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Bürgerverein Schönefeld vor der Pleite - dabei läuft die Kleiderkammer gut wie nie

Bürgerverein Schönefeld vor der Pleite - dabei läuft die Kleiderkammer gut wie nie

Schwere Zeiten für den Bürgerverein Schönefeld: 23 Jahre nach der Gründung kämpft er wie andere Kiez-Organisationen ums Überleben. Doch weniger wegen Nachwuchs- und Finanzproblemen.

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Vereinsvorsitzender des Bürgervereins Schönefeld Michael Reinhardt.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Grund liegt eher im Missmanagement. Ende September erreichte das Rathaus ein Hilferuf aus Schönefeld. Der Bürgerverein beantragte überraschend noch für dieses Jahr eine dringliche Förderung über 3000 Euro aus dem Stadthaushalt.

Inzwischen liegt der Antrag dem Stadtrat vor. Die Entscheidung, ob das Geld außer der Reihe bewilligt wird, obliegt dem Fachausschuss Allgemeine Verwaltung. Der tagt stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Verwaltungsbürgermeister Andreas Müller (SPD) schlug dem Gremium nach der LVZ vorliegenden Dokumenten jedenfalls vor, das Geld freizugeben, da ansonsten "dem Verein per Jahresende Zahlungsfähigkeit droht". Einer der Gründe, die für eine Finanzspritze sprechen: Sowohl 2013 als auch in diesem Jahr hatte der Verein aufgrund einer vermeintlich guten Finanzlage zunächst auf städtische Fördermittel verzichtet.

Wie konnte es nun zur Beinahe-Pleite kommen? Vereinsvorsitzender Michael Reinhardt: "Wir hatten im vergangenen Jahr Mehrbelastungen durch die Umsatzsteuer, die wir für unsere Kleiderkammer entrichten müssen." Die läuft so gut wie nie zuvor. Mit dem Verkauf von Textilien an Bedürftige verdiente der Verein im vorigen Jahr 20 700 Euro. Grundsätzlich ist Wachstum ja nicht schlecht. Nur in diesem Fall hatte der Verein die Rechnung ohne den Wirt gemacht. "Ab 17 500 Euro Umsatz kommt das Finanzamt", so Reinhardt.

Der Fiskus berechnet dann Mehrwertsteuer. Für das vergangene Jahr schlägt die mit 3985 Euro zu Buche. Die angesparten Rücklagen reichten dafür nicht mehr aus. Über mehrere Jahre stotterte der Bürgerverein schon einen Kredit bei der Arbeitsagentur ab. Die Behörde hatte 1996 Fördergelder für eine ABM-Stelle zurück gefordert. Den zuletzt noch offenen Betrag beglich der Verein dieses Jahr in einer Summe. "Die Arbeitsamtsschuld sind wir los. Ich wollte das endlich vom Tisch haben", sagt Reinhardt. Aktuell beschäftigt der Verein nach seinen Worten vier Mitarbeiter. Die Personalkosten beliefen sich im vorigen Jahr auf 91 800 Euro - zum Großteil finanziert durch die Agentur für Arbeit.

Aus Sicht der Stadtverwaltung leistet der Bürgerverein "eine sehr engagierte Arbeit", die von den Menschen in Schönefeld gerne angenommen wird. Neben der Kleiderkammer hat er ein Netz der Nachbarschaftshilfe aufgebaut, betreut unter anderem Angehörige von Menschen mit Demenz. Die Vereinsräume sind gesellschaftlicher Treffpunkt, hier kommen die Schönefelder zur Schreibwerkstatt zusammen, zum Skat und Schach, zum Klöppeln oder Basteln.

53 Mitglieder gehören dem Verein an. Gemessen an seinem Jahresumsatz von 123 165 Euro (Stand: 2013) fallen ihre Beiträge jedoch kaum ins Gewicht. Sie zahlen 1550 Euro im Jahr. Eine Anhebung des Montagsbeitrages, der liegt bei fünf Euro (ermäßigt 2,50 Euro), oder eine Sonderzahlung zur Schließung der Finanzlücke schließt Reinhardt aus: "Der Mitgliedsbeitrag steht nicht zur Diskussion." Und zur Zukunft des Vereins sagt er: "Es geht weiter - auch wenn wir dann wieder von der Hand in den Mund leben."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.11.2014.

Klaus Staeubert

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