteinander liegt der Gewinn.“

Der Behindertenverband präsentiert den „Lernkoffer“ und sich als Verein am 10. Februar beim Familienspielefest im Neuen Rathaus zwischen 13 und 19 Uhr (Eintritt frei) sowie auf der Leipziger Buchmesse vom 15. bis 18. März. Schulen, Kindergärten und andere pädagogische Einrichtungen können sich einen Koffer unter den genannten Adressen auf der Seite www.le-online.de/biblio.html ausleihen.

Von Mark Daniel

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