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Lokales Busse und Bahnen in Leipzig immer langsamer und unpünktlicher
Leipzig Lokales Busse und Bahnen in Leipzig immer langsamer und unpünktlicher
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13:19 08.07.2016
Straßenbahnhaltestelle am Leipziger Hauptbahnhof. (Archivfoto) Quelle: André Kempner
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Leipzig

Der Leipziger Nahverkehr hat viele Ziele nicht erreicht, die der Stadtrat 2007 mit seinem Nahverkehrsplan vorgegeben hatte. Dies ergab eine Bestandsaufnahme von Gutachtern aus Kassel und Berlin sowie Experten des städtischen Verkehrs- und Tiefbauamtes (VTA). „Die Minimalziele wurden aber erreicht und auch vieles mehr“, betonte am Donnerstag Stephan Rausch vom VTA bei der Vorstellung des Papiers im Neuen Rathaus. So sei der City-Tunnel in Betrieb gegangen, die Busreform der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) sei geglückt und die Fahrgastzahlen seien deutlich gestiegen. „Aber das reicht noch nicht“, kommentierte Bau-Bürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) den Bericht. Es gebe „Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen“. Was damit gemeint ist, zeigt ein Blick in das 56-seitige Papier.

Fahrzeiten: „Der Straßenbahnbetrieb ist in den letzten Jahren in Leipzig in seiner Gesamtheit schrittweise, aber kontinuierlich langsamer geworden“, heißt es dort. „Die Fahrzeiten haben sich seit 2007 über alle Linien um rund zehn Minuten erhöht.“ Auf einigen Linien mussten deshalb zusätzliche Fahrzeuge in die Umläufe gebracht werden. „In den nächsten Jahren bestehe das Risiko, dass auf weiteren Linien der Einsatz von zusätzlichen Fahrzeugen mit entsprechenden Kosten erforderlich wird.“ Verlängert haben sich seit 2007 die Fahrzeiten der Linien 1, 2 , 3, 7, 9 , 10 und 11. Verkürzt werden konnten die Fahrzeiten auf der 4, der 8 und der 15.

Pünktlichkeit: Im Straßenbahnnetz ist die Pünktlichkeit seit 2007 von rund 88 Prozent auf 81 Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2014 sei somit jede fünfte Straßenbahnfahrt unpünktlich gewesen. Im Busnetz betrug die Pünktlichkeitsquote 85 Prozent. Damit liege die Quote für Straßenbahn und Stadtbus „unter 80 Prozent“; 2007 war ein Zielwert von „mindestens 98 Prozent“ vorgegeben worden. Die unpünktlichsten Linien sind die 7( bei ihr sind nur 67,2 Prozent der Fahrten pünktlich), die 85 (71,2 Prozent), die 3 (73,4 Prozent), die 60 (73,7 Prozente) und die 8 (75 Prozent). Am pünktlichsten ist die Linie 83 (95,8 Prozent) gefolgt von der 63 (94 Prozent), der 81 (91,9 Prozent), der 87 (91 Prozent) und der 88 (90,7 Prozent).

Gleisbau: Die Modernisierung der Straßenbahninfrastruktur habe sich in den letzten Jahren gegenüber der ursprünglichen Zeitplanung „merklich verzögert“, schreiben die Gutachter. „Viele Streckenabschnitte sind so stark verschlissen, dass ihr geplantes Nutzungsende erreicht oder sogar überschritten ist. Der Investitionsbedarf zeigt sich insbesondere in der zunehmenden Länge von Langsamfahrstrecken. Diese seien seit 2007 von 1,5 auf 11,8 Kilometer angewachsen. Wie berichtet, wollen die LVB in diesem Jahr ihre Langsamfahrstrecken auf rund sechs Kilometer reduzieren.

Barrierefreiheit: Nachholebedarf konstatieren die Gutachter auch beim barrierefreien Umbau der Haltestellen, auf den besonders Behinderte, Senioren und Mütter mit Kleinkindern angewiesen sind. Aktuell sind im Straßenbahnnetz nur 63 Prozent der Haltestellen barrierefrei nutzbar; bei den Bushaltestellen sind es nur 31 Prozent.

Modal-Split: Im Jahr 2007 war dem öffentlichen Nahverkehr das Ziel gesetzt worden, 25 Prozent aller Wege der Leipziger zu übernehmen, um Lärm- und Schadstoffbelastungen zu reduzieren. Tatsächlich stiegen im vergangenen Jahr nur 17,6 Prozent ein. „Der ÖPNV-Anteil verharrt seit 2003 mit leichten Schwankungen in einem nahezu unveränderten Niveau“, schreiben die Gutachter.

Stadtverwaltung und LVB führen Langsamkeit und Unpünktlichkeit der Bahnen und Busse auf das starke Baugeschehen und das rasante Bevölkerungswachstum in der Stadt zurück. Das Umsteigen dauere immer länger und die Bahnen blieben in Baustellen stecken, hieß es. Um den Investitionsstau abzubauen, sollten Land, Bund und EU mehr Geld zur Verfügung stellen. Die Stadt habe durch den Bau von Schulen und Kitas sowie der Integration von Asylbewerbern dafür keinen Spielraum mehr. „Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund sucht nach alternativen Finanzierungsformen“, sagte die Bürgermeisterin. „Vielleicht gelingt es, die Finanzierung des Nahverkehrs auf breitere Schultern zu setzen.“ Im MDV wird unter anderem über die Einführung eines Bürgertickets nachgedacht, für das auch Leipziger zahlen sollen, die den Nahverkehr nicht nutzen (die LVZ berichtete).

Die aktuelle Bestandsaufnahme fließt jetzt in die Erarbeitung des neuen Leipziger Nahverkehrsplans ein. Die Vorschläge dafür sollen ab Herbst mit der Bürgerschaft diskutiert werden. Das Papier werde im Dezember 2017 in den Stadtrat kommen, hieß es am Donnerstag.

Andreas Tappert

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