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Lokales Burkhard Jung schaltet sich in Karstadt-Streit ein
Leipzig Lokales Burkhard Jung schaltet sich in Karstadt-Streit ein
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06:00 07.06.2018
Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) will in den Streit eingreifen. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) schaltet sich jetzt direkt in den Mietstreit zwischen dem Immobilienunternehmen Even Capital und dem Leipziger Karstadt-Warenhaus ein. Das kündigte er gestern auf Anfrage an. Er werde sich „in den nächsten Tagen“ mit Vertretern beider Seiten austauschen, so Jung. „Auch die Stadt hat ein Interesse daran, dass in der Innenstadt ein wichtiger Einzelhandelspartner erhalten bleibt.“ Das Verhalten eines mutmaßlichen Luxemburger Even-Capital-Mitarbeiters – der die Leipziger Delegation am Dienstag rüde beschimpfte und 50 000 Unterstützer-Unterschriften umgehend in einen Papier-Container warf – sei „arrogant“, so der Stadtchef. „Wo andere Menschen ein Herz haben, scheint hier nur ein Taschenrechner zu sitzen.“

Verdi-Chefin plädiert für Verhandlungen

In den Streit eingeschaltet hat sich auch Ines Kuche, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Leipzig-Nordsachsen. Sie nannte den Umgang mit den 50 000 Unterschriften „schockierend“ und forderte beide Seiten auf, die „Mikado-Situation“ zu beenden Es sei legitim, dass ein Vermieter eine Miete verlange, aber auch die Interessen des Traditionshauses Karstadt dürfen nicht auf der Strecke bleiben“, sagte sie. Beide Seiten sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren und nach einer Lösung suchen, die „das Warenhaus in Leipzig erhält“.

Die Ratsfraktion der Leipziger Grünen sieht auch Handlungsbedarf auf Bundesebene. Dort sei der Bund als Gesetzgeber gefragt, „den Ausverkauf der Innenstädte und das immer weitere Voranschreiten der Immobilienspekulationen“ zu stoppen. Sonst würden immer mehr Immo- bilien zum Spielball von Investoren und stünden leer – wie es jahrelang beim einstigen Leipziger Nobel-Hotel „Astoria“ der Fall war.

Krisen-Versammlung bei Karstadt

Im Leipziger Karstadt-Warenhaus hieß es gestern, dass noch keine Reaktion von Seiten des Vermieters bekannt geworden ist. Dort hielt Filialchef Michael Zielke vor rund 100 Mitarbeitern eine Ansprache. „Viele Kollegen waren schockiert“, erklärte er gegenüber der LVZ mit Blick auf den Umgang mit den 50 000 Leipziger Unterschriften. „Wir dürfen aber aufgrund des Verhaltens eines Menschen nicht die Hoffnung und das Vertrauen verlieren.“

Zielke verteidigte auch die Aktion vor dem Firmensitz des Vermieters in Luxemburg. „Es war richtig, in Luxemburg zu zeigen, dass über 50 000 Leipziger für den Erhalt von Karstadt sind“, sagte er. Mahnwache und Unterschriftenübergabe seien nur ein Baustein von vielen gewesen, mit denen das Unternehmen sich für sein Fortbestehen am historischen Standort engagiere, ebenso wie eine Menschenkette, ein Blog und Facebook-Aktionen zum Thema. Zum Verlauf der Verhandlungen könne er nichts sagen, weil er selbst nicht daran beteiligt ist.

Der Immobilieneigentümer Even Capital hat sich zum Stand der Dinge bislang nicht geäußert.

Von Björn Meine, Andreas Tappert und Jens Rometsch

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