Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Classic-Open-Erfinder Peter Degner: „Ich habe niemanden betrogen“
Leipzig Lokales Classic-Open-Erfinder Peter Degner: „Ich habe niemanden betrogen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:50 22.03.2018
Peter Degner: „Ich habe den falschen Leuten vertraut, ohne zu merken, dass man mir die Classic Open wegnehmen will.“ Quelle: André Kempner
Leipzig

 Peter Degner (63) gibt sich kämpferisch: „Ich habe niemanden betrogen und sehe allen Konsequenzen mit Leichtigkeit entgegen“, sagt der Mann, der seit 23 Jahren das Festival „Classic Open“ in Leipzig veranstaltet. Es hat in dieser Zeit immer mal geruckelt, aber am Ende ist noch immer alles gut gegangen, wie man in Köln sagen würde. Jetzt allerdings steht die Sache auf der Kippe. Degner liegt im Streit mit der Veranstaltungsagentur maximalPULS GmbH und deren Chef Ronny Winkler. Es geht um Geld und die Abrechnung von Honoraren für Künstler und die damit im Zusammenhang stehenden Aufwendungen von Degner. Und: Es steht von Degners Seite der Vorwurf im Raum, dass maximalPuls ihm die Classic Open streitig machen, ihn aus dem Event herausdrängen will. „Ohne mich und meine Kontakte hätte es die Veranstaltung schon gar nicht mehr gegeben. Dass sich jetzt Leute ins gemachte Nest setzen wollen, schmerzt mich sehr.“

Was ist geschehen? Für die Classic Open 2017 im August auf dem Leipziger Markt hatte die Peter-Degner-Stiftung erstmals in der Geschichte des Events Fördermittel bei der Stadt beantragt. Nach Degners Darstellung geschah dies auf Drängen von maximalPULS, weil nur eine gemeinnützige Organisation, nicht aber eine Firma Fördermittel erhalten kann. Degner hatte als künstlerischer Leiter des Events einen Vertrag mit der Agentur maximalPULS gemacht, die sich als Veranstalter um die gesamte organisatorische und technische Abwicklung des Events kümmern sollte. Es flossen 50 000 Euro von der Stadt, für deren Abrechnung Degner später nicht bereit war, einzelne Posten bei Künstlerhonoraren, Spesen, Hotelrechnungen, Taxifahrten etc. offenzulegen.

Die Stadt monierte das pauschale Abrechnungsverfahren, und die Degner-Stiftung zahlte Ende November die 50 000 Euro Fördermittel an die Stadt zurück. Zugleich pumpte die Degner-Stiftung aus ihrem eigenen Kapital die nunmehr im Gesamtetat für 2017 fehlenden 50 000 Euro in die Classic-Open-Kasse. Und um dieses Geld, das auf einem Notarkonto liegt, geht es jetzt. Nach Angaben von Degner sind mit maximalPULS und Geschäftsführer Ronny Winkler alle Rechnungen beglichen. Degner selbst macht aber als künstlerischer Leiter noch Außenstände geltend, die er von diesen 50 000 Euro bezahlt wissen möchte: Künstlerhonorare und Nebenkosten. Der Streit beschäftigt inzwischen Rechtsanwälte.

Allerdings: Degner räumt auch Fehler ein. So tun sich Fragen auf, weil er in den von der Stadt geforderten Aufstellungen Künstlerhonorare angab, die so nicht stimmten. Das Luftwaffenmusikkorps der Bundeswehr zum Beispiel tauchte mit einem Honorar auf, obwohl es nach LVZ-Recherchen kostenlos gespielt hat. Der Vorwurf: Degner habe Honorare nicht weitergegeben, sondern quasi in die eigene Tasche gewirtschaftet. Er räumt im Gespräch mit der LVZ ein, Kosten-Positionen falsch zusammengefasst und als Künstlerhonorar falsch ausgewiesen zu haben. Es seien ihm aber sehr wohl Aufwendungen entstanden, zum Beispiel durch Reisekosten zur Organisation im Vorfeld der Künstlerauftritte, Hotelunterkünfte oder das Aufsetzen von Verträgen. Degner: „Ich habe nie jemanden hintergangen, mich nie bereichert.“

Als Ende letzten Jahres die ganze Diskussion um die Finanzen begann, ging Degner auf Tauchstation und gab keinerlei Statement ab. „Ich musste mich erstmal sortieren und wollte alles prüfen lassen“, sagt der künstlerische Leiter und legt einen Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ecovis vor. Darin wird Degner bescheinigt, dass Rechnungen, Vertragsunterlagen und Kontoauszüge mit einem von ihm zusammengestellten Künstleretat übereinstimmen.

Degner hat nach eigenen Angaben das Programm für die Classic Open 2018 schon fertig, rechnet also damit, dass er mit einem neuen Veranstalter wieder an Bord ist. Gestern auf Facebook dann aber ein zweifelnder Unterton: „Wir werden sehen, ob ich noch einmal ... auf der Bühne stehe. Ich hatte 23 Jahre Freude und weniger Freude. Aber mein Publikum war glücklich. “

Von Björn Meine und Jan Emendörfer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Glanzlichter der Naturfotografie“ ist die traditionelle Ausstellung überschrieben, mit der das Naturkundemuseum zu Jahresbeginn etwas Farbe und Licht in den Leipziger Winter bringt. Es ist die vorletzte Sonderschau am Goerdelerring, da das Museumsteam den Umzug vorbereitet.

07.03.2018

Die Entscheidung der Leipziger Richter zur Sterbehilfe steht zur Debatte. Eine Expertise zweifelt an der verfassungsrechtliche Schutzpflicht, Sterbewilligen für den Suizid notwendige Mittel zu verschaffen.

15.01.2018

Wird die einstmals größte Ausstellungshalle der Welt jetzt abgerissen? Viele Passanten wundern sich über eine neue Baustelle auf der Alten Messe in Leipzig. Dort hat Zweiradhändler Stadler mit dem Umbau der Halle 15 begonnen.

15.01.2018