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Lokales Classic Open in Leipzig: Stadt entscheidet, wer neuer Ausrichter wird
Leipzig Lokales Classic Open in Leipzig: Stadt entscheidet, wer neuer Ausrichter wird
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12:34 22.03.2018
Auch im August 2018 soll es wieder Classic Open auf dem Markt geben. Wer die Veranstaltung künftig macht, wird sich im ersten Quartal entscheiden. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Der Termin für die nächsten Classic Open steht fest: Sie finden vom 3. bis 12. August 2018 statt. Doch außer dem Termin ist alles andere noch völlig offen. Nach den Finanzquerelen um die Peter-Degner-Stiftung ist ein Neustart unumgänglich.

Anfang des Jahres wird das Marktamt daher ein öffentliches „Interessenbekundungsverfahren“ starten – damit wird die Veranstaltung de facto ausgeschrieben. Mehrere Bewerber stehen schon in den Startlöchern. Im ersten Quartal muss sich entscheiden, wer den Zuschlag bekommt. Die LVZ hat sich umgehört, wer in Frage kommt.

Martin Koslik und Ronny Winkler für Künstlerbeirat

Koslik&Friends: Vor Weihnachten haben Martin Koslik und Ronny Winkler ein Konzept bei Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Die Linke) eingereicht. Die beiden waren 2017 Mitveranstalter der Classic Open, als Partner der Peter-Degner-Stiftung. Ihr Plan: „Wir wollen Transparenz, deshalb soll ein Leipziger Künstlerbeirat gebildet werden. Der entscheidet, welche Künstler auftreten.“

Martin Koslik war 2017 Mitveranstalter der Classic Open. Quelle: André Kempner

„Ansonsten arbeiten wir mit den bewährten Gastronomen, Dienstleistern und Partnern zusammen“, so Martin Koslik. Er ist sich sicher: Wenn die Veranstaltung wieder ein sauberes und faires Image bekommt, bleiben auch die langjährigen Sponsoren an Bord.

Verein Popsaxony: Der Leipziger Musikverein besteht seit 2015 und ist eine Plattform, auf der mehr als 600 Künstler aus ganz Deutschland registriert sind. Vereinsvorsitzender Joachim Stier, selbst Freizeit-Musiker, hat vor Weihnachten einen Brief an das Kulturdezernat geschrieben und mitgeteilt, dass der Verein für die Neuorganisation bereit steht – entweder federführend oder als helfende Unterstützer.

Hinsichtlich der Kosten hätte der Verein einen Pluspunkt: „Wir arbeiten ehrenamtlich, uns geht es nicht um Gewinnmaximierung. Wir wollen die Classic Open für die Musikstadt Leipzig auf solide Füße stellen, damit sie auch in Zukunft weiterbestehen können.“ Popsaxony hat bisher Erfahrungen mit dem Leipziger Wasserfest und dem Passagenfest gesammelt. In einem offenen Brief bittet der Verein alle Leipziger Bürger, Vereine, Unternehmer und Sponsoren um Unterstützung bei der Rettung und Neuausrichtung der Classic Open.

Deutliches finanzielles Risiko

Veranstaltungs­agen­­tur Bernd Hochmuth: Der Organisator des Leipziger Stadtfestes hat sich intensiv mit dem Budget der Classic Open beschäftigt und sieht ein deutliches finanzielles Risiko. „Stadt und L-Gruppe haben zuletzt zusammen 90.000 Euro für die Veranstaltung gegeben.

Stadtfest-Macher Bernd Hochmuth. Quelle: Andre Kempner

Falls dieses Geld nicht mehr kommt, kann man die Veranstaltung nicht machen.“ Deshalb würde Hochmuth seinen Hut nicht alleine in den Ring werfen und das Veranstalter-Risiko auf sich nehmen, sondern nur zusammen mit einem erfahrenen Veranstaltungs-Partner.

Die Wirte: Auch die sechs Classic-Open-Wirte – Barthels Hof, Fairgourmet, Marriott-Hotel, Ratskeller, Thüringer Hof und Caterer Jens Schwade – machen sich Gedanken, wie es weitergehen soll. Bereits Ende November haben sie einen Brief an Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke geschrieben und um einen Termin gebeten – das Gespräch findet Anfang Januar statt.

Auch die Wirte stehen bereit, um mit Partner(n) die Classic Open weiterzuführen. „Wir sind für jede Zusammenarbeit offen, wenn alles sauber läuft und die Stimmung gut ist“, so Ratskeller-Chef Ingo Winkler. Unterstützung hinsichtlich Technik und auch Künstlern würden die Wirte sowohl von der Messe-Tochter Fairnet als auch von Rüdiger Pusch vom Krystallpalast-Varieté bekommen. Das Interessante an einer solchen Konstellation: Fairnet und Fairgourmet sind beides Unternehmen der Leipziger Messe – damit käme die Stadt Leipzig als Gesellschafter der Messe mit ins Boot.

Degner war Auslöser der Classic-Open-Krise

Peter Degner: Der Erfinder der Classic Open kann sich selbst auch am „Interessenbekundungsverfahren“ beteiligen. Ob er das vorhat, ist unklar. Auf entsprechende Anfragen reagiert der 63-Jährige nicht. Nach LVZ-Informationen will er sich im Januar öffentlich äußern. Degner selbst hatte überhaupt erst die Krise um die Classic Open ausgelöst: Anlass war der Zuschuss der Stadt von 50.000 Euro, den er 2017 erstmals bekommen hatte.

Peter Degner ist der Erfinder des Classic Open. Quelle: André Kempner

Überraschend verweigerte er dann aber die Offenlegung sämtlicher Original-Belege, die für den Verwendungsnachweis der Fördermittel erforderlich ist. Stattdessen zahlte die Degner-Stiftung lieber die 50.000 Euro an die Stadt zurück, und Degner erklärte seinen Rücktritt aus der Stiftung. Recherchen ergaben inzwischen, dass er nur einen Teil des Budgets für Künstlerhonorare tatsächlich an die Künstler weitergereicht hat. Vor allem regionale Bands und Solisten traten völlig ohne Gage auf.

Von Kerstin Decker

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