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Chronik einer unendlichen Geschichte: 20 Jahre Burgplatzloch in Leipzig

Chronik einer unendlichen Geschichte: 20 Jahre Burgplatzloch in Leipzig

Um nicht zu viel Euphorie aufkommen zu lassen: Die Bagger, die derzeit am Rande der ewigen Grube wirbeln, dienen nur den Leipziger Wasserwerken zur Erneuerung einer alten Leitung.

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Das Burgplatz-Loch im Jahr 2015.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Diese ruht seit 1850 tief unter dem Burgplatz. Dennoch: Auch für die 2000 Quadratmeter große Brachfläche ganz oben wächst gerade - neben Gestrüpp und Unkraut - neue Hoffnung.

Nach LVZ-Informationen hat der Eigentümer Even Capital - ein familiengeführtes Unternehmen mit Sitz in der Schweiz - nun Architekten beauftragt, Pläne für einen Neubau zu erstellen. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei um das renommierte Leipziger Büro HPP (Grand Hotel Heiligendamm, Kongresshalle, Oper, Promenaden Hauptbahnhof und Haus des Buches in Leipzig). Auch soll das Burgplatzloch in Kürze mit Hilfe einer Drohne exakt vermessen werden. Schließlich erblickte es bereits vor 20 Jahren das Licht der Welt.

Gespräche im Rathaus

Auch den Kontakt zum Rathaus hat Even Capital - nach einer Pause - wieder aufgenommen. "Es stimmt. Wir führen jetzt Gespräche mit dem Investor über ein Nutzungsprofil", sagt Jochem Lunebach, der Leiter des Stadtplanungsamtes. "In den nächsten Wochen möchte der Investor eine Entwurfsfassung erarbeiten." Der Ausgang der Sache sei aber noch offen.

Immerhin: Mit HPP haben die Schweizer ein Architekturbüro ausgewählt, das den benachbarten Petersbogen errichtet hat und die komplizierte Geschichte des Burgplatzloches bestens kennt. Schon 1991, als er seinen Job als Leipzigs Baubürgermeister antrat, erzählt Niels Gormsen, stand in seinem Büro ein Modell für die künftigen Burgplatzpassagen sowie den Petersbogen,. "Es war von HPP."

Juristenfakultät bleibt mietfrei

Damals versuchte eine Tochterfirma der Deutschen Bank, sämtliche Grundstücke in dem Bereich per Investitionsvorrangbescheid zu ergattern. Die Banker scheiterten jedoch an Peter Gutjahr-Löser, dem Kanzler der Universität. Binnen drei Wochen ließ dieser eigene Baupläne erstellen und reichte sie einen Tag vor Fristablauf als Antrag auf Investitionsvorrang ein. Ein Bravourstück! Denn so erhielt die Uni ein ihr seit 1409 gehörendes und 1952 enteignetes Grundstück zurück. Als Gegenleistung dafür, dass sie es per Erbbaurecht für den 1999 gestarteten Bau des Petersbogens zur Verfügung stellte, nutzt seitdem die Juristenfakultät 5000 Quadratmeter in dem Gebäude: ohne Miete zahlen zu müssen.

Bereits weit eher - im Frühjahr 1995 - begannen die ersten Arbeiten für zwei Tiefgaragen unterm Burgplatz. Etliche Leitungen wurden ver- und ein Zufahrtstunnel ab der Lotterstraße angelegt. Es war die Geburtsstunde des Burgplatzloches, obwohl sich genau unter dieser Fläche keine der beiden Garagen befindet, versichert Karl-Friedrich Kemmler. "Unter dem Loch ist nichts - nur Platz für eine weitere Tiefgarage. Sie kann direkt an die Parkdecks vom Petersbogen andocken, was man dort auch an den großen Stahltüren sieht."

Unternehmer mit unschöner Erinnerung

Der Stuttgarter Bauunternehmer denkt heute mit Grausen an jenes Projekt, bei dem es immer auch Querelen zwischen etlichen Grundstückseigentümern gab. Dann hätten die archäologischen Grabungen in den Fundamenten der früheren Pleißenburg fast zwei Jahre gedauert - statt wie gedacht zwei Monate. Die Kleinere der Tiefgaragen bekam nur eine Etage, weil darunter bis heute begehbare Burgkeller erhalten blieben.

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Der Burgplatz im Jahr 1999 mit der Baugrube für den Petersbogen.

Quelle: Leipzig report

1996 trat das erste Mal monatelang Ruhe auf der Baustelle ein. Die Stadt hatte damals eine Entwurf Kemmlers für ein Hotel über dem Loch abgelehnt. "Der konnte nicht überzeugen", wie Gormsen formuliert. Der Stuttgarter Investor sagt hingegen, die Stadt habe aus dem Loch "eine Goldgrube" machen wollen. An den Genehmigungen habe sie Millionen verdient, eigene Zusagen - wie ein Kostenzuschuss für die Platzgestaltung über Tunnel und Garage - aber nie eingehalten. Später sei noch eine finanzierende Bank abgesprungen. "Allein der Aushub des Loches hat 1,6 Millionen D-Mark gekostet. So was schüttet man nicht einfach wieder zu. Für die Fläche war ja ein Neubau genehmigt."

Der Rest ist schnell erzählt. Der britische Mischkonzern Amec errichtete den Petersbogen und erwarb 2002 Kemmlers Flächen (außer der kleineren Tiefgarage), um die Einkaufspassage zu erweitern. Taten folgten keine. Nachdem die Stadt enormen Druck ausübte, damit endlich was passiert, verkaufte Amec im Herbst 2014 Petersbogen und Loch an die Schweizer.

Jens Rometsch

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