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Lokales Bundestagsabgeordneter Feist heizt Paulinum-Streit an - "Kustos im Porzellanladen"
Leipzig Lokales Bundestagsabgeordneter Feist heizt Paulinum-Streit an - "Kustos im Porzellanladen"
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11:04 08.11.2016
CDU-Bundestagsabgeordneter Thomas Feist Quelle: André Kempner

Rudolf Hiller von Gaertringen hatte in der LVZ davor gewarnt, die gerettete Kanzel der gesprengten Paulinerkirche im Paulinum anzubringen (wir berichteten). Der Leiter der Kustodie und Kustos der Kunstsammlung hält das für "konservatorisch unhaltbar" - die Kanzel würde wegen der fehlenden Klimaanlage in der Aula binnen weniger Jahre zerstört. Im schlimmsten Fall könne die Kanzel nicht ins Paulinum kommen; denkbar sei dann nur noch eine museale Lösung.

 Mit dieser Ansage habe der Kustos Öl ins Feuer gegossen, sagte der Bundestagsabgeordnete Thomas Feist am Sonntag gegenüber der LVZ. "Da dachte ich mir: Gieße ich mal zurück." Und dieses Öl hat es in sich. Feist: "Hiller macht sich mit diesem perfiden Plan zum nachträglichen Testamentsvollstrecker derjenigen, die mit der Sprengung der Paulinerkirche das Miteinander von Religion und Wissenschaft an der Universität endgültig auf den Schutthaufen der Geschichte befördern wollten." Es sei ihm völlig unverständlich, wie das Gedankengut der DDR-Kulturfunktionäre fröhliche Urständ feiert, ohne dass die Universitätsleitung sich gegen solchen Unfug wehrt, so Feist. "Wer die Forderung nach der Fernhaltung der Kanzel aus dem Neubau des Paulinums bzw. der Paulinerkirche erhebt, zeigt sich als williger Vollstrecker der kommunistischen Universitätssäuberung."

 Feist verweist auch auf die Rolle der Kirche für das Entstehen der Leipziger Universität. "Mit dem diesjährigen Motto 'Reformation und Toleranz' in der Lutherdekade hat die Haltung der Uni und ihres Kustos jedenfalls ebenso wenig zu tun wie dem immer wichtiger werdenden ethischen Blick innerhalb universitärer Forschung und Lehre", so der Leipziger Christdemokrat.

 Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff macht sich ebenfalls für den Kanzel-Einbau stark. Wenngleich Feist mit seinen markigen Worten den Kern des Problems nicht getroffen hätte. Vielmehr sei nun offenkundig geworden, was Wolff schon vermutet hat: "Da wird ein Raum gebaut, der außer der Tür keine eine Öffnung hat - es gibt keine Klimaanlage. Es entsteht ein Raum für 600 Leute, die da vor sich hin dampfen." Ein Klima-Konzept sei erforderlich, verlangt der Pfarrer. Und die Universität stehe im Wort: Die Aufstellung der Kanzel sei versprochen gewesen. Uni-Kustos Rudolf Hiller von Gaertringen war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Björn Meine

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.04.2013

Björn Meine

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