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Bridge Club Leipzig trifft sich seit 20 Jahren - und ist stets auf Nachwuchssorge

Bridge Club Leipzig trifft sich seit 20 Jahren - und ist stets auf Nachwuchssorge

Wenn Bridge-Spieler ihre Kräfte messen, dann geht es nicht um Meter oder Sekunden. Da gibt es weder schmucke Trikots noch leckere Powerdrinks, weder Aufwärmphasen noch Abklingbecken.

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Es wird noch in die Karten geguckt: Wolfgang Runge (links), Luisa Hensel (Dritte von links) und Irene Reyher (rechts) sind Bridge-Neulinge. Gabriele Laue, André Völkel, Tobias Mucke und Roland Laue (von links) erklären die Regeln.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Auch Stadien lassen sich bei ihrem Auftritt nicht füllen. Suchen die Denksportler ihre Besten, werden grüne Tischdecken aufgelegt, farbige Bietboxen sowie ein Board mit dem Bauch voller Karten platziert. So zu sehen montags und mittwochs im Hotel de Saxe bei den rund 30 Mitgliedern vom Bridge Club Leipzig.

"Es spielen immer zwei Paare gegeneinander, die sich am Tisch auf Ost-West oder Nord-Süd gegenübersitzen", erklärt Roland Laue. Der 72-jährige Mathematiker suchte ebenso wie seine Ehefrau Gabriele (71, ebenfalls Mathematikerin) nach dem aktiven Berufsleben "nach einer anspruchsvollen Beschäftigung". Ab 16 Uhr gebe es freies Spielen, dann folge ein Turnier bis gegen zehn, erzählen sie. Laues gehören mittlerweile zum Stamm des vor 20 Jahren gegründeten Bridge Clubs Leipzig. "Als Partnerspiel ist Bridge ideal für Ehepaare."

Ob sie sich dem anschließen werden, ist indes für ein Dutzend Neulinge, die jüngst zur Schnupperstunde für Anfänger erschienen, noch ungewiss. Irene Reyher (77) aus der Südvorstadt ist eigentlich keine Kartenspielerin. "Ich hatte aber das Gefühl, ich bin in dem Alter, wo ich noch was tun kann, und will testen, ob ich das noch lerne. Vor allem soll es Spaß machen", so die gelernte Technische Zeichnerin. Gerade im Alter sei Kommunikation doch wichtig. Luisa Hensel (25) kennt Bridge "bislang nur aus Filmen. Ich hab das Angebot im Internet auf der Hochschulsport-Seite entdeckt und mir gesagt: Warum nicht?!", so die Studentin des Bibliothekswesens. Auf dieser Seite hatten auch Ole Hammersland (24) und Judith Jennert (25) von dem Angebot erfahren. Beide studieren Deutsch als Fremdsprache. Während der Norweger daheim, wo Bridge sehr beliebt sei, in einem Club aktiv, "aber kein Experte" war, hat die Münchnerin bislang nur "Schafkopf mit Freunden" gespielt. "Aber ich kannte eine Person, die Bridge spielte", erzählt sie. Vielen Partien zugeschaut hat indes schon Ursula Bückner (78). "Auf Kreuzfahrten begegneten sie mir immer wieder", so die Markkleebergerin, die sich nun auch selbst in die Künste des Spiels einweisen lassen will. In zehn Minuten, wie so mancherorts zu lesen, geht das allerdings nicht. "Ich lerne doch auch immer noch dazu", betont Soja Arnold (73), Vereinschefin und seit 1995 dabei. "Damals waren alle Anfänger, bis auf einen Stuttgarter, der hier die Aufbauarbeit leistete", erinnert sie sich. "Dass man im Kopf rege bleibt, die Konzentrationsfähigkeit erhält und das Gedächtnis immer noch verbessern kann, sind Gründe für Bridge bis ins hohe Alter", betont sie.

Nichtsdestotrotz könne bereits im Kinderalter damit begonnen werden. "Wollen wir in Leipzig einmal Bundesliga spielen, müssen wir jetzt mit Schulkindern beginnen", meint Laue. Ihm schwebt vor, Lehrer oder Eltern, die den Denksport an die Jugend weitergeben wollen, im Club zu schulen. "Wir könnten ihnen einen Lehrgang anbieten und würden uns über Anfragen sehr freuen", wirbt Laue.

Dass Bridge nur etwas für alte Damen sei, sei nämlich ein genauso falsches Klischee wie das vom Sport für die Eliten. "Du musst keine guten Karten haben, du musst Karten haben. Das Denken gewinnt!", betont André Völkel (38), Reiseleiter und Sportwart im Verein, der die Neuen anleitet, und erklärt: "Weil bei Turnieren die gleichen Kartenverteilungen immer an mehreren Tischen gespielt werden, wird der Zufall, das sogenannte Kartenglück, nämlich im Prinzip ausgeschaltet. Es gewinnen daher nicht die besten Karten, sondern es gewinnt das beste Paar." Wer Skat oder Doppelkopf spielt, könne sich relativ schnell mit Bridge anfreunden. "Denn hier musst du wissen, was ein Stich ist." Das sei übrigens der Unterschied zu Sammelspielen wie Rommé oder Canasta. Und es würden andere "Antennen" gefragt als bei Schach beispielsweise. Denn nicht der beste Einzelkämpfer macht das Spiel, sondern das stärkste Team. In jedem Falle aber baue Bridge Brücken - nicht nur zwischen den beiden Partnerschaften am Tisch, sind sich die Aktiven einig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom ..

Cornelia Lachmann

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