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Lokales CDU-Bundestagsabgeordneter Alexander Krauß schießt gegen Klimacamp
Leipzig Lokales CDU-Bundestagsabgeordneter Alexander Krauß schießt gegen Klimacamp
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23:05 29.07.2018
Ein Transparent mit der Aufschrift „People before Coal" im Klimacamp in Pödelwitz. Quelle: dpa
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Leipzig/Pödelwitz

Umweltschützer aus allen Teilen Deutschlands protestieren seit Samstag in Pödelwitz bei Leipzig gegen den Braunkohle-Abbau. Bis zum 5. August sind im „Klimacamp Pödelwitz“ Workshops, Exkursionen und Podiumsdiskussionen geplant. Nach Angaben der Veranstalter waren am Sonntag etwa 400 Leute im Camp, am Nachmittag sollte ein Dorffest gefeiert werden. Mit insgesamt rund 1000 Teilnehmern werde gerechnet.

Zum Auftakt des Treffens waren am Samstagnachmittag etwa 300 Menschen bei einer Demo unter dem Motto „Klima retten! Kohle stoppen“ durch Leipzig gezogen.

In Pödelwitz zu Gast ist die Sommerschule des Projektes „Degrowth“ (Deutsch: Postwachstum), in der sich die Teilnehmer mit Visionen und Utopien für eine soziale, ökologische und demokratische Gesellschaft befassen wollen.

Das 700 Jahre alte Dorf Pödelwitz soll dem Tagebau „Vereinigtes Schleenhain“ weichen und von der Landkarte verschwinden. Dagegen regt sich seit langem Protest. Die jetzigen Aktionen drehen sich aber nicht nur um Pödelwitz. Vielmehr wird der gesamte Kohleabbau in Deutschland in Frage gestellt. „Klar ist, dass wir die Klimaziele nur erreichen können, wenn Kohle, Öl und Gas im Boden bleiben“, erklärte Josephine Lauterbach vom Organisationsteam des Klimacamps.

In der Zeit vom 2. bis 5. August haben Aktivisten unter dem Slogan „Kohle erSetzen!“ zivilen Ungehorsam und Blockaden am Tagebau angekündigt. Mit dem Klimacamp im eigentlichen Sinne hat das nichts zu tun. Dennoch griff der sächsische Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß am Wochenende das Klimacamp ungewöhnlich scharf an. Er bezeichnete die Teilnehmer als „Öko-Extremisten“ und verglich sie mit der rechtsextremen „Identitären Bewegung“.

„Es ist schlimm, dass eine Partei wie die Grünen mit Leuten paktiert, die Recht und Gesetz mit Füßen treten“, erklärte Krauß. Eine demokratische Partei dürfe nicht Gruppen unterstützen, die ankündigen, gegen Gesetze zu verstoßen. Auch für „Öko-Gutmenschen“ würden Gesetze gelten. Friedlicher Protest sei in Ordnung, aber nur im Rahmen der Gesetze. Das Eigentumsrecht eines Bergbau-Unternehmens müsse respektiert werden, so der Bundestagsabgeordnete.

Der sächsische Grünen-Politiker Gerd Lippold wies die Äußerungen von Krauß zurück: „Alexander Krauß versteht sich aufs Diffamieren. Doch seine Vorwürfe sind haltlos.“ Er habe gehofft, dass der ehemalige Landtagsabgeordnete und Vattenfall-Aufsichtsrat im Bundestag eine differenziertere Sicht auf Energiepolitik gewinnt und nicht nur aus der Perspektive eines Braunkohleunternehmens in Sachsen argumentiere: „Doch seine ideologischen Beißreflexe scheinen das zu verhindern. Das ist bedauerlich, denn dadurch disqualifiziert er sich in der Debatte selbst.“

Klimacamp-Mitorganisatorin Lauterbach hält die vom Unternehmen MIBRAG (Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft) geplante Tagebauerweiterung in Pödelwitz für völlig absurd. Die Verstromung von Braunkohle sei die klimaschädlichste Art der Stromerzeugung. Die stetig wachsende Wirtschaft des globalen Nordens verursache steigende Emissionen. Die Folgen würden jedoch vor allem Länder des globalen Südens tragen - durch Dürre, Überschwemmungen oder den steigenden Meeresspiegel: „Uns ist allen klar, dass wir nicht so weiter leben können wie bisher. Wir wollen Visionen und Ideen für einen gesellschaftlichen Wandel entwickeln.“

Von LVZ

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