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Bürgerticket für Bus und Bahn: Berlin macht mehr Tempo als Leipzig

Bürgerticket für Bus und Bahn: Berlin macht mehr Tempo als Leipzig

Nach Leipzig wird jetzt auch in Berlin über die Einführung eines Bürgertickets für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs diskutiert. Auch dort sollen alle Bürger für den neuen Fahrschein zahlen - egal ob sie ihn nutzen oder nicht.

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Das Bürgerticket ist umstritten, weil dafür auch Leipziger zahlen sollen, die den Nahverkehr nicht nutzen. Doch es kann helfen, die Nahverkehrs-Preise zu reduzieren und die Stadt von Autos zu entlasten.

Quelle: Montage P. Moyé

Kritiker bezeichnen ihn deshalb auch als Zwangsticket. Die Berliner sind aber in einem wichtigen Punkt deutlich weiter: Sie reden darüber, für welche Fahrgäste es finanzielle Erleichterungen geben sollte und wie Engpässe vermieden werden können.

In der Bundeshauptstadt machen sich neben den Piraten und den Linken vor allem die Grünen für das Gemeinschaftsticket stark. Ihr Ziel: Der öffentliche Nahverkehr soll für den Einzelnen preiswerter und damit attraktiver werden. Außerdem soll die Stadt von Autoverkehr entlastet werden. Den gleichen Ansatz verfolgt Leipzig. In Berlin lautet die zentrale Frage jetzt: Wie teuer müsste das Ticket sein, um die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die S-Bahn Berlin und die Regionalbahnbetreiber mit dem neuen Modell zu finanzieren? Immerhin nehmen die BVG aktuell pro Jahr fast 900 Millionen Euro von ihren Berliner Fahrgästen ein und decken damit etwa die Hälfte der Kosten des Nahverkehrs. Der Rest kommt aus dem Landeshaushalt und vom Bund. Beim MDV spielen die Ticketerlöse gut 60 Prozent der Kosten wieder ein.

Die Berliner Linken plädieren für die Einführung eines Berlin-Tickets, das monatlich 30 Euro kosten soll. Übertroffen werden sie von den Berliner Grünen, die das neue Modell für monatlich 15 Euro anbieten wollen. Das wäre weniger als ein Viertel des aktuellen Monatskartenpreises im Jahresabo. Gleichzeitig sehen die Konzepte der Linken und der Grünen vor, dass Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenlos fahren dürfen. Auch Geringverdiener sollen kräftige Ermäßigungen erhalten - wie viel ist noch offen. Ermäßigungen wie diese waren in Leipzig noch gar nicht im Gespräch.

Weil die Wagen von BVG und S-Bahn schon heute zu Stoßzeiten voll sind, wollen die Grünen für solche Fahrgäste einen Extra-Preis einführen: Wer zwischen 7 und 10 Uhr unterwegs ist, soll einen Aufschlag zahlen. "40 Euro schweben den Grünen da vor", berichtet die Berliner Zeitung (BZ). So könne die Nachfrage gelenkt werden: "Was nutzt ein fahrscheinloser Nahverkehr, wenn Sie in die U-Bahn nicht reinkommen?"

Bei einer Internet-Abstimmung der Berliner Morgenpost hielten sich Befürworter (46 Prozent) und Gegner (48 Prozent) des Konzepts fast die Waage. Nur die wenigsten Leser sind unentschlossen oder gleichgültig (je drei Prozent).

In Leipzig heißt es beim Mitteldeutschen Verkehrsverbund (MDV), die Situation des Berliner Nahverkehrs sei grundsätzlich mit der eigenen Situation zu vergleichen. Der MDV geht aber anders vor. "Wir prüfen mehrere alternative Finanzierungsmodelle - das Bürgerticket ist nur eine von vielen Möglichkeiten", betont MDV-Geschäftsführer Steffen Lehmann. Ziel sei, den Stadträten von Leipzig und Halle sowie den Landkreisen bis Ende 2016 einen konkreten Vorschlag für ein neues Modell zur Finanzierung des Nahverkehrs zu unterbreiten. "Ob dann ein Bürgerticket vorgeschlagen wird, ist noch offen."

Erste MDV-Berechnungen gehen davon aus, dass ein Bürgerticket für jeden Leipziger monatlich 20 Euro kosten würde. Ausnahmen für Kinder, Jugendliche und Geringverdiener wie in Berlin würden diesen Preis allerdings in die Höhe treiben, heißt es. Außerdem müsste es in Leipzig ähnlich wie in Berlin einen Extra-Preis für das Fahren in den Stoßzeiten geben. "Unsere Fahrzeuge haben schon jetzt zwischen 7 und 9 Uhr eine ziemlich hohe Belegung", denkt Lehmann laut nach.

Hinter den Kulissen werden allerdings schon wichtige Weichen gestellt. Gesellschafter und Aufsichtsrat des MDV haben vor wenigen Tagen grünes Licht für vertiefende Untersuchungen zu einem neuen Finanzierungsmodell gegeben. "Wir arbeiten jetzt mit Experten konkrete Lösungsansätze aus, die bei unseren mitteldeutschen Rahmenbedingungen für eine Mehrheit der Bürger Verbesserungen bringen werden", kündigt Lehmann gegenüber der Leipziger Volkszeitung an. Dass ein Großteil der Leipziger für wenige Nutzer des Nahverkehrs zahlt, sei nicht geplant.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.03.2015

Andreas Tappert

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