Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Bus und Tram: Diese zehn Dinge müssen sich in Leipzig ändern
Leipzig Lokales Bus und Tram: Diese zehn Dinge müssen sich in Leipzig ändern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:36 29.06.2017
Zu laut, zu langsam, zu teuer: Der Umweltbund Ökolöwe hat einen Zehn-Punkte-Plan für den ÖPNV erarbeitet.  Quelle: Dirk Knofe
Anzeige
Leipzig

Immer mehr Menschen ziehen in die Messestadt, die Einwohnerzahlen steigen – und damit auch die Anforderungen an den öffentlichen Nahverkehr. Im aktuellen Stadtentwicklungsplan hatte der Stadtrat festgelegt, dass bis 2025 mindestens 23 Prozent aller Wege in Leipzig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden sollen.

Zu laut, zu langsam, zu teuer: Es gibt viel Kritik am öffentlichen Nahverkehr in Leipzig. Doch die Messestadt wächst, und damit auch die Anforderungen an Tram und Bus. Um darauf zu können, hat der Umweltbund Ökolöwe einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet.

Seit März wollte die Stadt daher einen neuen Nahverkehrsplan vorstellen, der auf das Bevölkerungswachstum reagiert. Laut dem Leipziger Umweltbund Ökolöwe stecke der noch in der Verwaltung fest. „Es müssen schnellstmöglich Maßnahmen eingeleitet werden, damit der öffentliche Nahverkehr in Leipzig Marktanteile gewinnt“, erklärt Ökolöwe-Sprecher Timo Supplies.

Darum stellt der Umweltbund einen eigenen Zukunftsplan vor. Der sieht ein Zehn-Punkte-Programm vor, das Straßenbahn- und Busfahren in Leipzig günstig, effektiv und attraktiv machen soll. „Das Straßenbahnnetz muss erweitert, Takte müssen verdichtet, neue Haltestellen gebaut und zusätzliche Fahrzeuge gekauft werden“, fasst Supplies nur einige Ansätze zusammen.

Alle Punkte im Überblick

Haltestellen sollen sicher und komfortabel sein: Mit Unterstand und Ticketautomat wie am Connewitzer Kreuz – allerdings auch mit einem breiteren Bahnsteig. Quelle: Dirk Knofe

1. Günstig Bus und Bahn fahren

Städtische Mittelkürzungen sollen zurückgenommen werden, um Nahverkehr bezahlbar zu machen – das heißt wieder mindestens 60 statt aktuell 45 Millionen Euro jährlich. Auch ein günstiges Abo-Ticket (wie beispielsweise in Wien für 365 Euro pro Jahr), ein von der Fahrtdauer statt der Anzahl der Haltestellen abhängiges Kurzticket und ein Einfrieren der Ticketpreise schlägt der Ökolöwe vor.

2. Erweiterung der Straßenbahnen

Statt Tramstrecken – wie zuletzt die der Linie 9 – zu verkürzen oder einzustellen, sollen bestehende Linien ausgebaut werden, um Gebiete am Stadtrand und neue Arbeitsplätze, Wohn- und Freizeitorte erreichbar zu machen. Als Beispiele schlägt der Ökolöwe folgende Erweiterungen vor: Linie 11 bis Markkleeberg, Linie 9 zum Cospudener See, Linie 9 nach Thekla, Linien 4 und 15 zum Herzzentrum, Linie 14 nach Grünau bzw. Duncker-Viertel, Linie 7 nach Engelsdorf, Linie 2 nach Liebertwolkwitz.

3. Neues Busnetz, neue Linie

Bis 2020 soll nach Ansicht des Ökolöwen das Leipziger Busnetz ausgebaut werden. Da Streckenerweiterungen für Trams mit hohen Kosten und langer Planung verbunden sind, könnten Busse schneller hohe Takte und ein enges Liniennetz gewährleisten. Konkret fordert der Ökolöwe eine neue tangentiale Verbindung in Form einer Linie 99, die von Connewitz durch das Bach- und das Musikviertel zum Sportforum führt. Außerdem sollen Busse vorab für potenzielle neue Straßenbahnlinien eingesetzt und die Buslinien auf dem Schleußiger Weg und der Kurt-Eisner-Straße gebündelt werden.

4. Engerer Takt

Um lange Wartezeiten zu verhindern, setzt sich der Ökolöwe für eine engere Taktung ein: Von sechs bis 20.30 Uhr sollen alle Trams sowie zentrumsnahe Busse mindestens im Zehn-Minuten-Takt fahren, damit sich durch Linienüberlagerung ein Fünf-Minuten-Takt ergibt. Am Stadtrand sollte mindestens ein 20-Minuten-Takt gelten. Zudem müssten alle Buslinien auch an Sonn- und Feiertagen fahren und das Nachtangebot verbessert werden.

5. Dichteres Haltestellennetz

Von Wohn- und Arbeitsort aus sollte jeder Leipziger maximal 300 Meter zurücklegen müssen, ehe er eine Haltestelle von Bus oder Bahn erreicht, so der Umweltbund. Dazu müssten bis 2025 mindestens 25 neue Haltestellen errichtet werden, große Einrichtungen sollen eigene Stationen bekommen – so zum Beispiel die Linien 1, 2 und 60 am Sportbad an der Elster.

6. Einfaches Umsteigen

Umsteigezeiten sollten so gering wie möglich ausfallen, Wege zwischen den Haltestellen dementsprechend kurz sein. Da momentan die längsten Wege zu den S-Bahnhöfen bestehen würden, müsste hier entsprechend reagiert werden. Der Umweltbund schlägt unter anderem die Verlängerung der Tram- und Buslinien zu den Bahnhöfen vor, zum Beispiel in Connewitz, Stötteritz und Wahren. Außerdem sollte eine Anschlussgarantie geschaffen, der Fahrplan entsprechend abgestimmt und beim Verpassen Alternativen oder Gutscheine angeboten werden.

Separate Busspuren – zum Beispiel hier an der Kurt-Eisner-Straße sollten laut Ökolöwe in betracht gezogen werden. Quelle: Dirk Knofe

7. Zuverlässige und schnelle Fahrten

Um den schnellsten Weg von A nach B zu gewährleisten, sollten Bus und Bahn laut Ökolöwe an allen Ampeln bevorrechtigt werden. Auch separate Busspuren, zum Beispiel am Schleußiger Weg und in der Kurt-Eisner-Straße, müssten in Betracht gezogen werden. Zudem sollte eine Pünktlichkeitsgarantie als Serviceleistung eingeführt werden.

8. Sicheres Fahren

Der Weg zur Haltestelle sowie Ein- und Aussteigen müssen nach Angaben des Ökolöwen sicher gestaltet werden. Darum schlägt der Umweltbund mindestens 2,50 Meter breite Wartebereiche und sichere Querungsstellen vor. Am Bahnhof, dem Connewitzer Kreuz oder der HTWK müssten Bahnsteige entsprechend verbreitert werden. Für eine sichere Atmosphäre sollten zudem Haltestellen gut beleuchtet sein und Wartezeiten verkürzt werden.

9. Komfortable Haltestellen

Laut Ökolöwe sollten alle Haltestellen einen Unterstand, Sitzmöglichkeiten und einen Ticketautomaten haben. Außerdem seien mehr digitale Anzeigen und rauchfreie Wartebereiche notwendig. An Doppelhaltestellen müssten Informationen zum Haltepunkt von Tram und Bus bereitstehen.

10. Entspanntes Fahren

Damit das Fahren mit Bus und Bahn für alle entspannt und bequem ist, sollen nur barrierefreie Fahrzeuge genutzt werden. Außerdem brauchen die Wagen ausreichend Platz für Kinderwagen und Rollstühle. Um den für viele störenden Lärmpegel zu senken, müssen Fahrzeuge und Gleise regelmäßig gewartet und Geräusche gering gehalten werden.

Von Josephine Heinze

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Beschimpfungen wie "Arschloch", ein "Klima der Angst": Eltern berichten über gravierende Missstände in der Grundschule Miltitz. Die zuständige Bildungsagentur will nun das Gespräch suchen.

01.07.2017

Leipzig und die Kirchen – allmählich wird es Liebe: Nach dem Katholikentag 2016 und dem Evangelischen Kirchentag auf dem Weg 2017 ist jetzt die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK), die von Donnerstag bis zum 7. Juli in der Stadt zu Gast.

28.06.2017

Die Geschäftsführung der Leipziger Messe hat eine positive Halbjahresbilanz gezogen, auch wenn der Sprung in die dreistelligen Umsätze in diesem Jahr wohl nicht nicht erreicht wird. Von den steigenden Umsätzen profitieren vor allem die Gesellschafter.

28.06.2017
Anzeige