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Brennstoffzellen-Testlauf in Holzhausen

Neue Technik reduziert Heizkosten Brennstoffzellen-Testlauf in Holzhausen

Die Brennstoffzelle gilt als eine zukunftsweisende Technologie. In Holzhausen läuft seit zwei Jahren in einem Mehrfamilienhaus ein Test mit einer Brennstoffzellen-Heizung. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend.

Gábor Fehér hat das Sechs-Familien-Haus energetisch aufgerüstet. Für die Mieter zahlt sich dies aus, sie bekommen Teile ihrer Betriebskosten-Vorschüsse zurück.

Quelle: André Kempner

Leipzig. W

Der Leipziger Gábor Fehér griff deshalb zu, als ihm der Heizgerätehersteller Vaillant anbot, sich eine innovative Brennstoffzellen-Heizung anzuschaffen und bei einem deutschlandweiten Feldtest mitzumachen. Fehér betreibt selber einen Heizungsinstallationsbetrieb und baute die innovative Technik in ein Sechs-Familienhaus in Holzhausen ein. Sein Kalkül: Brennstoffzellen gelten als die Zukunft der Kraft-Wärme-Kopplung und sind hauptsächlich für den Einsatz in Ein- und Mehrfamilienhäusern konzipiert – wer Energie effizient erzeugen will, kommt an ihnen eigentlich nicht vorbei. Inzwischen sind zwei der drei Testjahre herum.

Für den Unternehmer ist der Test nicht billig. Rund 25 000 Euro musste er für die hochmoderne Heizung hinblättern. Aber dafür wird sein Gerät aus der Vorserie am Ende der dreijährigen Testphase auch kostenfrei durch ein Serienmodell mit der neuesten Vaillant-Brennstoffzellen-Technik ersetzt oder ein kleines Blockheizkraftwerk wählen. Die Entscheidung ist bereits gefallen: Für seinen Mehrgeschosser aus dem Jahr 1925 wird er wieder die Brennstoffzellen-Heizung wählen. „Diese neue Technik ist deutlich wartungsärmer und leiser als ein Blockheizkraftwerk“, sagt er.

Die neuartige Brennstoffzellen-Heizung, die im Keller des Sechsfamilienhauses Fritz-Zalisz-Straße 3 steht, ist etwa so groß wie eine normale Gas-Heizung für ein Einfamilienhaus. Das Herzstück des Systems bilden Hochtemperatur-Brennstoffzellen, die aus zugeführtem Erdgas Wasserstoff gewinnen. Bei der anschließenden Reaktion von Wasserstoff mit Stauerstoff entstehen Wärmeenergie und Gleichstrom. Beides wird direkt im Haushalt – ganz ohne Leitungsverlust – verwendet.

Fehérs Anlage produziert auf Basis von Erdgas ständig zwei Kilowatt Wärme und ein Kilowatt Strom – das soll im Haus die gewöhnlichen Verbräuche abdecken; für den darüber hinausgehenden Bedarf ist ein sogenannter Spitzenlastkessel mit einer Leistung von 27 kW thermisch als Ergänzung installiert. Wird an besonders kalten Tagen mehr Wärme benötigt, springt der ergänzende Spitzenlastkessel in die Bresche. „Beide Heizsysteme sind vom Hersteller voll automatisch aufeinander abgestimmt worden, das System steuert und regelt sich optimal selbst“, betont Fehér.

Im Betrieb hat der Hauseigentümer auch die Erfahrung gemacht, was mit der Brennstoffzellen-Heizung anders ist als mit herkömmlichen Heizungen: Sie produziert oft nicht zu wenig Wärme, sondern zu viel. Im Sommer, wenn keine Heizung benötigt wird, wird die überschüssige Wärme daher vor allem zur Warmwasserbereitung eingesetzt. „Generell ist wichtig, die Brennstoffzelle so selten wie möglich auszuschalten“, so Fehér. Im Mehrfamilienhaus ist es relativ leicht, die Wärme auch im Sommer loszuwerden. „Im Einfamilienhaus ist das schon etwas schwieriger, wenn etwa kein Swimmingpool zum Beheizen vorhanden ist.“

Für die Wirtschaftlichkeit einer solchen Heizung maßgeblich ist es, dass der als Nebenprodukt bei der Wärmeproduktion anfallende Strom für den Eigenverbrauch verwendet wird. Denn während der überschüssige Strom lediglich sechs Cent je Kilowattstunde bei Einspeisung ins Netz bringt, spart der Eigentümer 24 oder 25 Cent ein, wenn der selbsterzeugte Strom direkt verbraucht wird. Erfahrungen der Feldtests zeigen, dass etwas mehr als die Hälfte der elektrischen Energie ohne gesonderten Stromspeicher im jeweiligen Haus verbraucht wird.

Bei Mehrfamilienhäusern - wie dem von Gábor Fehér - ist die Sache etwas komplexer: „Mir ist gesetzlich untersagt, den Strom direkt an die Mieter zu verkaufen“, berichtet Fehér. Der Strom könne aber für Zwecke wie Haus- oder Hoflicht verwendet werden - doch dafür produziert die Anlage eigentlich zu viel davon. „Anders wäre es, wenn ich selbst im Haus wohnen würde. Dann könnte ich den erzeugten Strom selber nutzen.“

Fehér hat gar nicht erst versucht, die damaligen Kosten seiner Brennstoffzellen-Heizung in Form einer Modernisierungsumlage auf seine Mieter umzulegen. „Dann wären sie mir davongerannt“, glaubt er. Sein Mehrfamilienhaus ist dadurch allerdings für die Mieter interessanter geworden: Sie profitieren nun davon, dass die Anlage die Heizwärme sehr günstig produziert. „Meine Mieter haben am Jahresende sogar Teile ihrer Betriebskosten-Vorschüsse zurückbekommen“, berichtet der Hauseigentümer. Allerdings: Eine Auswertung ergab, dass lediglich 20 Prozent des Heizenergiebedarfes des Hauses von Zelle gedeckt wurde. „Für ein Sechs-Familien-Haus ist das bei zwei Kilowatt Heizwärme viel“, so Fehér.

In seinem privaten Einfamilienhaus entscheidet der Unternehmer anders. Dort nutzt er noch eine in die Jahre gekommene Gastheizung. „Sie funktioniert, erfüllt alle Abgasrichtwerte und ist preiswert“, meint er. „Da ist doch alles gut – oder?“ Auch seine Kunden will er differenziert beraten. „Die Brennstoffheizung ist etwas Gutes – aber nicht für jeden“, lautet sein Fazit. 

Von Andreas Tappert

Leipzig, Fritz-Zalisz-Straße 3 51.29328 12.44335
Leipzig, Fritz-Zalisz-Straße 3
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