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Sturmschäden durch „Herwart“ in Leipzig – Zugverkehr rollt langsam wieder an

Umgekippte Bäume, abgedeckte Dächer Sturmschäden durch „Herwart“ in Leipzig – Zugverkehr rollt langsam wieder an

Das Sturmtief „Herwart“ brauste am Sonntag über Deutschland hinweg und richtete dabei zahlreiche Schäden auch in Leipzig und Umgebung an. Bäume fielen um, blockierten Straßen, Strom fiel aus. Die Feuerwehr meldete mehr als 400 Einsätze in der Messestadt.

Sturmschäden in und um Leipzig.

Quelle: Sven Bartsch / Josephine Boos / Dirk Knofe

Leipzig. Das Sturmtief „Herwart“ ist am Sonntag über Deutschland hinweggefegt und hat dabei zahlreiche Schäden auch in Leipzig und Umgebung angerichtet. Überall in der Messestadt knickten am Morgen Bäume ab, blockierten dabei Straßen und beschädigten Fahrzeuge. Die Messestädter kamen zum Glück mit dem Schrecken davon. Laut Polizei gab es bisher keine Verletzten.

Die Schäden sind allerdings zum Teil enorm. Wie ein Sprecher der Leipziger Feuerwehr gegenüber LVZ.de sagte, waren seit den frühen Morgenstunden alle Einsatzkräfte gefordert. Neben zahlreichen umgestürzten Bäumen gab es auch zerstörte Dächer, umgerissene Schilder und eingestürzte Baugerüste. Die Feuerwehr musste alleine in Leipzig zu 425 Einsätzen ausrücken, sagte ein Sprecher. Dabei gehe es vor allem um Aufräumarbeiten. Viele Bäume müssten zerkleinert und von den Straßen geräumt werden. Laut der Leipziger Stadtwerke blieb aber zumindest das Stromnetz von Schäden verschont. Ausfälle habe es nicht gegeben, so ein Sprecher.

Abgerissenes Dach am Möbiusplatz in LeIpzig

Quelle: Dirk Knofe

Am Möbiusplatz im Stadtteil Reudnitz-Thonberg wurde das halbe Dach eines Mehrfamilienhauses von den Sturmböen angehoben und dabei teilweise abgerissen. In der Nähe des Rosentals stürzte Gehölz auf eine Oberleitung und die Straßenbahngleise. im Nordosten der Messestadt musste die Mockauer Straße zwischenzeitlich komplett von Feuerwehr und Polizei abgesperrt werden, weil dort mehrere große Bäume auf die Straße zu kippen drohten.

Züge stehen – Belantis geschlossen – Fußball abgesagt

Wer am Sonntag mit dem Zug reisen wollte, sattelte besser gleich auf andere Fortbewegungsmittel um. Die Deutsche Bahn stoppte am Morgen vorsorglich den kompletten Verkehr in sieben Bundesländern – in Sachsen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Auch auf der viel befahrenen Fernsstrecke zwischen Berlin und Leipzig war kein Duchkommen mehr möglich, hieß es.

Am Nachmittag wurden den Fernreisenden dann auch verbliebende Hoffnungen auf baldige Besserung genommen. Wegen der schweren Schäden könne der Betrieb wichtiger Strecken erst am Montag wieder aufgenommen werden, teilte der Konzern mit. Berlin, Hamburg, Hannover, Bremen und Kiel seien zurzeit nicht ans Fernnetz angeschlossen.

Überblick über die ausgefallenen Züge im Fernverkehr: www.bahn.de

Unter anderem blieben bis zum Montag dadurch die Verbindungen Hamburg-Berlin, Berlin-Frankfurt/Main, Berlin-Leipzig, Berlin-Dresden, Bremen-Hannover, Dortmund-Hamburg und Hannover–Dortmund gesperrt. Wer mit dem Zug reisen möchte, sollte dann wohl auch an den Folgetagen noch erhebliche Behinderungen einplanen, ehe der Verkehr wieder in Gang gekommen ist. Am Sonntagabend fuhren nach Angaben der Bahn einzelne Züge wieder auf der Strecke Berlin-Leipzig. Allerdings könne eine Mitnahme in den Zügen aufgrund des hohen Reiseaufkommens nicht garantiert werden.

Im Regionalverkehr ging es am Sonntagnachmittag zum Teil wieder voran. Auch hier mussten Reisende aber weiter mit Verspätungen rechnen.

Überblick über die Behinderungen im Regionalverkehr: www.bahn.de

Das Sturmtief „Herwart“ braust zur Stunde über Deutschland hinweg und richtet dabei zahlreiche Schäden auch in Leipzig und Umgebung an.

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Der Erlebnispark Belantis in der Nähe von Leipzig ließ am Sonntag seine Tore vorsorglich ebenfalls geschlossen und bat dabei um Verständnis. „Gäste, die im Vorfeld tagesgenaue Tickets für das heutige Halloween-Event erworben hatten, können diese in den restlichen Saisontagen einlösen oder zurückgeben“, sagte ein Sprecher. Am Montag soll der Freizeitpark wieder regulär öffnen können. Herwart habe am Sonntag auf dem Gelände keine maßgeblichen Schäden angerichtet, sämtliche Attraktionen seien verschont geblieben.

Zentrale Spielabsage am Sonntag auch auf Leipzigs Fußballplätzen: Der komplette Spielbetrieb im Jugend- und Kinderfußball wurde angesichts der Sturmvorhersagen vorsorglich verschoben. Neuansetzungen müssten individuell verhandelt werden, teilte der Fußballverband der Stadt Leipzig (FVSL) mit. Bei den Profis des ZFC Meuselwitz zog man ebenfalls sicherheitshalber die Notbremse und sagte das für Sonntag angesetzte Punktspiel gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig ab.

Umgestürzte Bäume und Stromausfälle rings um Leipzig

Auch im Leipziger Umland musste die Feuerwehr am Morgen zu zahlreichen Schäden ausrücken. Bis 16 Uhr waren die Kameraden allein im Landkreis Leipzig bei 270 Einsätzen unterwegs, im Landkreis Nordsachsen rückte die Feuerwehr zu 200 Einsätzen aus. Im Delitzscher Ortsteil Poßdorf stürzte beispielsweise eine Scheune ein. Am sogenannten Colditzer Kreuz bei Geithain kam ein Lastwagen wegen eines Baumes auf der Straße nicht weiter. Auch auf der B 176 bei Dittmansdorf und auf der B 93 bei Borna aus Richtung Altenburg mussten die Feuerwehren die Fahrbahn freiräumen. Zudem waren am frühen Morgen vorübergehend 5000 Haushalte von Stromausfällen betroffen, sagte Mitnetz-Sprecherin Claudia Anke. Betroffen waren unter anderem Großbothen und Kühren. Bis zum Nachmittag waren die meisten Haushalte wieder am Stromnetz angeschlossen. Gegen 16 Uhr waren lediglich noch rund 200 Haushalte in Colditz und Müglenz vom Netz abgetrennt.

Im Altenburger Land lösten sich Teile des Baugerüsts am 48 Meter hohen Kirchturm in Ziegelheim. Daraufhin flogen Gerüstteile bis zu 40 Meter weit. Eines dieser schlug wiederum in eine Hauswand ein und richtete erheblichen Schaden an. Verletzt worden sei jedoch niemand, so ein Feuerwehrmann. Das gilt auch für Einsätze in Gößnitz, zu denen es kam, weil der Wind Ziegel von zwei Häusern abdeckte. Während es in der Altenburger Straße noch recht glimpflich abging, richteten die umherfliegenden Dachteile in der Schillerstraße massiven Sachschaden an. Denn die Böen schleuderten die Ziegel gleich gegen mehrere parkende Autos.

Umgeknickter Baum im Leipziger Umland.

Quelle: Sven Bartsch

In der Region Oschatz hatte die Feuerwehr schon am Vormittag 50 Einsätze absolviert. Dabei ging es um umgestürzte Bäume, beschädigte Schornsteine bis hin zu abgedeckten Dächern und dem vom Einsturz bedrohten Giebel des Verwaltungsgebäudes der Lebenshilfe in Lonnewitz. Auch in den umliegenden Kommunen waren die Helfer im Dauereinsatz, um Straßen zu beräumen oder Stromleitungen von umgeknickten Bäumen zu befreien. Die Bundesstraße 6 zwischen Oschatz und Calbitz musste aufgrund von Baumschäden zeitweilig gesperrt werden.

Am Flughafen Leipzig-Halle lief dagegen fast alles wie geplant. "Ein Flug nach Frankfurt hat sich verzögert, konnte erst nicht starten", sagte Airport-Sprecher Uwe Schuhart gegenüber LVZ.de. Die Passagiere mussten vier Stunden warten, konnten dann aber doch noch in die Luft. Alle anderen Flüge seien bisher planmäßig abgegangen, so Schuhart weiter.

Windstärke 11 am Flughafen Leipzig

Wie der Deutsche Wetterdienst am Sonntag mitteilte, wurden am Flughafen bei Windstärke 11 Geschwindigkeiten von bis 105 Kilometern pro Stunde gemessen. In Leipzig an der Messstation im Stadtteil Holzhausen waren es bei Windstärke 9 noch 82 Kilometer pro Stunde. Spitzenwert im Freistaat hatte der Fichtelberg mit Windgeschwindigkeiten über 170 Kilometern pro Stunde und Windstärke 12.

Bis zum Nachmittag war dann zumindest das Gröbste überstanden. Gegen 14 Uhr vermeldte Cathleen Weber, Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD), für orkanartige Sturmböen Entwarnung . "Es wird sicher noch einige Schauer geben, mancherorts vielleicht auch noch Windstärke zehn erreicht, aber das Schlimmste ist vorbei", sagte Weber. Je weiter der Abend heranrügt, um so geringer sei die Gefahr von Stürmen. Am Montag bleibt es windig, fallen die Temperaturen. "Es strömt kältere Luft in die Region. Am Vormittag zeigt sich aber gelegentlich in Leipzig auch die Sonne. So dass man sagen kann: Es wird kühl, aber auch ein bisschen schön", so die DWD-Expertin.

Urlauberin aus Sachsen gestorben

In anderen Teilen Ost- und Norddeutschlands sah es am Sonntag ähnlich wie in Leipzig aus. In Berlin musste die Feuerwehr binnen drei Stunden zu 100 Einsätzen ausrücken. Sie rief den Ausnahmezustand aus und mobilisierte alle Freiwilligen Feuerwehren der Hauptstadt. Am Hamburger Hafen trat die Elbe übers Ufer. Nahe der Elbphilharmonie drohte eine Tiefgarage vollzulaufen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Offenbar hätten die Flutschutztore die Garage nicht gut funktioniert. Die Elbchaussee entlang des Hamburger Hafens wurde einem Polizeisprecher zufolge überspült. Sie wurde teilweise gesperrt. Auch der Hamburger Fischmarkt wurde gesperrt.

An der Nordsee kam es am Sonntag zu einem Todesfall. Laut Polizei habe der 63-Jährige mit seinem Bruder auf einem Campingplatz am Jadebusen in Niedersachsen in einem Bulli übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuß in Sicherheit bringen wollen. Der 59 Jahre alte Bruder konnte sich noch an einem Mast festhalten. Er wurde am frühen Morgen von einer DLRG-Schlauchbootbesatzung gerettet und unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht. Der 63-Jährige wurde wenig später tot geborgen. Beide Männer stammen aus Nordrhein-Westfalen.

Am Sonntagnachmittag wurde bekannt, dass eine Frau aus Sachsen bei einer Bootstour auf dem Peenestrom ums Leben kam. Das Boot mit drei Personen aus Sachsen kenterte während des Sturms. Rettungskräfte hatten die Frau und einen Mann in der Nähe von Wolgast zunächst bergen können. Die Frau starb später, ein weiterer Mann wird noch vermisst

Umgestürztes Baugerüst am Schönebergere Ufer in Berlin.

Quelle: dpa

Im Landkreis Rostock wurde ein Haus von einem Baum getroffen, die Bewohner blieben unverletzt. Die Polizei in Neubrandenburg meldete zwei Bäume, die auf Autos fielen. In Brandenburg war die Nacht ruhig, die ersten Sturmschäden meldete der Lagedienst des Innenministeriums am frühen Morgen. Unter anderem gebe es entlang der Autobahnen 11 und 12 umgestürzte Bäume. In Hannover stürzte ein Baum auf drei Autos, wie ein Polizeisprecher am Morgen mitteilte. (mit dpa)

M. Puppe / C. Jacob / T. Haegeler / B. Schöppenthau / J. Brechlin / L. Grothe

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