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Chilenische Familie reist zu ihren Leipziger Wurzeln

Heimat Chilenische Familie reist zu ihren Leipziger Wurzeln

Der Chilene Hans Hänel Gotelli studiert auch wegen der Suche nach den Wurzel seiner Familie an der Handelshochschule Leipzig

Die Chilenische Familie Hänel Gotelli bei ihrem Leipzigbesuch in der Reichelstraße 7 in Leipzig: v.l. Trinidad (24) , Albert (61) , Hans (31) , Maureen (29) und Valentina (24).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Sie hören auf Hans, Albert, Oskar Arthur, Paul oder Herbert – Vornamen, wie sie in einer traditionsbewussten deutschen Familie durchaus üblich sind. Doch bei den Hänel Gotellis hat seit fast 100 Jahren keiner mehr einen deutschen Pass. Die Familie ist seit den 1920er-Jahren in Chile ansässig. Und doch reichen ihre Wurzeln nach Leipzig zurück. Hans Hänel Gotelli hat sich nun mit Blick auf die Vorfahren extra an der „HHL Leipzig Graduate School of Management“ (Handelshochschule) immatrikulieren lassen, um seinen MBA-Abschluss mit der Suche nach familiären Spuren verbinden zu können. Dieser Tage reiste fast die gesamte Familie nach Leipzig, um Orte ihrer Vorfahren in Augenschein nehmen zu können.

„Auch dank der Hilfe von Volker Stößel von der HHL haben wir sehr viel herausbekommen“, erzählt der 31-jährige Hans. Sein Urgroßvater Oskar Arthur hat 1917 in Markkleeberg geheiratet, zwei Jahre später sein erstes Kind bekommen und „ist um 1919/1920 nach Chile ausgewandert“, so seine Kurzzusammenfassung. Der Urgroßvater habe hier als Kellner gearbeitet und nach dem Ersten Weltkrieg mit all seinen Problemen offenbar die Gelegenheit wahrgenommen, seinem Bruder Paul nach Chile zu folgen, wo dieser als Vertreter für verschiedene deutsche Firmen tätig war.

Ein wichtiger Partner bei der kniffligen Suche nach Hinweisen war unter anderem Martin Heyn aus dem Archiv der Stadtverwaltung Markkleeberg. „Erst durch die großartige Unterstützung von ihm wenige Tage vor unserem gemeinsamen Treffen konnte die Heiratsurkunde von Oskar Arthur Hänel aus dem Jahr 1917 mit der Angabe des Wohnortes – also der Reichelstraße 7 in Leipzig – gefunden werden“, ist Hänel junior sehr dankbar. Zwar stehe dort kein Haus mehr, aber ein wenig seien beim Besuch doch familiäre Gefühle aufgekommen.

Eine skurrile Anekdote gibt Hans’ Vater Albert dort noch zum besten. „Zur Großmutter – also Oskar Arthurs Schwester – wurde wegen der wirtschaftlichen Probleme in Deutschland monatlich ein Paket mit Kaffee, Nudeln und Reis geschickt“, erinnert sich der 61-Jährige. Doch es war nie herauszubekommen, ob die Sendungen auch ankamen. Letztlich seien diese zum 100. Geburtstag der Großmutter eingestellt worden.

Hans und seine drei Schwestern besuchten in Santiago de Chile zwar die deutsche Schule, doch im Gegensatz zu Onkel Christian Rolf sei die Verbindung zur deutschen Gemeinschaft in Chile eher nicht so stark gewesen. Bis, ja bis vor anderthalb Jahren bei Hans die Idee mit dem Studium in Deutschland reifte. „Dann habe ich mir schon bewusst Leipzig herausgesucht“, berichtet er. Der Start sei indes etwas holprig gewesen. „Ich hatte nach der Einschreibung an der HHL schon das Ticket, aber nicht einkalkuliert, dass es mit dem deutschen Visum doch so einige Zeit dauert“, schmunzelt er. Am Ende sei er einige Wochen später als geplant hier eingetroffen.

Hans hat Vater Albert und seinen Schwestern Trinidad (24), Maureen (29) und Valentina (24) ein ordentliches Programm nicht nur für den viertägigen Leipzig-Besuch verordnet. In Familie geht es hernach noch nach Prag und Budapest sowie nach Genua. „Dort irgendwo ist der andere Zweig der Familie Hänel Gotelli angesiedelt“, so der Wahlleipziger auf Zeit. Und er verrät am Rande: So stolz er auch auf seine Vorfahren in Leipzig sei, sehe er seine Zukunft „definitiv in Chile“.

Martin Pelzl

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