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Lokales City Leipzig: Anlieferverkehr wird immer schwieriger
Leipzig Lokales City Leipzig: Anlieferverkehr wird immer schwieriger
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00:22 11.02.2018
Paketfahrer Holger Thieme ist auch in der Petersstraße aktiv.   Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Die City boomt und die Geschäfte ordern immer mehr Waren. Der Anlieferverkehr am Vormittag wird deshalb immer größer – und der Ärger auch. Einer der Paketzusteller, die bis 11 Uhr in der Innenstadt im Akkord arbeiten, heißt Holger Thieme. Der Transportunternehmer fordert dringend Verbesserungen. Die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig sieht das ähnlich. Im Rathaus heißt es, dies müsse der Stadtrat entscheiden.

Politessen schlagen auf das Geschäft

Der Großpösnaer Holger Thieme ist für den Deutschen Paketdienst (DPD) in der City unterwegs. Seine Flotte zählt acht Mercedes-Sprinter, von denen er vier in die Innenstadt schicken darf. „Meine Fahrzeuge nehmen um 5.30 Uhr im Auslieferdepot Krostitz jeweils 150 bis 200 Pakete an Bord“, schildert der 56-Jährige. Zwischen 9 und 9.15 Uhr sind die Fahrzeuge dann in der Innenstadt und das Verteilen beginnt. „Bis auf wenige Ausnahmen machen die Geschäfte erst um 10 Uhr auf, einzelne sogar erst um 11 Uhr“, schildert er. Seine Fahrzeuge und der anderen Paketdienste wie Post, GLS, UPS, Hermes oder TNT arbeiten deshalb in dieser Zeitspanne mit Hochdruck. „Aber das ist einfach nicht zu schaffen“, sagt Thieme. Zwei bis dreimal in der Woche müsse er Knöllchen in Höhe von 20 und 30 Euro bezahlen, denn ab 11.10 Uhr würden die Politessen Jagd auf die Paketzusteller machen. „Um das Geld für einen 30-Euro-Strafzettel wieder rein zu holen, muss ich zwischen 23 und 25 Pakete zustellen“, rechnet der Unternehmer vor.

Halle macht es besser

Thieme hat sich deshalb ans Rathaus gewandt und Änderungen im Anliefer-Regime gefordert. „Die Stadt Halle verkauft jedem Transportunternehmen für 500 Euro im Jahr eine Ausnahmegenehmigung, mit der diese dann länger in der Innenstadt anliefern können“, sagt er. Hätte er nur für eines seiner vier Fahrzeuge so eine Ausnahmegenehmigung, könnte er die Belieferung der Innenstadt so organisieren, dass nach 11 Uhr nur noch ein Mercedes-Sprinter von ihm in der City unterwegs wäre. „Geldboten, Taxifahrer und Busfahren dürfen doch auch in die Fußgängerzonen“, sagt er.

Bürgermeister will Ausnahmeregelungen nur für Härtefälle

Ordnungsbürgermeister Heike Rosenthal (Linke) hat ihm inzwischen schriftlich geantwortet. Solche Ausnahmegenehmigungen seien nur möglich, „wenn ein ganz besonderer Einzelfall vorliegt, der sich von den Situationen anderer Verkehrsteilnehmer deutlich unterscheidet und dazu führt, dass es gerade für diesen Antragsteller eine besondere Härte wäre, sich an die Vorschrift zu halten“, schreibt er. Für Thieme und Co. also nicht.

Die Rathausmitarbeiter haben dem Großpösnaer auch empfohlen, die in der City ausgewiesenen Anlieferzonen zu nutzen. „Aber das sind viel zu wenige“, erzählt der Unternehmer. „Wenn ich dort mal einen freien Stellplatz erwische, ist er meist weit von den Läden entfernt, die ich beliefern muss. Ich laufe dann die weite Strecke mit einer Sackkarre – mit bis zu 30 Paketen für jeden einzelnen Laden.“

Das Ordnungsdezernat des Rathauses verweist auf den Ratsbeschluss „Autoarme Innenstadt“, die eine Anlieferung von 5 bis 11 Uhr vorschreibt, damit Fußgänger „entspannt, ohne Ablenkung oder Gefährdung“ flanieren können. „Wir setzen nur um, was dort steht“, sagt ein Mitarbeiter. Verändert werden könne dieser Beschluss nur durch den Stadtrat. Bislang sei der Behörde nicht bekannt gewesen, dass sich die Situation so zugespitzt hat.

Längere Anlieferzeiten würden helfen

Wenn es nach Thieme geht, müsste der Stadtrat gleich an mehreren Stellschrauben drehen. „Wenn die Anlieferzeit nur um eine Stunde auf 12 Uhr verlängert würde, könnte das ausreichen“, sagt er. Auch mehr Anlieferzonen würden helfen. „Aber diese Flächen sollten dort sein, wo wir anliefern“, betont der Transportunternehmer. Und eine Ausnahmegenehmigung für jedes anliefernde Unternehmen sei ebenfalls notwendig.

IHK will Verkehr aus der Innenstadt lenken

Die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK) hebt hervor, dass die Stadt in großen Schritten auf die 600 000-Einwohner-Marke zusteuert und sich das Kaufverhalten sowie die Lieferströme fundamental verändert haben. „Insofern muss, was vor rund zehn Jahren als Konzept ,Autoarme Innenstadt’ beschlossen wurde, heute neu bewertet werden“, erklärte IHK-Präsident Kristian Kirpal. „Wir brauchen eine konsequente Verlagerung der Verkehrsströme aus der Innenstadt heraus, um eben gerade dem Lieferverkehr den nötigen Raum zu geben.“ Dafür brauche es vor allem ausreichend bemessene und gekennzeichnete Lade- und Lieferzonen. Angesichts veränderter Lieferströme gehörten auch die Anlieferzeiten auf den Prüfstand. Notwendig sei auch eine zügige Umsetzung eines Smart-City-Konzeptes, das die notwendigen Rahmenbedingungen für die Nutzung alternativer Lieferformen und neuer Antriebstechnologien schaffe.

Von Andreas Tappert

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