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Lokales Burschenschaftler grölen alle Strophen des Deutschlandliedes im Leipziger Hauptbahnhof
Leipzig Lokales Burschenschaftler grölen alle Strophen des Deutschlandliedes im Leipziger Hauptbahnhof
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23:59 18.06.2013

Sehr zum Missmut von Reisenden sowie Mitarbeitern der benachbarten Buchhandlung Ludwig. "Die haben in donnernder Lautstärke alle Strophen geschmettert", berichtet ein Ohrenzeuge, der die wohl nicht aus Leipzig stammenden Burschenschaftler in ihren violetten Mützen auch auf der nahen Toilette beobachtete. Zudem sei "noch mehr Vaterlands-Gedöns abgesondert" worden. "Wie kann das sein?", fragt er sich.

Hintergrund: Das Singen der ersten beiden - übrigens strafrechtlich nicht verbotenen - Strophen des Deutschlandliedes, zur Nazi-Zeit missbraucht, gilt heutzutage als Ausdruck nationalistischer oder rechtsextremer Gesinnung.

"Ja, es hat eine Veranstaltung einer Burschenschaft gegeben", bestätigt Ute Sattler, Sekretärin der Geschäftsleitung der Antons OHG Leipzig, die den von den Promenaden Hauptbahnhof gemieteten Saal an Interessenten untervermietet. Die Anmeldung sei durch einen Privatmann erfolgt, der als Anlass den 160. Geburtstag einer Studentenverbindung angegeben habe. Mehr sei ihr nicht bekannt. "Wenn wir mit derartigen Veranstaltungen in Verruf kommen, werden wir künftige dieser Art abblocken", kündigt sie an.

Dies dürfte Heike Lobin, Leiterin der Buchhandlung Ludwig im Hauptbahnhof, freuen. Ihre Räume liegen direkt neben dem Preußischen Wartesaal. Einige Mitarbeiter hatten den Vorfall am Samstagabend mitbekommen. "Wir möchten keinesfalls in Verbindung mit solchen Burschenschaften gebracht werden", betont die Buchhändlerin. Sie habe leider keinen Einfluss auf die Vermietungen im angrenzenden Saal, sei überhaupt nicht glücklich über den erneuten Vorfall. "Denn im Vorjahr hat es schon einmal eine Veranstaltung mit Burschenschaftlern dort gegeben", schildert Lobin. Zusätzliches Problem: Laut Mietvertrag muss die Buchhandlung bei Veranstaltungen den Durchgang gewährleisten. "Das bedeutet, dass Kollegen und Wachschutz länger als bis 22 Uhr vor Ort sein müssen", erläutert sie.

Stefan Knorr, Centermanager im Hauptbahnhof, betont, dass es sich nicht um eine Veranstaltung der Promenaden gehandelt habe. "Wenn wir offiziell Kenntnis von den Vorgängen erhalten, werden wir als Vermieter auch definitiv mit dem Mieter darüber sprechen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.06.2013

Martin Pelzl

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