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Lokales Brand in Eisenbahnstraße: Anwohner können nur mit Drehleiter in ihre Wohnungen
Leipzig Lokales Brand in Eisenbahnstraße: Anwohner können nur mit Drehleiter in ihre Wohnungen
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18:34 26.11.2018
Im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses rechts brach in der Leipziger Eisenbahnstraße am frühen Montagmorgen ein Feuer aus. Quelle: André Kempner
Leipzig

Die Eisenbahnstraße 115 am Montagmittag, knapp zwölf Stunden nach dem Brand: Ab Torgauer Platz hat die Polizei eine Fahrbahnseite abgesperrt. Ein älterer Herr, der trotzdem abbiegt, übersieht einen Pylon und schleift diesen scheppernd unter seinem Wagen mit. Ein Beamter muss ihn stoppen. Nachdem es in der Nacht in dem Mehrfamilienhaus gebrannt hat, herrscht weiter helle Aufregung in der Eisenbahnstraße.

Die Feuerwehr ist noch einmal mit mehreren Einsatzwagen zurück. Sie sind der Grund für die halbseitige Straßensperrung: Es braucht den Platz, um die Leiter erneut auszufahren. Mit der geht es nach oben. Die Mieter des Hauses wechseln sich ab – jeweils einer fährt mit einem Kameraden im Korb mit. Vom Fenster aus dirigieren sie die Einsatzkräfte durch ihre Wohnungen, um das Nötigste von dort herauszuholen.

Feuer holt Menschen aus dem Schlaf

„Ein Feuerteufel hat hier sein Böses Spiel gespielt“, ist ein älterer Mieter des Unglückshauses überzeugt. Nach und nach kommen immer mehr Bewohner zusammen, eine Frau telefoniert hektisch. „Um 1.30 Uhr hat er das Feuer gelegt“, fährt der Mann fort. „Wir sind zum Glück munter geworden. Die ganze Wohnung war voller Rauch. Die Feuerwehr hat uns mit der Drehleiter aus dem zweiten Stock holen müssen. Anschließend sind wir ins Klinikum gekommen. Verdacht auf Rauchgasvergiftung. Mir geht’s aber so weit gut“, erzählt er.

Obwohl er recht gefasst wirkt, ist dem Rentner die Aufregung der vergangenen Nacht noch immer anzumerken. Nur einen Pullover hat er übergezogen, so steht er mitten unter den dick eingepackten Passanten, die den Feuerwehreinsatz von der Straßenseite aus verfolgen. Er sagt, er habe nichts mitnehmen können, seine Tabletten und der Autoschlüssel sind noch oben.

Treppenhaus ist nicht mehr begehbar

Was klaubt man in der kurzen Zeit zusammen? Was bleibt zurück? Es sind kleine Dinge, die zuerst fehlen. Die Frau, die gerade noch telefoniert hat, bedauert den Verlust ihrer neuen Hundeleine. Die hat sie vergessen, als sie mit der Leiter oben war. Ihre ganze Wohnung sei verrußt, das Treppenhaus im ersten Stock nicht mehr begehbar. Sie sagt, sie habe gehört, dass Brandbeschleuniger im Spiel gewesen seien.

„Wieder kurz vor Weihnachten“, schimpft sie. Bereits im vergangen Jahr, am 23. Dezember, habe es in ihrem Haus gebrannt. Auch damals wurde ein Brandstifter vermutet, der einen abgestellten Kinderwagen anzündete. Ermittler der Polizei sind auch jetzt vor Ort, befragen Anwohner und Passanten. Ihre Arbeit dauert an. Die Frau hingegen macht den anderen Mut. Die Versicherung zahle. Ein schwacher Trost für die, die noch geduldig warten, um – vorbei an verrußten Fenstern und zersplittertem Glas – per Drehleiter nach oben gehievt zu werden.

Mieter vermutet „Brandanschlag“

„Das ganze Treppenhaus ist betroffen, bis zur ersten Etage gibt es keine Stiegen mehr“, sagt Tobias Seifert. Der 40-Jährige wohnt ebenfalls in der Nummer 115. In der Nacht drehte er gerade noch eine Runde mit dem Hund, als er einen Anruf seiner Tante erhielt: Es brenne, alle müssten raus, er solle das Auto wegfahren, damit Platz für die Feuerwehr sei.

Auch er erzählt, es sei nicht der erste Brand in der Umgebung. „Oder Brandanschlag“, wird er vermutet. Ein bitteres Weihnachten werde das. Gleich habe er einen Termin wegen einer Notunterkunft.

Sozialamt organisiert Notunterkünfte

Eine Mitarbeiterin des Sozialamtes ist bereits in den frühen Morgenstunden am Einsatzort gewesen, um die erste Notunterbringung zu organisieren. Die Feuerwehr hat 17 Menschen mit der Drehleiter und einem Sprungpolster gerettet. Bei zehn Betroffenen habe das Sozialamt einen Bedarf festgestellt, sagt Martina Menge-Buhk, eine Sprecherin der Stadt Leipzig.

Alle sind in Notunterkünften der Kommune untergebracht. Auch wer nicht übernachten will, hat zumindest duschen können oder Wechselkleidung erhalten. Der Rest der 21 Mieter ist bei Freunden oder Verwandten untergekommen.

Der Sozialdienst der Stadt sei jetzt für alle Mieter ein möglicher Ansprechpartner, wenn es darum gehe, die weitere Wohn- und Finanzsituation zu klären, betont Rathaussprecherin Menge-Buhk. Er ist in der Abteilung Soziale Wohnhilfen in der Prager Straße 21 zu finden.

Von Manuel Niemann

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