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Aktionstag am Uni-Klinikum zeigt verheerende Böller-Sprengkraft

Präventionsprojekt für Leipziger Schüler Aktionstag am Uni-Klinikum zeigt verheerende Böller-Sprengkraft

Die Schweinepfote wurde bei der Explosion fast zerrissen, der Schuh durch die Wucht der Detonation zerfetzt. Am Uni-Klinikum wurde rund 150 Schülern demonstriert, wie verheerend illegale oder unsachgemäß verwendete Böller wirken können.

Auch anhand von Schweinepfoten wurde am Uni-Klinikum den Schülern demonstriert, welche Vernichtungskraft illegale Böller entfalten.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Schweinepfote wurde bei der Explosion fast zerrissen, der Schuh durch die Wucht der Detonation zerfetzt. Als die Profis der Firma Dreamfireworks am Donnerstag auf dem Gelände des Leipziger Uni-Klinikums (UKL) die verheerende Wirkung von illegalen Böllern demonstrierten, war das Areal weiträumig abgesperrt, die Feuerwehr vor Ort. Und den in gebührendem Sicherheitsabstand stehenden Schüler wurde vor der Zündung eingeschärft, sich die Ohren zuzuhalten. Nach den Donnerschlägen konnten die Siebtklässler von der Thomasschule und dem Evangelischen Schulzentrum inspizieren, was von dem Schuh und der Pfote noch übrig war. „An ihr wird für jeden hier sichtbar, was ein in Deutschland nicht zugelassener D-Böller mit 50 Gramm Schwarzpulver anrichten kann“, meinte Pyrotechniker Thomas Fechteler. Die Kommentare reichten von „krass“ bis „durchgebrutzelt“.

Die drastische Vorführung war Teil eines erstmals von der UKL-Klinik für Kinderchirurgie zusammen mit der Branddirektion und dem Arbeiter-Samariter-Bund ausgerichteten Aktionstages, bei dem rund 150 Schüler mit den Gefahren von unsachgemäß eingesetzten oder hier zu Lande verbotenen Knallkörpern vertraut gemacht wurden. „Wir verstehen das als Präventionsprojekt, es gibt einen großen Aufklärungsbedarf“, erklärte Klinikdirektor Professor Martin Lacher. Das zeige sich auch an der Zahl von explosionsverletzten Kindern, die zu Silvester und am Neujahrstag in die Klinik eingeliefert werden. Bis zu 20 seien das, und „zwei bis drei der Fälle sind immer richtig schlimm“. Jungen sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen, „unser Team zum Jahreswechsel muss dann zunächst die Akutversorgung übernehmen“. Oft seien in der Hand hochgehende Böller, Querschläger oder Blindgänger, die Kinder aufsammeln und daran zündeln, die Ursache für schwere Verletzungen, so Lacher.

Vom martialischen Knall unter freiem Himmel zur Diskussionsrunde im nur einen Steinwurf entfernten Seminarraum: Dort waren Ärzte und Schüler dicht beieinander. Jeder, der wollte, konnte über eigene Feuerwerkserlebnisse berichten. „Ich hab da was Blödes angestellt“, war mehrmals zu hören. Da wurde ein Böller in eine Flasche gesteckt, eine Rakete in einen Baum gejagt oder es entstand mit einer Vulkanfontäne eine brenzlige Situation. Auf die Frage, warum sie das machten, kam: „Mal was ausprobieren“ oder „Ich war neugierig, was passiert.“ Was passieren kann, führte Fachärztin Steffi Mayer vor Augen – mit einem Warnhinweis: „Die Aufnahmen zeigen massive Verletzungen. Wer glaubt, er verkraftet das nicht, schaut bitte weg.“

Die Bilder zeigten einerseits die rechte Hand eines in der Klinik lange stationär behandelten Jungen. Sie war durch eine Knallerexplosion aufgerissen und mehrfach gebrochen worden. Eine Fingerkuppe war amputiert. Andere Fotos stammten von einem ebenfalls in die Klinik eingelieferten Jungen, dem ein China-Böller den Fuß zertrümmert hatte. Dank ärztlicher Kunst kann er heute wieder normal laufen: „Nur lange rennen kann ich nicht“, meinte er gestern, als er den Schülern seinen Unfall vor zwei Jahren schilderte. Drei Monate lag er im Krankenhaus, 15 Operationen waren nötig. Beim Feuerwerk schaut er seitdem nur noch zu.

Von Mario Beck

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