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Lokales Bund für Miltitz besiegelt: Neuer Heimatverein will Ortsgeschichte bewahren
Leipzig Lokales Bund für Miltitz besiegelt: Neuer Heimatverein will Ortsgeschichte bewahren
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23:59 26.06.2014
Gründungsmitglieder des neuen Heimatvereins in Leipzig-Miltitz. Quelle: Volkmar Heinz
Leipzig

Nun ist ihr Bund für Miltitz besiegelt.

Maik Eckstein, der einzige echte Miltitzer der rührigen Truppe, verspätet sich an diesem Abend. Nein, er stehe nicht "hinter der Schranke", lacht die Runde, während Vereinschef Thomas Heidrich vergeblich auf Funkkontakt zu seinem Schatzmeister hofft. Der 30-Jährige, gewissermaßen das Vereins-Küken, sei Selbstständiger und noch unterwegs, heißt es verständnisvoll.

Ja, dieser Heimatverein bricht mit so ziemlich allen Klischees, die derlei Verbindungen vorauseilen. In Miltitz versammeln sich nicht die Dorfältesten, um in vergangenen Zeiten zu schwelgen. Hier verbündeten sich junge Leute, die ihren Lebensmittelpunkt bewusst nach Miltitz verlegten, um am Rande der Großstadt das Bewusstsein für die Ansiedlung, die vor 799 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde, zu stärken.

"Eigentlich gibt es hier genug Vereine", sagt Annett Röpcke. Geboren in Annaberg-Buchholz, lebt die 40-Jährige seit zwölf Jahren in Miltitz. Aber es fehle irgendwie der Verein, der alle vereine, meint die Vorstandsvorsitzende vom Sport- und Rückenzentrum. Um sich in Miltitz vorzustellen, hatten die Neulinge jüngst sämtliche Vereinskollegen eingeladen. "Es waren sogar alle erschienen", strahlt Susan Blauert.

Feuerwehr, Kindergarten, Hort, Schule, Kirche, Karnevalisten, Kleingärtner- "Und alle überboten sich mit ihren anstehenden Jubiläen", berichtet die 37-jährige Schilder- und Lichtreklameherstellerin. Im kommenden Jahr gibt es nämlich nicht nur 800 Jahre Miltitz zu feiern, sondern ebenso 275 Jahre Kirchenbau, 40 Jahre Kleingartenverein "Miltitz am See", 110 Jahre Besuch des Sachsenkönigs Friedrich August III in Miltitz, 33 Jahre Karneval. "Das würden wir gerne verbinden", erklärt der 1. Vereinsvorsitzende Thomas Heidrich. Der 46-Jährige ist Angestellter und lebt mit Ehefrau Heike (48), einer Erzieherin aus Dresden, seit 15 Jahren im Ort. Beide schätzen die Miltitzer Geschichte.

Von seinem Nachbarn, Siegfried Kolbe, hatte er noch zu dessen Lebzeiten "eine Kiste voller historischer Dokumente" bekommen. Diesen Schatz hätte Heidrich gern mit Exponaten der jüngsten Ausstellung über die Firma Schimmel & Co., die im Grünauer Komm-Haus gezeigt wurde, komplettiert. "Dort hieß es: Ja gerne, aber wir überlassen das Material keiner Privatperson."

So wurde in dem engagierten Freundeskreis die Idee der Vereinsgründung geboren. "Wir wollen eigentlich nur wiedererwecken, was nach der Eingemeindung eingeschlafen war", betont Sven Walter, 2. Vorstand. Der 40-Jährige ist Gestalter für visuelles Marketing und komplettiert mit seiner Frau Peggy (40, Erzieherin) das Gründer-Team, dem sich natürlich gern weitere Mitstreiter anschließen können. Einige Miltitzer hätten auch bereits Interesse bekundet. "Es brauchte den ersten Schritt, der ist nun gemacht", sagt Thomas Heidrich. "Viele haben darauf gewartet", glaubt Heike Fichtner-Heidrich. "Wir wollen unseren Ort wieder zusammenführen - von wegen vor und hinter der Schranke - sonst tut es keiner", ist Sven Walter überzeugt.

Ideen und Pläne gibt es reichlich, von Ausstellungen und Festen über Nachtwächterrundgänge und Ortschronik bis hin zur Erhaltung des Ortsbildes. Kurz: Die Vergangenheit von Miltitz soll eine Rolle spielen, aber auch die Zukunft mitgestaltet werden. Zunächst müsse jedoch Material - vom historischen Bild über verstaubte Gerätschaften bis zu Geschichten, die Miltitzer und Schimmel-Mitarbeiter erzählen können - gesammelt und gesichtet werden. Im September/Oktober will der Heimatverein Miltitz dann an zwei Tagen erste Ergebnisse seines Wirkens präsentieren.

Kontakt: E-Mail Heimatverein-Miltitz@freenet.de; auf Facebook unter Heimatverein Miltitz oder einfach ansprechen

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.06.2014

Cornelia Lachmann

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