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CDU-Politikerin Kudla zu Dündar-Tweet: Wollte Aufmerksamkeit wecken

Leipzigs Bundestagsabgeordnete in der Kritik CDU-Politikerin Kudla zu Dündar-Tweet: Wollte Aufmerksamkeit wecken

Nach einem beleidigenden Tweet von Bettina Kudla gegen den türkischen Journalisten und Erdogan-Kritiker Can Dündar schlagen die Wellen gegen die Leipziger CDU-Bundestagsabgeordnete hoch. Jetzt beantwortete die Politikerin für LVZ.de die Fragen von Mark Daniel.

Bettina Kudla beim Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Nach einem beleidigenden Tweet von Bettina Kudla gegen den türkischen Journalisten und Erdogan-Kritiker Can Dündar schlagen die Wellen gegen die Leipziger CDU-Bundestagsabgeordnete hoch. Vertreter aus Medien, Politik und Gesellschaft werfen Kudla vor, die Grenze überschritten zu haben. Jetzt beantwortete die Politikerin für LVZ.de die Fragen von Mark Daniel.

Frage: Warum haben Sie bei dem Tweet das Wort „Dünnschiss“ benutzt – welcher Zusammenhang besteht zwischen dieser Wertung und Dündars Empfehlung, den Kontakt zur Türkei zu halten?
Bettina Kudla: Der von mir in dem genannten Tweet verwendete Ausdruck entspricht üblicherweise nicht meinem Sprachgebrauch und sollte auch keine Entstellung des Namens von Can Dündar sein. Ich habe ihn dennoch in diesem Fall gebraucht, um auf folgendes grundsätzliches Problem aufmerksam zu machen: In einem achtminütigen Interviewbeitrag des "heute-journals" vom 8.9.16 hatte Can Dündar Gelegenheit darzulegen, wie seiner Meinung nach deutsche Türkeipolitik auszusehen habe. Politiker kamen in dem Beitrag nicht zu Wort. Mir ist bewusst, dass die Medien Nachrichten herausgreifen, die sie für wichtig halten und dass die Medien nicht zwangsläufig Meinungen nach politischen Mehrheiten veröffentlichen. Wenn allerdings bei wesentlichen politischen Themen – und das Verhältnis zu Türkei ist mit Blick auf die Flüchtlingskrise ein wesentliches politisches Thema – gewählte Volksvertreter überhaupt nicht mehr zu Wort kommen, geschweige denn die Meinungen der Volksvertreter wenigstens annähernd nach den politischen Mehrheiten und damit nach dem Willen der Bürger durch die Medien transportiert werden, halte ich dies für problematisch. Insofern ging es mir im Kern nicht um eine Kritik an dem türkischen Journalisten Can Dündar, sondern darum, Aufmerksamkeit für ein grundsätzliches Problem zu erzeugen.

In den Medien und quer durch die Parteien ist die Empörung über ihren Tweet groß. Können Sie das verstehen?
Bettina Kudla: Natürlich habe ich mit Reaktionen auf meinen Tweet gerechnet. Bedauerlich ist, dass – auch nach Verdeutlichung meiner Botschaft via Twitter vom Sonntag, 11.09.16 – nur wenig zu den eigentlichen Hintergründen Stellung bezogen wird.

In Deutschland sinkt die Hemmschwelle von Aggressivität und Beleidigungen, es wird zum Beispiel offen in sozialen Medien gehetzt. Warum wenden auch Sie Polemik an statt als Politikerin korrektiv gegenzusteuern?

Bettina Kudla: Gerne möchte ich auf Mittel dieser Art verzichten, wie ich es bisher auch getan habe. Meine Absicht war es, in einem bestimmten Punkt Aufmerksamkeit für ein grundsätzliches Problem zu wecken. Sie können davon ausgehen, dass künftige Äußerungen wieder in der von mir gewohnten angemessenen Art und Weise erfolgen werden.

Bereuen Sie Ihre Wortwahl?
Bettina Kudla: Wie bereits gesagt, ging es mir nicht um eine Entstellung des Namens. Vielleicht kann Can Dündar dem Ganzen sogar etwas Positives abgewinnen, da durch die öffentliche Aufmerksamkeit meines Tweets die Beachtung seines neuen Buches „Ein Leben lang für die Wahrheit“ sicherlich gestiegen sein dürfte. Das Buch habe ich mir übrigens bereits bestellt.

Sie sind nicht die Erste, die auf streitbare Weise in den Medien kommuniziert - siehe Daniel Mack (Die Grünen), der twitterte, Mecklenburg-Vorpommern sei "das am dümmsten besiedelte Land". Was ist die Ursache dafür, dass Politiker Wortspiele über Inhalte stellen?

Bettina Kudla: Wie auch schon zuvor ausgeführt ist es bedauerlich, dass es offenbar mitunter Aufmerksamkeit erregender Worte bedarf, um Inhalte zu vermitteln. Insofern wäre dies auch eine interessante Frage an die Medien.
Viele Kommentatoren legen Ihnen nahe, zur AfD zu wechseln – wegen des Tweets, aber auch wegen Äußerungen wie Asylrechtsverschärfung oder Flüchtlingen in Gohlis, die den Wohnwert des Viertels angeblich mindern. Wie beurteilen Sie den Wechselvorschlag?
Bettina Kudla: Ich bin mit Leib und Seele CDU-Mitglied und Bundestagsabgeordnete für diese Partei. Mit einer Partei wie der AfD verbindet mich nichts.
 

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