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Lokales Chaos an den Höfen am Brühl: Ring-Baustelle legt Verkehr lahm
Leipzig Lokales Chaos an den Höfen am Brühl: Ring-Baustelle legt Verkehr lahm
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06:04 06.10.2018
Nichts geht mehr: An der Kreuzung Tröndlinring/Am Hallischen Tor vor den Höfen am Brühl in Leipzig kommt es immer wieder zu Verkehrschaos. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Für den Ehemann von Julia Yoshioka war es der Alptraum: Dreieinhalb Stunden steckte er am Dienstagnachmittag mit seinem Auto im Parkhaus der Höfe am Brühl fest. Weil sich an der Kreuzung vor dem Einkaufszentrum der Verkehr staute, drehte sich drinnen kein Rad mehr. Parallel zum Feierabendverkehr vor dem Tag der Deutschen Einheit wollten viele Leipziger noch Einkäufe in der Stadt erledigen. Durch den Massenandrang kollabierte der Verkehr auf dem nördlichen Ring. Yoshioka war ab 16 Uhr quasi in seinem Wagen gefangen – erst gegen 19.30 Uhr entspannte sich die Situation.

Das Chaos könnte sich in den nächsten Wochen wiederholen. Denn verantwortlich für die Probleme ist eine neue Staufalle am Georgiring. Seit Montag bis zum 21. Oktober sanieren die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) die Gleise an der östlichen Kurve vor dem Hauptbahnhof, wodurch Fahrspuren verengt und die Überfahrt zur Brandenburger Straße gesperrt sind. Zu Stoßzeiten kommt es zum Kollaps bis zum Tröndlinring, Ecke Gerberstraße. „Der Kreuzungsbereich war schon in der Vergangenheit immer wieder problematisch“, heißt es im Rathaus hinter vorgehaltener Hand. „In dieser Wucht wie am Dienstag gab es das aber noch nie.“ Dass die Baustelle ein solches Chaos auslöst, hatten weder Verkehrsberechnungen noch Umleitungspläne vorhergesehen.

Abkürzende Autofahrer sind angeblich das Problem

Das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) räumt auf Anfrage von LVZ.de erhebliche Probleme ein. „Die Lichtsignalanlagen auf dem Ring sind aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens zu den Spitzenstunden an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit“, teilt Amtsleiter Michael Jana mit. Hinzu sei am Dienstag gekommen, dass aufgrund des Ansturms im Parkhaus keine freien Stellplätze mehr angezeigt wurden und die Schranke daher unten blieb. Die Folge: Fahrzeuge konnten nicht mehr einfahren und stauten sich bis zum Ring. Als Ursache für das Problem haben die Verkehrsplaner abkürzende Autofahrer ausgemacht. Viele würden die Baustelle und die ausgeschilderte Umleitung in Richtung Osten umfahren. Statt der Gerberstraße nutzen sie gemeinsam mit den Parkhauskunden den Weg über die Straße Am Hallischen Tor, Brühl und Goethestraße, obwohl dieser nicht für solche Massen an Fahrzeugen ausgelegt ist.

Ein ganz normaler Tag an den Höfen am Brühl: Bei Rückstau kommen sich Autos und Fahrradfahrer immer wieder in die Quere. Durch Staus aufgrund der Baustelle am Georgiring wird die Lage aktuell noch verschärft.

Auch die Betreiber der Höfe am Brühl sind mit der aktuellen Lage nicht glücklich. „Wir arbeiten daran, die Ein- und Ausfahrt-Situation zu verbessen“, teilt Centermanager Robin Spanke mit. „Aktuell weisen wir zusätzlich mit Hinweisschildern und Durchsagen im Center auf die aktuell angespannte Verkehrslage hin. Nach Auflösung der Baustelle wird sich die Situation wieder entspannen“, ist er überzeugt. Bis dahin will auch die Stadt das Problem erst einmal aussitzen. Eine Wiederholung der Situation lasse sich kaum verhindern, heißt es. Eine Veränderung der Ampelschaltung oder der Verkehrsführung generell halten die Planer im Rathaus nicht für zielführend. Die „verkehrsorganisatorischen“ Möglichkeiten seien ausgeschöpft, weist das VTA eine Verantwortung für das Chaos von sich.

Auch die chronisch überlastete Polizei sieht sich außer Stande, gegen den Kollaps anzukämpfen. „Die bestehende Verkehrsstörung ist in genereller Form nicht – schon gar nicht dauerhaft – durch den Einsatz von Beamten des Polizeivollzugsdienstes zu lösen“, meint Behördensprecher Andreas Loepki. Er plädiert für ein temporäres Abbiegeverbot vom Ring, um die Einfahrtsmöglichkeiten zu reduzieren und die Situation zu entspannen. Sofern die Polizei die Kapazität habe, regulierend einzugreifen, „werden wir uns dem Auftrag nicht entziehen“, betont er. Die aktuelle Einsatzlage lasse dies aber nur bedingt zu.

Staus gefährden Radfahrer

Hinzu kommt noch ein weiteres dauerhaftes Sicherheitsrisiko: Radfahrer müssen im Bereich Tröndlinring/Am Hallischen Tor immer wieder Slalom fahren, um nicht mit Autos zusammenzustoßen. Wie ein aktuelles Video auf Twitter dokumentiert, blockieren Fahrzeuge im Stau oder an der Ein- und Ausfahrt die Radwege in Richtung City. Alexander John vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) schlägt deshalb Alarm: „Ein zügiges, sicheres und bequemes Radfahren ist hier zu oft nicht möglich“, kritisiert er.

John fordert die Stadt auf, endlich etwas zu unternehmen. Schon seit gut drei Jahren sei die Situation durch Hinweise des ADFC bekannt. Getan hat sich bislang nichts. Auch ohne die aktuelle Baustelle komme es an Samstagnachmittagen und in der Adventszeit regelmäßig zu brenzligen Situationen. Am Morgen komme noch eine andere Problematik hinzu, hat John beobachtet. Autofahrer würden den Radweg dann zum Wenden nutzen.

Auch bei diesem Thema zucken die Verantwortlichen im Rathaus nur mit den Schultern – es seien noch keine Unfälle mit Verletzten passiert, heißt es lapidar. Insgesamt sei die Situation „sicher potenziell konfliktträchtig“, schätzt Amtsleiter Michael Jana ein. Davon betroffen sind auch Fußgänger, die vor dem Parkhaus einen schmalen Bürgersteig nutzen. Amtsleiter Jana sieht bei dem Thema vor allem die Autofahrer in der Pflicht, sich an die Straßenverkehrsordnung (StVO) zu halten, die Radwege bei Rückstau freizuhalten und die Vorfahrt zu beachten.

Höhere Parkgebühren als Lösung?

Der ADFC schlägt eine ungewöhnliche Lösung vor. Wenn die Höfe am Brühl ihre bislang sehr niedrigen Parkgebühren – je 1,40 Euro für die ersten drei Stunden – erhöhen würden, könnte die Belastung auf verschiedene Parkhäuser in der Stadt verteilt werden, meint Sprecher Alexander John. Höfe-Chef Spanke winkt ab: „Wir möchten für jeden Geldbeutel ein attraktives Parkhaus anbieten“, erklärt er. Spanke empfiehlt stattdessen auf den Nahverkehr oder das Rad umzusteigen – für größere Einkäufe sicher nur bedingt eine tragfähige Lösung.

Julia Yoshioka hat inzwischen eine schriftliche Entschuldigung des Centermanagements erhalten. „Es tut uns leid, dass die chaotische Verkehrssituation auf dem Inneren Ring zu einem Rückstau im Parkhaus geführt hat “, heißt es darin. Und weiter: „In einem solchen Fall kann natürlich das Auto auch stehen gelassen werden, der entwertete Parkcoin behält seine Gültigkeit.“

Von Robert Nößler

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