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"Bürger für Leipzig" gehen weiter stiften

"Bürger für Leipzig" gehen weiter stiften

Die Stiftung "Bürger für Leipzig" feiert heute ihr zehnjähriges Bestehen. Die Vorstandsvorsitzende Angelika Kell blickt im LVZ-Interview zurück und nach vorn.

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Quelle: André Kempner

Frage:

Welche der Projekte, die die Stiftung im Laufe der zehn Jahre anschob, sind Ihnen besonders ans Herz gewachsen ?

Angelika Kell:

Ich habe 15 Projekte gezählt, acht davon laufen weiter, die anderen sind abgeschlossen. Die Nummer eins bleibt wohl vorerst "Musik macht schlau". Das Programm bietet Stipendien für Kinder, deren Eltern nicht in der Lage sind, außerschulischen Musikunterricht zu bezahlen. Und ein Instrument zu spielen - das öffnet viele Fenster in die Welt. Hierbei hat alles gepasst: Idee, Spendenbereitschaft der Bürger, der Leipziger Berufsmusiker und der Band Tokio Hotel. Mit unseren Partnern Geyser-Haus und Ringelnatzschule sowie der Musikschule Tonicum war die Zusammenarbeit super. Einige Patenschaften für Stipendiatenkinder laufen schon seit Jahren. Die Nachfrage ist immer noch groß. Kindern bessere Bildungschancen zu bieten, das ist vielen Stiftern und Spendern wichtig, und zwar ganz egal ob es deutsche oder Migrantenkinder sind, die durch das Projekt "Integration durch Bildung" viel Hilfe bekommen.

Die Stiftung machte auch in puncto Stadtgeschichte von sich reden...

Das ist wahr. Mit der Gedenktafel für Christiane von Ziegler am Romanushaus fing das an, mit dem Buch zur "Arisieriung in Leipzig" ging es weiter. Dann hatten wir die "Blaue Reihe" zu historischen Stifterpersönlichkeiten: Ob Grassi oder Tauchnitz, Hinrichsen oder Schletter, das Interesse der Leipziger an Stadtgeschichte ist groß. Aktuell sammeln wir für ein Projekt, das unter dem Titel "Redefreiheit" die O-Töne aus den ersten freien, öffentlichen Diskussionen 1989 veröffentlichen wird. Ein einzigartiges Dokument, das zum 25. Jahrestag der Friedlichen Revolution gedruckt vorliegen soll. Nicht zuletzt sind wir erfreut, dass das Thema "Ein Garten für Leipzig" so viele Fans hat. Dafür haben wir ja auch den Deutschen Naturschutzpreis erhalten. In dem Rahmen bekommt der Mariannenpark dank vieler Patenschaften nun für die nächsten zehn Jahre seinen Rosengarten wieder. Während Bankpaten mit ihren Spenden die Sanierung kaputter Parkbänke in öffentlichen Grünanlagen übernehmen. Dafür wollen wir mit dem Amt für Stadtgrün dieses Jahr verstärkt werben. Schließlich gehört zu einer lebenswerten Stadt auch, dass man mal in Ruhe die Sonne auf einer Parkbank genießen kann.

Wer Sie und Ihre Mitstreiter kennt, dem fällt auf: Sie strahlen eine permanente, ansteckende Fröhlichkeit aus. Haben Sie eigentlich auch mal "Lehrgeld" zahlen müssen?

In der Tat sind die meisten der inzwischen 96 Stifter von angenehm frischem und herzlichem Naturell. Aber wir müssen darauf achten, dass das nicht verloren geht. Alle arbeiten ehrenamtlich mit und müssen mit den Kräften gut haushalten. Mitunter ufern Projekte aus, werden zeitlich zur Belastung. Man darf sich nicht selbst verheizen. Wir brauchen also nicht nur Stifter, sondern auch Zeitstifter, die ihre Zeit, ihre Ideen, Know-how und fleißige Hände einbringen - das ist für uns mindestens genauso viel wert. Und was das "Lehrgeld" betrifft: Sagen wir da mal lieber, wir lernen jeden Tag dazu. Gerade bei Projekten im öffentlichen Raum ist Vandalismus für uns ein großes Ärgernis. Gut, dass zum Beispiel beim Projekt im Ma­riannenpark auch die Gärtner sehr hinterher sind.

Weil 2014 gerade an den Start gegangen ist - was ist Ihnen und Ihren Mitstreitern da besonders wichtig?

Na, sich zurückzulehnen, den Erfolg genießen! Okay - ist nur ein Scherz! Wir werden die meisten Themen weiter verfolgen. Zum Beispiel werben wir für Engagement im Alter. Dazu hatten wir letztes Jahr Videoclips in Straßenbahnen und Videos. Im Februar folgt eine Broschüre, die in Seniorenbüros und Bürgerämtern ausliegen wird. Derzeit 30 Prozent ältere, ehrenamtlich Engagierte - das ist noch viel zu wenig! Wir müssen Mut machen, sich auch im Rentenalter zu engagieren. Dafür gibt es brillante Beispiele, die stellen wir vor. Es gibt gerade in Vereinen viel zu tun - und immer zu wenig Hände und kluge Köpfe, die mit anpacken.

Wie leicht, wie schwer hat es eine Stiftung heute in einer sprießenden Vereins- und Stiftungslandschaft?

Stimmt schon, alle kämpfen um die Aufmerksamkeit der Bürger und Medien. Deshalb müssen gerade Stiftungen, die nicht viel Vermögen haben, deutlich mehr eigene und auch ungewöhnliche Ideen entwickeln, wie man über Spenden zu Projektmitteln kommt. Formate wie unser "Steckenpferdrennen" auf der Galopprennbahn im Scheibenholz gehören in diese Kategorie. Außerdem finden wir diese Vielfalt super! Als ohnehin eher kooperative Truppe suchen wir uns immer Partner, die mit uns auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Warum sollte man der Stiftung "Bürger für Leipzig" beitreten beziehungsweise gerade sie unterstützen?

Vor allem, weil das Geld am Ort bleibt und die Stiftung damit unabhängig, transparent und sparsam umgeht. Ähnlich wie die vor 100 Jahren in Cleveland/Ohio gegründete erste Bürgerstiftung sind wir ein Dach für viele Anliegen, eine Klammer - gern für große - aber vor allem auch für viele kleine und mittlere Vermögen, die wir sinnvoll bündeln können. Millionäre wie Rockefeller oder Bill Gates verbinden ihre Stiftung natürlich mit ihrem Namen. Das bieten wir auch - etwa wenn sich Emma Müller mit ihrer Zustiftung als "Emma-Müller-Fonds" einbringen möchte. Unsere Satzung gibt das her.

Ob Wohlfahrtspflege oder Kunst, Naturschutz oder Völkerverständigung - wenn jemand, ob Bürger oder Unternehmen, mit seinem Nachlass ein Herzensanliegen verwirklichen will, kann er sich zu Lebzeiten aktiv beteiligen. Später sind die Gremien der Stiftung verpflichtet, den "Stifterwillen zu vollziehen" - wie es juristisch heißt. Leider: Bei uns gibt es noch keine richtig großen Zustiftungen, sprich keinen "Emma-Müller-Fonds". Aber da wollen wir mal hin!

Stiftung "Bürger für Leipzig", Dorotheenplatz 2, Tel. 0341 9601530, www.buergerfuerleipzig.de. Wer Stifter werden mag, ist einmalig mit 500 Euro dabei (zahlbar in Raten).

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.01.2014

Raulien, Angelika

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