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Lokales Bürger fordern weniger Verkehr in Leipzig – Aktionen im gesamten Stadtgebiet
Leipzig Lokales Bürger fordern weniger Verkehr in Leipzig – Aktionen im gesamten Stadtgebiet
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18:10 17.09.2011
Mit einem Aktionstag haben Bürger in ganz Leipzig am 17.09.2011 für weniger Verkehr geworben. Die Anwohner der Karl-Tauchnitz-Straße wehren sich gegen den Lkw-Durchgangsverkehr. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Parkplätze, die zu grünen Inseln wurden, Straßenfeste und Diskussionsrunden sollten die Einwohner für das Thema sensibilisieren. Größter Veranstaltungsort: die Karl-Tauchnitz-Straße im Musikviertel, die für einige Stunden zur autofreien Zone erklärt wurde.

Die seidige Stimme des Pop-Schmusesängers Barry White säuselt aus den Boxen, Kinder legen Decken aus, auf denen sie später allerlei nützliches oder weniger nützliches auf dem Flohmarkt losschlagen und von allen Seiten spazieren die Leipziger heran – vor allem als Paar und mit Kinderwagen. Die Tauchnitz-Straße präsentiert sich am Samstagnachmittag als gediegene Festmeile, auf der die leisen Töne dominieren. Auf der aber auch Bürger ihre ganz konkreten Anliegen in die Öffentlichkeit tragen wollen.

Leipzig. Mit zahlreichen Aktionen im gesamten Stadtgebiet hat das Bündnis „Bürger für umweltfreundliche Mobilität“ am Sonnabend für weniger Straßenverkehr in Leipzig geworben. Parkplätze, die zu grünen Inseln wurden, Straßenfeste und Diskussionsrunden sollten die Einwohner für das Thema sensibilisieren. Größter Veranstaltungsort: die Karl-Tauchnitz-Straße.
„Dieses Gefühl der Ruhe“, sagt Jens Latussek von der Bürgerinitiative Musikviertel den Besuchern, „könnten Sie auch haben, wenn es gelingt, hier den Lkw-Verkehr zu reduzieren oder ganz abzustellen. Ein Mittel dafür wäre die Tempo-30-Zone.“ Damit ist die Forderung der Anwohner im Grunde schon auf den Punkt gebracht. Sie hoffen auf weniger Verkehr, weniger Lärm, weniger Feinstaub.

Bürger fordern anderes Verkehrskonzept der Stadt

„Die Leute hier können nachts nicht schlafen, im Kindergarten können tagsüber die Fenster nicht geöffnet werden. Eine Verkehrszählung hat mehr als 19.000 Fahrzeuge am Tag ergeben“, sagt Constanze Latussek, die ebenfalls für die Initiative spricht. Es entstünden auch Gesundheits- und Sicherheitsprobleme. „Wir haben nichts gegen Autoverkehr. Aber wir wollen, dass die Stadt ihr Konzept grundlegend ändert“, fordert sie.

Maßgabe solle sein, so wenig Verkehr wie nötig nach Leipzig zu holen. Lkw, die nichts anliefern, sollten um die Messestadt herum geleitet und der öffentliche Nahverkehr gestärkt werden. „Die Stadt brüstet sich immer mit den Radwegen. Aber ich frage mich, wo die sind“, kritisiert Constanze Latussek. Sie verweist auch darauf, dass sich mehrere Menschen ein Auto teilen könnten. „Manchmal geht es nicht anders und man braucht den Wagen. Es gehört ja auch zu einer lebenswerten Stadt, wenn man einkaufen gehen kann“, räumt sie ein. „Aber meine Vision ist, dass es immer öfter stehen gelassen wird.“

Vision. Davon sprechen viele Teilnehmer am Sonnabend. Beispielsweise Alexander Plaul vom Greenpeace-Infostand in der Tauchnitz-Straße. Auch er sagt: „Wir müssen weg von dem hohen Verkehrsaufkommen. Das hat Auswirkungen auf die Lebensqualität der Stadt.“ Jetzt gehe es darum, die Menschen aufzuklären und zu sensibilisieren. Seine Organisation will deshalb künftig stärker gemeinsam mit dem Bündnis „Bürger für umweltfreundliche Mobilität Leipzig“ zusammenarbeiten.

Initialzündung für einen autofreien Tag?

Und tatsächlich scheint die Leipziger Bürgerschaft am Sonnabend einen großen Schritt für ein neues umweltpolitisches Engagement gegangen zu sein. Erst vier Wochen zuvor hatte sich das Bündnis aus zehn verschiedenen Bürgerinitiativen und Netzwerken gegründet. „Wenn es gut läuft“, sagt der Sprecher der Leipziger Grünen, Jürgen Kasek, „ist dies heute eine Initialzündung.“ Geht es nach dem Willen des Bündnisses bekommt die Messestadt vom kommenden Jahr an einen autofreien Tag. „Überall in der Stadt gibt es Initiativen gegen Lärm und hohe Verkehrsbelastung. Die Bürger haben sich das hier erkämpft“, sagt Kasek inmitten des kleinen Festes in der Tauchnitz-Straße. „Wie es bereits in anderen großen Städten der Fall ist, sollen dann einmal im Jahr überall Bürger die Straßen besetzen, feiern und den öffentlichen Raum zurückerobern.“ Viele Menschen seien nicht mehr bereit, den Verkehr zu akzeptieren, für den Leipzig nicht mehr gebaut sei.

Auf Schildern machen die Anwohner der Karl-Tauchnitz-Straße ihrem Ärger Luft. Quelle: Dirk Knofe

Auf die demokratische Komponente verweist auch Jens Latussek aus dem Musikviertel: „Es gab keine politische Plattform, von der alles ausging. Wir haben auch eine Pflicht als Bürger, der wir nachgekommen sind.“ Constanze Latussek ergänzt: „Wir sind von der Stadtverwaltung hingehalten, in Fachdiskussionen verwickelt und immer wieder belogen worden. Wir müssen ein ganz deutliches Zeichen setzen, sonst reagiert die Politik nicht.“ Deshalb müsse das Anliegen mit Aktionstagen wie am Sonnabend in die Öffentlichkeit getragen werden. „Ich habe das Gefühl“, sagt sie, „dass dann noch ganz viel möglich ist.“

Michael Frömmert

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