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Lokales Bürgerrechtler warnen in Leipzig vor Gefahren durch digitalen Wandel
Leipzig Lokales Bürgerrechtler warnen in Leipzig vor Gefahren durch digitalen Wandel
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17:29 09.05.2018
Blick auf die Webseite dermenschistkeinemaschine.wordpress.com Quelle: Screenshot
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Leipzig

 Zwei Dutzend frühere DDR-Bürgerrechtler haben ihre Sorge um die Gefahren der Digitalisierung zum Ausdruck gebracht. „Wir entdecken in der digitalen Umwandlung unserer Gesellschaft totalitäre Züge, die uns in unseren bürgerrechtlichen Intentionen zuwider sind“, schreiben die 24 Männer und Frauen in einem am Mittwoch in Leipzig veröffentlichten Manifest.

Initiator des Dokuments ist demnach der Leipziger Lehrer Gottfried Böhme. Zu den Unterzeichnern zählen außerdem der Leipziger Bürgerrechtler Uwe Schwabe und der langjährige Leiter der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und Geschäftsführer der Dresdner Stiftung Frauenkirche, Frank Richter.

Konkret warnen die Verfasser des Manifests vor einem neuen, durch den digitalen Wandel entstandenen Menschenbild und dessen Manipulierbarkeit. Ein von Technikern und Naturwissenschaftlern entworfenes Bild des Menschen als „Bioroboter“ verdränge nach und nach „die differenzierte, respektvolle und zurückhaltende plurale Art und Weise, wie wir in den besseren Zeiten unserer Vergangenheit über den Menschen gesprochen haben“, so die Autoren.

Zum wachsenden Einfluss von Datenkonzernen wie Google, Amazon oder Facebook auf die Privatsphäre und auf gesellschaftliche Prozesse heißt es in dem Manifest: „Wenn eine geschichtlich neue Kraft weitgehend unkontrolliert immer mehr Bereiche des Lebens und der Gesellschaft beeinflusst [...], dann ist bereits eine Voraussetzung für die Errichtung einer totalitären Herrschaft gegeben.“ Komme noch eine Ideologie hinzu, werde es gefährlich, so die Bürgerrechtler.

Sie seien in Sorge, dass eine Ideologie, die den Menschen zum Bioroboter erkläre, „von einem sehr aktiven Teil unserer Eliten allmählich Besitz ergreift“, schreiben die Verfasser weiter. Sie seien daher nicht gewillt, tatenlos zuzusehen, wie Freiheit und Privatsphäre sowie die Achtung für Demokratie und Umwelt „einem digitalen Abgott geopfert werden“.

Die Bürgerrechtler fordern eine breite gesellschaftliche Debatte. „Wir rufen auf, einen neuen Gesellschaftsvertrag zu schließen, der regelt, wie die digitalen Techniken gehandhabt werden dürfen“, schreiben sie. Auch sei jeder Einzelne gefordert. Regten sich immer mehr Menschen über die Geschäftsmodelle der großen Konzerne auf, „beginnen sie erbärmlich zu schrumpfen“, so die Autoren.

Das Manifest im Netz: https://dermenschistkeinemaschine.wordpress.com/

Von LVZ

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