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Lokales Bürgerreise nach Travnik: So viele Leipziger wollten noch nie mit
Leipzig Lokales Bürgerreise nach Travnik: So viele Leipziger wollten noch nie mit
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07:00 26.04.2016
Das Travniker Kloster Gua Gora, dessen Kirche nun endlich wieder eine Orgel haben wird. Quelle: privat
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Leipzig

Die jährlich vom Städtepartnerschaftsverein Leipzig-Travnik organisierte Bürgerreise in die Partner-Kommune in Bosnien-Herzegowina steht an, und freudig wird konstatiert: „So viele Leute wollten noch nie mit!“, wie Vereinschef Michael Weichert sagt. 126 Teilnehmer hätten sich für die Fahrt vom 4. bis 8. Mai angemeldet. Was bedeutet: „Zwar stellen uns in diesem Jahr wieder die LVB und erstmals auch Polster & Pohl jeweils einen Reisebus zur Verfügung, doch zusätzliche Mobile sind schon noch nötig. Wie es aussieht, helfen uns nun die Vereine Zwergenland und Piranhas SC Markranstädt mit jeweils einem Kleinbus aus“, so Weichert.

Natürlich seien traditionell bei der Tour viele Vertreter Leipziger Vereine, Unternehmen und Institutionen an Bord, die die Bürgerreise nutzen, um vor Ort den direkten Draht zu ihren Partnern zu pflegen, ihre Projekte zu besprechen. „Doch diesmal sind es wirklich überproportional viele Menschen, die von uns hörten und nun privat aus Interesse mitfahren. Einige kommen sogar aus Chemnitz, Wittenberg, Belgershain und Annaberg-Buchholz“, sagt Weichert. Vereins-Vizechefin Heike König nickt. „Wenn man bedenkt, dass wir bei unseren ersten Reisen vor 19 Jahren gerade mal zehn, zwölf Leute waren…“, sagt sie.

Mit von der Partie seien diesmal auch richtig viele Künstler. Der Grund: Der Aufenthalt wird am 7. Mai von einem großen Benefizkonzert in der Kirche des Franziskaner-Klosters Gua Gora, wo die neue Orgel eingeweiht wird, gekrönt. So sind beispielsweise die Sänger von Prisma Vocale aus Leipzig plus 40 junge Leute vom Nachwuchsblasorchester der Musikschule „Johann Sebastian Bach“, die mit zu den Ausführenden gehören, dabei.

Auf diese Geschichte mit der Orgel haben alle Beteiligten beider Partnerstädte lange hin gearbeitet. „Denn das ursprüngliche historische Instrument von 1852 war im Bürgerkrieg zwischen 1992 und 1995 bei der Belagerung durch die bosnisch-serbische Armee zerstört worden“, erzählen König und Weichert. Bis jetzt habe die Gemeinde keine Orgel mehr gehabt. Was freilich suboptimal für jegliche Kirchenmusik ist. Dabei hätten gerade „die mutigen und weltoffenen Franziskaner“ in diesem Krieg Flüchtlingen aller Ethnien unwahrscheinlich geholfen. Das habe den Städtepartnerschaftsverein und Vocalconsort Leipzig motiviert, quasi „mit bosnischen Klängen in Leipzig und Bach in Bosnien Geld für eine neue Orgel“ einzuwerben. 2012 gab es daher bereits in Leipzig sowie in Travnik jeweils ein großes Benefizkonzert. Das Konzert Nummer vier in dem Zyklus richten die Travniker nun an besagtem 7. Mai aus; die Leipziger setzen das ihnen zugedachte Konzert Nummer 3 noch fix vor ihre Bürgerreise: am 1. Mai in der hiesigen katholischen Propsteikirche, die das Projekt mit allen Kräften unterstützt. Und weil – wie König einflicht – dazu auch Vertreter der Travniker katholischen Gemeinde erwartet werden – bete man schon ein bisschen dafür, dass beide Gemeinden auch fortan eine brüderliche Verbundenheit pflegten.

Weichert meint, so an die 25 000 Euro müsste die vereinte Benefizkraft beider Städte für das Orgelprojekt aufbringen. Jenes sei gar schon soweit gediehen, dass man in Gua Gora derzeit das Instrument bereits aufbauen kann. Leipzigs Oberbürgermeister, die Deutschen Botschafter in Bosnien-Herzegowina sowie der Gesamtstaatspräsident des Landes seien übrigens die Schirmherren des Ganzen.

Nicht zuletzt verweisen König und Weichert – neben der Orgel-Geschichte - noch auf einen weiteren Höhepunkt, der die Teilnehmer der Bürgerreise in Travnik erwartet: „Der Brunnen auf dem Leipziger Platz ist saniert worden, wenn wir da sind, wird er in betrieb genommen“, erzählen die beiden. Immerhin hatten der Städtepartnerschaftsverein sowie die Stadt Travnik dafür jeweils 1500 Euro aufgebracht.

+++ Das „Benefizkonzert für die neue Orgel im Franziskanerkloster Gua Gora“ in Leipzigs Partnerstadt Travnik findet am 1. Mai um 16 Uhr in der Propsteikirche St Trinitatis statt. Ausführende: Matthias Eisenberg an der Vleugels-Orgel, Radivoje Ivanovi (Akkordeon), Vocalconsort Leipzig. Leitung: Franziska Kuba. Erklingen werden die „Messe pour double choeur a cappella“ von Frank Martin und weitere Werke, „die den akustisch spannenden Raum der Trinitatiskirche ausloten“, wie es hieß. Aus Travnik reisen unter anderem Bürgermeister Admir Hadžiemrić und der Prior des Klosters Gua Gora, Fra Drago Pranješ.

Von ANGELIKA RAULIEN

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