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CDU-Chef Clemen fordert Abkehr vom starren Rad-Streifen – Grüne: zu viele Autos in Leipzig

CDU-Chef Clemen fordert Abkehr vom starren Rad-Streifen – Grüne: zu viele Autos in Leipzig

Nächstes Kapitel im seit Wochen währenden Streit um Leipzigs Fahrradfahrer. CDU-Vorsitzender Robert Clemen forderte am Sonntag eine „ideologiefreie Verkehrspolitik“ in der Messestadt: „Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass in der Stadtverwaltung die Fahrradlobby den Ton angibt.

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CDU-Vorsitzender Robert Clemen. (Archivfoto)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Darunter leiden alle anderen Verkehrsarten“, heißt es in einer Mitteilung des Christdemokraten. Neben Autofahrern sei davon nun auch der Öffentliche Nahverkehr betroffen. „Es kann nicht sein, dass Straßenbahnen durch künstlich herbeiproduzierten Stau aufgehalten werden, während nebenan ein starrer Radstreifen frei ist und auf den nächsten Fahrradfahrer wartet“, so Clemen weiter.

Der CDU-Vorsitzende wandte sich dabei auch gegen Thesen aus dem Neuen Rathaus, die Roland Quester, Mitarbeiter im Amt für Stadtplanung auf Anfrage der LVZ aufgestellt hatte. Laut Quester sei Radfahren aufgrund kurzer Wege in der Stadt ohnehin oftmals am sinnvollsten für die Leipziger. „Nicht wenige dieser Wege dürften zum Einkaufen gefahren werden. Und beim Einkauf ist nun mal das Auto allen anderen Verkehrsarten überlegen“, sagte Clemen. Der Unionspolitiker fordert deshalb auch eine Abkehr vom starren Radstreifen auf den Leipziger Straßen: „Die Autos werden auf die Gleise der Straßenbahn getrieben. Die Bimmel steht dann mit im Stau und kann den Fahrplan nicht einhalten. Das kostet die Nutzer der Straßenbahn unglaublich viel Zeit.“

Clemen empfahl der Stadtverwaltung stattdessen, künftig auf gestrichelte Radfahrstreifen zu setzen, wie sie auch der Allgemeine Deutschen Automobil-Club (ADAC) präferiert. „Jeder muss selber entscheiden können, ob er Auto, Straßenbahn oder Fahrrad fährt. Also müssen wir die Infrastruktur so einrichten, dass kein Verkehrsträger benachteiligt wird", sagte der Leipziger CDU-Chef.

Grünen-Vorstandssprecher Jürgen Kasek antwortete prompt. Seiner Ansicht nach, sei die Zahl der Autos in der Messestadt das eigentliche Problem. „Wir brauchen mehr Fuß- und Radverkehr,  eine Kostenreduzierung im ÖPNV und mehr Platz für Car Sharing und deutlich weniger Autos", so Kasek in einer Mitteilung. Die Messestadt sei für die aktuelle Zahl von Autos nicht gebaut, mit jedem Fahrzeug mehr, sinke die Lebensqualität. „Ziel einer klugen Stadtpolitik muss es sein, Mobilität für Alle zu  schaffen“; so der Grünenpolitiker.

Die Ratsversammlung habe sich – auch mit den Stimmen der CDU – mit großer Mehrheit dazu bekannt, den Anteil des Radverkehrs zu erhöhen. „Offensichtlich hat auch die CDU eine multiple Persönlichkeit: Auf der einen Seite schimpfen, wenn die Verwaltung zu langsam arbeitet, auf der anderen Seite schimpfen, wenn die Verwaltung arbeitet." so Kasek weiter.

Untersützung erhielt der Grünen-Politiker am Sonntagabend von Linken-Stadträtin Juliane Nagel. Mit beinahe 40 Prozent Anteil am Verkehrsaufkommen sei Autoverkehr in Leipzig deutlich überrepräsentiert, sagte die Politikerin. Sie warnte zudem davor, gestrichelte Radstreifen auf Leipzigs Straßen einzuführen: „Schutzstreifen laden oft zum Abparken ein und stellen damit ein Sicherheitsrisiko für Radfahrer dar.“ Ändere sich das Verhalten von Autofahrern nicht, trügen die Fahrradfahrer die gesundheitlichen Folgen. „In Berlin gab es in der vergangenen Woche drei gefährliche Unfälle zum Nachteil von Radfahrenden, einer davon tödlich. Grund dafür war Unachtsamkeit von Autofahrerinnen und Autofahrern beim Abbiegen - eine Hauptursache bei Fahrradunfällen."

Anfang Juli hat ein Antrag von CDU-Stadtrat Konrad Riedel in der Ratsversammlung die Debatte um Leipzigs Radkultur in Gang gebracht. Riedel forderte die Stadtverwaltung darin auf, stärker gegen „Rüpelradler“ vorzugehen. Daraufhin hatte sich Jürgen Kasek bereits gegen den „Feldzug“ der Union gegen Leipzigs Radfahrer echauffiert.

Matthias Puppe / chg

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