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Lokales Bunker unterm Sachsenplatz in Leipzig ist über 900 Quadratmeter groß
Leipzig Lokales Bunker unterm Sachsenplatz in Leipzig ist über 900 Quadratmeter groß
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23:59 22.05.2014
Wurde 1969 beim Bau der "Leipzig Information" ein Atombunker unter dem damals komplett neu gestalteten Sachsenplatz angelegt? Quelle: LVZArchiv
Leipzig

An einer Stelle, wo in den Bauakten nichts vermerkt war.

Nach den bisherigen Untersuchungen ist das unterirdische Bauwerk "mindestens 900 Quadratmeter groß", erklärte Götz Hufenbach vom Investor Benchmark gestern. Die Anlage befinde sich zum Teil unter der Fläche am Brühl, wo 1969 das Touristenzentrum "Leipzig Information" entstanden war. Sie reiche aber weit darüber hinaus. "Tatsächlich gibt es dort auch zellenartige Einbauten. Über ihren Zweck könnten wir bislang jedoch nur spekulieren." Alteingesessene Leipziger hätten dem Unternehmen aus Frankfurt/Main berichtet, es handle sich um Geheimkeller der Stasi. Noch liefen weitere Erkundungen vor Ort.

Die bereits freigelegten Bunkerteile mussten wieder zugeschüttet werden, um dort Gerät für Bohrungen aufzustellen. In etwa zwei Wochen, so hofft Hufenbach, soll die unterirdische Anlage in großem Ausmaß sichtbar sein. Und dann mit ihrem Abbruch begonnen werden. "Das alles kostet uns viel Zeit und sehr viel Geld", bedauerte er. "Wir stellen uns schon die Frage, warum die Stadt Leipzig beim Verkauf des Grundstücks nicht auf dieses Problem hingewiesen hatte. Und wieso sie beim Abriss der Leipzig-Information - 1999 ausgeführt mit Fördermitteln vom Bund - keine Tiefenentrümmerung durchführte?" Laut dem Geschäftsführer hätte spätestens beim Bau des 2007 eröffneten Museums der Bildenden Künste auffallen müssen, dass da "ein Riesenobjekt im Boden ist. Doch es gab keinerlei Hinweis an uns".

Unterdessen erreichten die Redaktion weitere Leser-Hinweise. So erzählte eine Frau aus Mockau, die ihren Namen nicht nennen wollte, ihr bereits verstorbener Mann habe immer wieder vom Bau eines Atombunkers unter dem 1969 gestalteten Sachsenplatz erzählt. "Die Verschalungen aus Holz wurden extra im Boden gelassen, um bei radioaktiver Strahlung das Ausmaß leichter bestimmen zu können." Ihr Mann habe beim Bau- und Montagekombinat Süd gearbeitet, das - unter strenger Geheimhaltung - auch Atombunker an der Dresdner Straße sowie am Adler errichtet habe.

Letzteres deckt sich mit dem Bericht von Heinrich Nossek aus der Südvorstadt. Er war ab 1963 als Lehrer an der Oberschule am Adler tätig. "Zwischen dem Schulgebäude und dem Fußweg an der Philipp-Müller-Straße wurde damals eine atomsichere Versorgungseinrichtung gebaut, die noch heute besteht und deren Nutzung niemals öffentlich gemacht wurde." Die Lehrer seien beauftragt worden, bei Elternabenden den Bau des Bunkers politisch einzuordnen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.05.2014

Jens Rometsch

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