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Brachialer Sound im Schauspiel Leipzig als Vorbote für neue Spielstätte

Baustellenbesuch Brachialer Sound im Schauspiel Leipzig als Vorbote für neue Spielstätte

Die Spielstätte „Baustelle“ im Schauspiel Leipzig ist nun tatsächlich eine Baustelle, erfüllt vom Lärm der Sägen und Bagger. LVZ.de bekam exklusiv Einblicke, bevor im Oktober die neue Spielstätte eröffnet.

Die „Baustelle“ im Schauspiel Leipzig ist nun eine reale Baustelle, die Arbeiten gehen in die heiße Phase.
 

Quelle: Christian Modla

Leipzig.  Der Sound ist brachial und Staubschwaden wabern durch den Raum: Im Schauspiel Leipzig haben Bagger die Regie übernommen, zumindest im Teil der ehemaligen Diskothek Schauhaus und bisherigen Interimsspielstätte des Theaters. Seit März ist die sogenannte „Baustelle“ eine Baustelle, um den Spielort an der Ecke Bosestraße und Dittrichring endlich zur vollwertigen zweiten Spielstätte zu machen. Jetzt gehen die Arbeiten in die heiße Phase.

In der Zwischendecke klafft ein breiter Spalt, der Kleinbagger schafft massenhaft Schutt aus dem rund 220 Meter großen Raum, fährt durchs ehemalige Foyer und den Eckeingang auf die Bosestraße. „Die Decke muss raus, damit ein rund sieben Meter hoher Raum für die Bühnentechnik entstehen kann“, erklärt Mirko Holze, Leiter bauliche Anlagen in der Schauspiel-Verwaltung.

Die Arbeiten für die Zweitspielstätte im Schauspiel Leipzig gehen im Juni 2017 in die heiße Phase. Eine Zwischendecke und viele Pfeiler müssen für den Spielort-Umbau in der ehemaligen Diskothek Schauhaus weichen. Fotos: Christian Modla 

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Neue Bar und mobile Tribünen

Der Betonstützen-Wald in der ehemaligen Diskothek hat sich auch gelichtet, vier davon wurden schon abgerissen. In dem Leerfeld zwischen Interims-Foyer und Zuschauerraum entsteht eine neue Bar, so Holze weiter. Damit weitere acht Stützen fallen können stützen bereits tonnenschwere Stahlrahmen das Bauwerk bis in die oberen Etagen.

Der Zuschauerraum wird Platz für insgesamt 199 Gäste bieten. Der Saal, der schon als Interims-Spielort „Baustelle“ für junges und experimentelles Theater genutzt wurde, soll noch flexibler in den Auftrittsmöglichkeiten werden: Mobile Zuschauertribünen mit 120 Sitzplätzen können zum Beispiel als Arena oder frontal zur Bühne angeordnet werden.

Derzeit blickt man allerdings dort, wo die Hubbühne entstehen soll, durch ein Loch bis in den Keller. Und für einen funktionalen Raum hinter der Bühne wird auch die dekorative Treppe zum ersten Stock verschwinden. „Das bedauern einige, weil sie sich eigentlich so schön als Showtreppe eignet“, schmunzelt Holze. Weitere Neuerungen: Der Zugang an der Ecke wird barrierefrei, die Fenster zum Dittrichring lassen sich künftig mit Klappen komplett verdunkeln.

Mirko Holze, Leiter bauliche Anlagen im Schauspiel

Mirko Holze, Leiter bauliche Anlagen im Schauspiel.

Quelle: Christian Modla

Öffentliche Begehung im September

„Zur langen Theaternacht am 1. September planen wir auch eine öffentliche Baustellenbegehung“, so Schauspiel-Sprecherin Rebecca Rasem. Wie die aussehen wird, ob sie sogar szenisch gestaltet werden kann, stehe aber noch in den Sternen. Die Sprecherin schafft es kaum, die kreischenden Sägen zu übertönen. „Für alle Mitarbeiter in den benachbarten Räumen ist das jetzt gerade ein Geduldsspiel“, sagt sie. Im Oktober gehört das Revier wieder den Künstlern, und die Verwandlung vom Schauhaus über die „Baustelle“ zu neuen „Diskothek“ ist abgeschlossen.

Der Aufwand soll sich lohnen: Für rund 4,6 Millionen Euro bekommt das Schauspiel Leipzig unter der Intendanz von Enrico Lübbe eine moderne Zweitspielstätte, so haben es die Stadträte beschlossen. Die Skala in der Gottschedstraße 16 war wegen veralteter technischer Anlagen seit 2011 nicht mehr bespielbar. Aus wirtschaftlichen und praktischen Gründen sah der Eigenbetrieb die Gelegenheit, alle Bühnen unter ein Dach zu holen.

Hintergrund: Geschichte

Am selben Ort befand sich seit 1902 das Centraltheater. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, doch Ende 1945 eröffnete die Stadt die notdürftig reparierte Spielstätte wieder. Zur DDR-Zeit wurde das Haus zwischen 1954 und 1957 vom Architektenkollektiv Karl Souradny in der heutigen, neoklassizistischen Form auf- und umgebaut. Zur DDR-Zeit entstand in den 1960er-Jahren die Diskothek Schauhaus. Nach der Wende erlangte die Adresse überregional traurige Präsenz durch den sogenannten „Disko-Krieg“ im Türsteher-Milieu. Im März 2008 wurde das Schauhaus überfallen und ein Türsteher niedergestochen. Seit 2013 werden die Räume vom Schauspiel als Interim genutzt.

Von Evelyn ter Vehn

Leipzig, Bosestraße 51.34076 12.369693
Leipzig, Bosestraße
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