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Lokales Brennpunkt Odermannstraße: Kundgebung gegen Neonazi-Vortrag direkt am NPD-Zentrum
Leipzig Lokales Brennpunkt Odermannstraße: Kundgebung gegen Neonazi-Vortrag direkt am NPD-Zentrum
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17:29 25.11.2011
Blick auf das NPD-Büro in der Odermannstraße. Quelle: Regina Katzer
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Leipzig

Gleich zwei Initiativen rufen seit Tagen zum Widerstand gegen Hoffmanns Vortrag auf und wollen am Samstag vor dem NPD-Zentrum demonstrieren. Laut Anmeldung beim Ordnungsamt werden dazu mehr als 800 Menschen erwartet. Am frühen Nachmittag treffen Neonazis und Gegendemonstranten in der Odermannstraße zeitgleich aufeinander.

„Unter Berücksichtigung der aktuellen Situation ist die Veranstaltung eine einzige Provokation. Es zeigt die Nähe der NPD zu den rechtsextremen Kameradschaften, die ja auch mit der Terrorzelle in Verbindung gebracht werden“, erklärte Frank Kimmerle vom Verein „Erich-Zeigner-Haus“ am Freitag. Zusammen mit „Leipzig. Courage zeigen“ und der Stadtteilinitiative „Miteinander jetzt“ hat er den ersten Protestzug angemeldet.

Allein diese Veranstaltung sei schon ein Argument zur Schließung des Nazi-Zentrums, sagte Kimmerle. „Für uns ist es unerträglich, dass es hier dieses NPD-Zentrum gibt, in dem kriminelle Machenschaften geschult werden und das auch noch durch Steuergelder finanziert wird“, pflichtete ihm am Freitag Edda Möller bei, die unter anderem auch das bekannte Courage-Konzert am Völkerschlachtdenkmal organisiert.

Kimmerle, Möller und Unterstützer treffen sich am Samstag um 15 Uhr auf dem Lindenauer Markt und ziehen von dort in Richtung Odermannstraße. Um 16 Uhr wollen sie auf einer Kundgebung in direkter Nähe zum Nazi-Zentrum ihrem Unmut Luft machen. „Die Bühne wird gegenüber der Gemeindeamtsstraße zwischen Parkplatz und Fußweg aufgebaut werden“, sagte Kimmerle. Bis zum Eingang des auch als „Nationales Zentrum“ bekannte NPD-Büro sind es nicht einmal 30 Meter. „Es ist das erste Mal, dass wir eine Kundgebung so nah, in Rufweite des Nazizentrums machen können“, betonte der Vereinschef Kimmerle.

Leipzig. Das Leipziger Abgeordnetenbüro der rechtsextremen NPD in der Odermannstraße wird am Samstag wieder einmal zum Brennpunkt. Der Gründer der 1980 verbotenen „Wehrsportgruppe Hoffmann“, Karl-Heinz Hoffmann, will hier nach eigenem Bekunden einen dreistündigen Vortrag halten. Gleich zwei Initiativen rufen seit Tagen zum Widerstand auf.
Frank Kimmerle vom Verein „Erich-Zeigner-Haus“ Quelle: Regina Katzer

Ab 16 Uhr werden von hier aus unter anderem Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Wolfgang Leuze (Bündnis 90/Die Grünen), Barbara Höll (Die Linke) und Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff zu den Anwesenden sprechen. Später soll auch eine Vertreterin des zweiten Demonstrationszuges ihre Meinung zum NPD-Zentrum kund tun können, sagte Möller. Der Protestmarsch der antifaschistischen Gruppe „Fence Off“ beginnt um 15.30 Uhr auf der Jacobstraße am Waldstraßenviertel, führt über den Ranstädter Steinweg und die Jahnallee ebenfalls bis zum Lindenauer Markt.

Zur gleichen Zeit, wie die Kundgebung der Gegner des NPD-Zentrums beginnt, öffnen sich auch dessen Türen. Zumindest für diejenigen, die zum Vortrag von Neonazi Karl-Heinz Hoffmann möchten. Um 17 Uhr wird der 74-Jährige dann, laut einer Ankündigung auf seiner Webseite, seine rechtsextremen Verschwörungstheorien zum Ende der Wehrsportgruppe, zum Terroranschlag auf das Oktoberfest sowie zur „globalen Überbevölkerung und die Auswirkungen auf unseren Lebensraum“ verbreiten.

Edda Möller vom Verein "Leipzig. Courage zeigen". Quelle: Regina Katzer

„Wir vermuten, dass auch viele der Freien Kräfte dabei sein werden“, sagte Frank Kimmerle und Edda Möller ergänzte: „Wir hoffen nicht, dass es zu Störungen kommt.“ Daran will auch die Polizei am Samstag glauben: „Wir gehen zunächst, wie immer, von einem friedlichen Verlauf aus“, sagte Polizeisprecher Uwe Voigt gegenüber LVZ-Online. Auch im Kooperationsgespräch „hätten sich die beteiligten Parteien durchaus gewillt gezeigt, diesen Konsens der Friedlichkeit mit zu tragen“, erklärte Voigt. Mit Blick auf die letzte Demonstration an gleicher Stelle, bei der Pyrotechnik und Steine flogen, musste er aber feststellen: „Der Durchmarsch durch die Odermannstraße wird nicht stattfinden. Die letzte Demo am 24. September zeigte deutlich, dass hier Gefahrenpotential lauert.“ Zu keinem Zeitpunkt habe es aber Überlegungen gegeben, die Veranstaltung aufgrund des polizeilichen Notstandes zu verbieten.

Edda Möller warnte davor, dass es aufgrund der Nähe des Kundgebungsortes zum Nazi-Zentrum und der zeitlichen Überschneidung auch sein könnte, dass sich kleinere Gruppen von Nazis unter die Teilnehmer der Kundgebung mischten. Man vertraue aber auf getrennte Zugänge auf beiden Seiten. Etwas spöttisch ergänzte Frank Kimmerle, dass ja sogar Neonazi Karl-Heinz Hoffmann auf seiner Internetseite zur Ruhe aufgerufen habe. In einem skurrilen Brief an die Gegendemonstranten lädt er diese sogar zu seiner Veranstaltung ein.

Der 74-Jährige hatte in den 1970er Jahren die nach ihm benannte paramilitärische "Wehrsportgruppe Hoffmann" gegründet. 1980 wurde sie als verfassungsfeindlich verboten. Neben dem Anschlag auf das Münchner Oktoberfest, bei dem ein Mitglied der Gruppe 13 Menschen getötet und 200 schwer verletzt hatte, wird Hoffmanns Organisation auch mit dem Mord am jüdischen Verleger Shlomo Lewin in Verbindung gebracht. Eine Beteiligung des Gründers daran konnte jedoch nie nachgewiesen werden. Seit seiner Verhaftung und Anklage unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz und einer anschließenden fünfjährigen Haft wird Hoffmann in Neonazi-Kreisen als einflussreiche Führungsfigur verehrt und zu Schulungsveranstaltungen eingeladen.

Internet: www.erich-zeigner-haus-ev.de, www.fenceoff.org

Matthias Puppe

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