Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Bullet for my Valentine rocken das Haus Auensee
Leipzig Lokales Bullet for my Valentine rocken das Haus Auensee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:57 05.11.2018
Die britische Metal-Band Bullet for my Valentine mit Frontsänger Matthew Tuck (Foto) rockt das Haus Auensee. Quelle: Foto: Christian Modla
Leipzig

Die Luft ist gefüllt mit Nebelschwaden. Mit jedem schnellen Trommelschlag blinken verschiedenste Lichteffekte hektisch in allen Farben von der Bühne, und die Menge lauscht gebannt den Rockstars Bullet for my Valentine (BFMV). Am Samstagabend warten die Fans schon drei Stunden im Haus Auensee, bevor die vier Briten der Metalcore-Szene ihre Riffs, Beats und Schreie präsentieren. Das Publikum ist bunt durchmischt: überdurchschnittlich viele Brillenträger, kaum lange Wallemähnen und vor allem die letzte Reihe besteht aus kahlen Köpfen mit scheinbar obligatorischem Vollbart. Die Beine gespreizt zum festen Stand auf dem Boden und die Arme verschränkt vor dem breiten Brustkorb werden die Augen fest zusammengekniffen, wenn Sänger und Frontmann ­Matthew Tuck mit verzerrter Stimme ruft: „What is up Leipzig? Get your fucking ass on the floor!” Diese Aufforderung beeindruckt nur die jungen Zwanziger und vereinzelte Dreißiger. Alles darüber bleibt fest stehen und nickt höchstens ganz leicht, wenn ein Lied gefällt. Die typische Türsteher-Nackenfalte bewegt sich kaum.

Die meisten Fans sind nicht zum Tanzen da

Grelle Neonleuchten lassen die Bühne wie ein Raumschiff aus anderer Zeit wirken. Fast psychedelisch erscheinen die tranceartigen Lichterspiele. Mittendrin beweisen die Bullets, wie es im Chor durch den Saal schallt, dass trotz rosafarbener Beleuchtung und sanfteren Intros der Testosteronspiegel imponierend hoch steht. Mit eng anliegenden, zerrissenen Hosen vereinen die Jungs verschiedenste Metal-Stile. Hohe Kreischeinlagen, typisch für Heavy Metal, das Brüllen aus Black Metal und wieder poppig-rockige Passagen wie im Power Metal werden zum Besten gegeben. BFMV gelten als eher massentaugliche Metal-Band, die auch mal im Radio gespielt wird. Ihre zahlreichen Facetten machen ihre Konzerte jedoch definitiv nicht langweilig. Fanlieblinge wie „Letting you go” und „No way out” werden anstatt mit Applaus mit Gebrüll und dem hochgereckten Frittenstecher gekürt.

Auch wenn einige Männer scheinbar nicht da sind, um zu ihrer Lieblingsmusik zu tanzen, hüpft ein zinnroter Lockenkopf im weißen T-Shirt inmitten einer schwarz gekleideten Masse wild von einem Bein aufs andere. Die eher ruhigen Bewegungen der großen Menge erinnern von oben an ein aufgewühltes Meer nach dem Sturm. Hin und wieder werden Körper nach vorne gespült. Denn Stagediving funktioniert an diesem Abend auch ohne die Teilnahme der Rockstars. Männer und Frauen werden so gleichermaßen von hinten herangetragen und mit scheinbarer Leichtigkeit vom Security-Personal aus dem Getümmel gepickt. Ohne Blick auf die Bühne hüpft hinter allen anderen im schummrigen Licht der Garderobe ein Fan mit seinem Turnbeutel der Punkband Feine Sahne Fischfilet ausgelassen vor sich hin.

Wer ist lauter: Fans oder Gitarren?

Es folgt ein Lärmtest: Im spontanen Wettkampf versucht die Band herauszufinden, wer lauter ist – die Gitarrenriffs oder die Fans. Beim Hit „Forever and Always” pulsiert der Bass im eigenen Brustkorb, denn selten ist ein Konzert eine derartige Herausforderung fürs eigene Trommelfell. Ganze zehn Minuten spielt Drummer Jason Bowld sein Schlagzeugsolo und wird dabei nur hin und wieder von den drei Gitarristen unterstützt. Die Zuschauer klatschen die Hände im Off-Beat über ihren Köpfen zusammen und fangen auch mal ohne BFMV an, die Songzeilen zu brüllen. Zum Ende der Show knickt auch noch der härteste Kerl ein und bewegt ganz leicht nicht nur den Kopf, sondern auch mal mindestens ein Knie. Gelacht wird trotzdem nicht, eher hochkonzentriert grimmig dreingeblickt.

Von Lotta-Clara Löwener

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schränke und Truhen ausräumen und etwas Gutes tun, war das Anliegen einer Benefiz-Kunstauktion in Leipzig. 103 Kunstwerke aus zweiter Hand kamen im Steigenberger Grandhotel unter den Hammer. Das Geld wird für die Sanierung des Nikolaikirchen-Geläuts gespendet.

04.11.2018

Beim Filmfestival DOK Leipzig hat der umstrittenen Film „Lord of the Toys“ den Hauptpreis im deutschen Wettbewerb gewonnen.

04.11.2018

„Wer schweigt, stimmt zu“ – unter diesem Motto gehen am Sonntag Leipziger gegen Rassismus auf die Straße. Vor sieben Jahren wurde an diesem Tag der NSU enttarnt.

04.11.2018